Jörn Hevendehl (v.l.), Leiter des Regionalforstamtes Märkisches Sauerland, Michael Kling, Kreisbrandmeister und Christof Schäfer, Revierförster Nachrodt-Wiblingwerde begutachten 2020 die Ausmaße der Trockenheit. Foto: Ronja Martens/Wald und Holz NRW

Märkischer Kreis. (pmk) Die Schäden durch den Borkenkäfer nehmen landschaftshistorische Ausmaße an. Die  Wiederbewaldung im Märkischen Kreis hat begonnen.

Das Regionalforstamt Märkisches Sauerland steht vor einer großen Herausforderung: Auch im Südkreis breitet sich der Borkenkäfer weiter aus. Gleichzeitig startet im Nordkreis bereits die Wiederbewaldung der heimischen Region mit Mischwald. Die wichtige Wiederbewaldung wird Jahre beanspruchen. Der Leiter des Regionalforstamtes Märkisches Sauerland, mit Sitz in Lüdenscheid, Jörn Hevendehl, berichtete im Ausschuss für Abfallwirtschaft, Umweltschutz und Planung.

“Die Auswirkungen des Klimawandels können Sie vor der Haustür in unseren heimischen Wäldern begutachten. Dazu müsse man nicht an den Nordpol reisen”, sagte Jörn Hevendehl, im Lüdenscheider Kreishaus. Nach den drei Dürrejahren in Folge konnte sich der Borkenkäfer im ganzen Kreisgebiet massiv ausgebreiten. Betroffen sind vor allem Fichte aber auch Lärchen. Beide machen knapp die Hälfte des Waldbestands im Märkischen Kreis aus.

Auf bislang rund 6.500 Hektar musste in den letzten drei Jahren zwangsweise Sanitärholz dem Wald entnommen werden. “2021 werden wir noch mal 4.000 Hektar verlieren”, ist sich Hevendehl sicher. Um die Menge an Borkenkäfern und damit neue Infektionsherde zu bekämpfen, wird so viel Schadholz wie möglich rausgenommen. Unter der Rinde einer Fichte sitzen rund 40.000 Käfer, die darauf warten, im April gesunde Fichten zu befallen. Da die heimischen Sägewerke bereits überlastet sind, wird das Holz nach Süddeutschland transportiert.

Mit Chemie ist dem Borkenkäfer und seinem Folge-Kollegen, dem Braunen Rüsselkäfer, auf großen Flächen nicht beizukommen. “Damit kann man nur kleine Nester bekämpfen”, macht der Leiter des Regionalforstamtes deutlich.

Mit seinen 35 Mitarbeitenden steht er nun vor der Mammutaufgabe. Einerseits gilt es so viel intakten Nadelwald zu schützen wie möglich. Das wird aber nur mit einem feuchten und sommerkalten Jahr gelingen. Andererseits muss, die Wiederaufforstung mit widerstandfähigeren Mischwald koordiniert und fördertechnisch für die Waldbesitzenden geleistet werden. Er folgt dabei dem Wiederbewaldungskonzept des Landes NRW.

83 Prozent Privatbesitz

Besonderheit im Märkischen Kreis ist, dass die 56.000 Hektar Waldflächen zu 83 Prozent in Besitz von rund 4.000 privaten Waldbauern sind. Entsprechend zeitaufwändig sind dabei die Koordinierungsaufgaben. Die Mitarbeiter des Regionalforstamtes arbeiten am Limit.

Auch brechen den Waldeigentümern die Einnahmen weg. Daher können zukünftig die Ökosozialleistungen des Waldes, wie die Instandhaltung und das Freischneiden von Waldwegen nicht mehr durch die Einnahmen aus Holzverkauf bezahlt werden. Auf Anfrage zur Förderung hin bedauert Hevendehl, dass für die Instandsetzung von Waldwegen bislang noch keine Fördergelder freigegeben sind. “Der Politik ist kein Vorwurf zu machen, sie stellt so viel Geld wie nie für die Waldsanierung zur Verfügung”, sagt er, vermutet aber, dass es nicht reichen wird.

Der Waldumbau ist eine historische Chance. Die Bevölkerung erkennt mehr und mehr, wie wichtig die Wälder als Klimaanlagen zur Senkung der Höchsttemperaturen im Sommer sind. Und wie das tiefreichende Wurzelwerk der Wälder das Wasser nur langsam in die Quellen abgibt und so für die Trinkwassersicherung wichtig sind.

Weiterhin stellen die Wälder die meistbesuchte Sport- und Freizeitanlage dar. All diese Ökosozialleistungen konnten durch die Waldeigentümer bislang durch den Verkauf von Holz kostenfrei der Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden. Neuerdings steigt aber im Angesicht der Waldschäden die Akzeptanz, die Wiederbewaldung durch eine Baumprämie aus den Einnahmen der CO2-Steuer dauerhaft zu finanzieren. Die so wichtige Waldsanierung wird das Regionalforstamt voraussichtlich die nächsten zehn Jahre beschäftigen.

Über den Zustand des heimischen Waldes informiert in eindrucksvoller Weise der Film des Kreisheimatbundes unter https://mklive.tv/.

Das Konzept des Landes NRW zur Wiederbewaldung ist unter www.waldinfo.nrw.de abrufbar.

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