Rund 900 Menschen kamen zur Kundgebung unter dem Motto "Solidarität mit der Ukraine". Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid.  Kein Schweigen der Hilflosigkeit, sondern ein machtvolles, trotziges Schweigen lag über dem Rathausplatz: Rund 900 Menschen hatten sich am Mittwochabend versammelt, um ihre Solidarität mit der Ukraine und ihren Protest gegen den Angriffskrieg Putins zu bekunden.

Emotionale Ansprache

„Es ist Ihr Krieg, Präsident Putin“, sagte Lüdenscheids Bürgermeister Sebastian Wagemeyer in einer emotionalen Ansprache. Aus seinen Worten sprach aber auch Hoffnung. „Das Licht wird über die Dunkelheit siegen“, rief er den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der vom Deutschen Gewerkschaftsbund organisierten Veranstaltung zu.

Ein Versprechen: Grenzenlose Solidarität. Foto: Wolfgang Teipel

Mitgefühl mit den Menschen in der Ukraine, Hoffnung auf ein Ende der Gewalt und die Erwartung auf eine neue Weltordnung, die den russischen Aggressor und die Schranken weist, das waren die Kernpunkte der Rede Wagemeyers. Und: „Refugees welcome“. Lüdenscheid werde sich um die Menschen kümmern, die vor Tod, Leid und Gewalt geflohen seien.

Anzeige

Der Westen hat viele Krisen ignoriert

Sebastian Wagemeyer: Putin hat die Diplomatie zum Schweigen gebracht. Foto: Wolfgang Teipel

Bei aller scharfer Kritik am selbstherrlichen Vorgehen des russischen Machthabers schwangen aber auch nachdenkliche Töne über die Haltung des Westens mit. Viel zu lange habe es sich Europa „bequem“ eingerichtet und die vielen Konfliktpunkte und Krisen, hervorgerufen durch die russische Machtelite, ignoriert.

Sebastian Wagemeyer sprach sich entschieden gegen Gewalt und für weitere Gespräche aus. „Lieber 100 Stunden umsonst verhandeln als eine Minute schießen“, zitierte der Bürgermeister den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt. Aber: „Putin hat die Diplomatie zum Schweigen gebracht.“ Deshalb fordere er scharfe Sanktionen und entschiedenes Handeln. Jetzt gehe es darum, die Ukraine zu stärken und den Menschen zu helfen „so gut wir können.“

„Wir müssen Flagge zeigen“, forderte auch Bernd Schildknecht. Der DGB-Kreisvorsitzende sprach das Grußwort zur Veranstaltung unter dem Motto „Solidarität mit der Ukraine“.

Solidarität und Einigkeit unterschätzt

Bernd Schildknecht: Putin hat die Solidarität mit der Ukraine unterschätzt. Foto: Wolfgang Teipel

Putin habe diese große Welle der Solidarität und die Einigkeit des Westens nicht einkalkuliert und nicht mit der Gegenwehr der Ukraine gerechnet. Schildknecht brandmarkte „Putin und Konsorten“ als „Kriegsverbrecher“. Sein Wunsch: „Die Menschen in Russland sollen mitbekommen, dass überall auf der Welt die Menschen für sie auf die Straßen gehen. Auch so kann das Pflänzchen des Widerstands wachsen und irgendwann diese Brut einfach wegfegen.“

Zu den Bildern des Abends gehört auch diese Szene: Zum Abschluss der Schweigeminuten trat eine Frau in den ukrainischen Landesfarben mit einem kleinen Mädchen nach vorne. Das Kind überreichte dem Bürgermeister Luftballons in den Nationalfarben blau und gelb. Eine Geste, die Sebastian Wagemeyer sichtlich rührte. Bis zum Ende der Veranstaltung hielt er die Ballons fest in der Hand.

 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here