Bubert
Magischer Moment bei der Museums-Performance mit Jean-Luc Bubert. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Jean-Luc Bubert und Ulli Kuhn durchstreifen mit einer kleinen Schar Besucher die Ausstellung „Home“ im Museum am Sauerfeld. Der Lüdenscheider Percussionist trommelt auf Tischen und Stühlen, auf einer Badewanne, die in der nachgebauten Wohnung einer Wohngemeinschaft steht. Anspielungen noch und nöcher. Schauspieler Jean-Luc Bubert blickt unter die Decke voller T-Shirts, die mit Zitaten zum Thema Heimat bedruckt sind. „Wann habe ich das letzte Mal Heimweh gehabt?“, fragt er sich. Zitate aus Sketchen von Loriot fallen. Mitten im Johnny-Mobiliar summt Bubert Passagen aus dem Westernhagen-Hit „Johnny Walker, Du bist mein bester Freund“.

Percussionist Ulli Kuhn begleitete die szenische Rezitation. Fotto: Wolfgang Teipel

Erinnerungen an Orte der Kindheit und Jugend

Heimat und Erinnerungen an Orte der Kindheit und Jugend. Es ist unterhaltsam und spannend, den Schauspieler und den Musiker bei ihrer Improvisation zu beobachten. Dann der Höhepunkt: Das erste von fünf Kapiteln aus T. S. Eliots Mammut-Epos „Das wüste Land“. Bubert jammert die erste Zeile: „Der April ist der grausamste Monat“. Er flüstert, schreit, raunt, brüllt und jault. Das passt zu dem „grauenhaft grandiosen Weltgedicht der Trostlosigkeit“ (Thomas Hummitzsch im Magazin Glanz @Elend). Es fasst auf 433 Zeilen die Zerrissenheit zusammen, die Autor T. S. Eliot zu beginn der 1920er Jahre gequält haben muss.

Impressionen aus der rund 20-minütigen Performance in der Ausstellung “Home”: Collage: Wolfgang Teipel

Trommeln, Klappern, Rappeln und Rasseln

“Johnny Walker, Du bist mein bester Freund . . . Foto: Wolfgang Teipel

Begleitet vom Trommeln, Klappern, Rappeln und Rasseln Ulli Kuhns entwickelt sich eine grandiose Performance. Der ganz in Weiß gekleidete Jean-Luc Bubert zieht das Publikum in seinen Bann. Zum Abschluss der etwa 20-minütigen szenischen Rezitation löst er die Spannung: „Jetzt brauch ich erst mal ein Bier.“ Der Gerstensaft ist ein Stück Heimat und gehört zur DNA des Sauerländers. Bubert hat seinen magischen Ausflug in Eliots wüstes Land beendet und ist wieder auf dem Boden angekommen.

Die Besucher, die dem aus Lüdenscheid stammenden Schauspieler durch alle Räume gefolgt sind, stutzen einen Moment und holen Atem. Dann folgt der befreiende Applaus. Anschließend marschieren auch sie zum Getränkeausschank. Diese Show müssen sie erst mal sacken lassen.

Die Idee zur Performance im Rahmenprogramm der Ausstellung „Home“ haben Kurator Tom Groll, Jean-Luc Bubert und Ulli Kuhn spontan entwickelt. Buberts Bezüge zu Lüdenscheid sind vielfältig. Er ging hier zu Schule und verließ die Stadt nach dem Abi im Jahr 2000, um seine Schauspieler-Laufbahn zu starten. „Damals hieß es: Nur weg aus Lüdenscheid“, erinnert er sich. Jetzt war er mal wieder da. Und wie . . .

 

Wir brauchen Dich, um die Zukunft von TACH! zu sichern. Bitte mach mit! Unterstütze uns auf Steady

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here