Sperrung
Cooler Protest: Der Fahrer dieser Goldwing hat mit Raserei nichts am Hut. Jetzt ist die Strecke wieder frei. Foto: Wolfgang Teipel

Herscheid/Märkischer Kreis. Der 68-jährige Biker aus Hemer lässt seine 22 Jahre alte Goldwing an. Das schwere Reisemotorrad am Jagdhaus Weber in Reblin brummt gemütlich vor sich hin. Dann brettert ein anderer Biker vorbei. Es wird laut. „Ausgerechnet heute“, grantelt der Veteran. Er ist einer von rund 1800 Motorradfahrern, die am Sonntag wegen der Sperrung eines Teilstücks der L 707 für Motorräder nach Herscheid gekommen sind.

Ein Heizer und Krachmacher ist er nicht. So wie die meisten der Fahrer, die ein Zeichen gegen die Sperrung setzen wollen. Auf dem Bordcase seiner Maschine prangt ein Schild. „Grosse Motorraddemo gegen die Sperrung der Nordhelle (L707)“ steht auf dem Banner. Darüber thront ein Teddybär mit Motorradbrille. „Dein Schutzengel“ lautet der Schriftzug auf dem gelben T-Shirt.

Collage: Wolfgang Teipel

Fehlverhalten einer Minderheit

Der Mann aus Hemer hat etwas gegen Raser, Krawallbrüder und Lärmbelästigung. Er hat aber auch etwas gegen Streckensperrungen. „Warum sollen so viele Fahrer unter dem Fehlverhalten einer Minderheit leiden?“ heißt es immer wieder in Gesprächen mit den Teilnehmern der Demo. Das Rezept, das die Biker verkünden, lautet sinngemäß: Scharf kontrollieren, am besten den Führerschein für längere Zeit einziehen. Das hilft.

Stau auf der Zufahrt zum Wanderparkplatz. Foto: Wolfgang Teipel

Demo-Fahrt nach dem Anheizen in Lindlar

Kontrollen hat es an diesem Streckenabschnitt der L707 reichlich gegeben. Auch Gesprächsangebote des Märkischen Kreises und der Polizei. Das alles hat die schwarzen Schafe nicht abgeschreckt. „Es gibt eine Gruppe, die erreichen wir mit unseren Appellen nicht“, bedauert Michael Lenzen aus Lindlar. Er ist Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Motorradfahrer. Dieser Zusammenschluss hatte zu der großen Demonstration aufgerufen. Ausgangspunkt war das traditionelle Anheizen zur Saisoneröffnung in Lindlar. Aus dem Oberbergischen machten die Fahrer auf nach Herscheid. Auf dem Weg schlossen sich andere Fahrer an.

Tross zeitweise bis zu zwölf Kilometer lang

Letztlich erreichten rund 1800 Maschinen in einem zeitweise bis zu zwölf Kilometer langem Tross den Wanderparkplatz unterhalb des Jagdhauses Weber in Reblin. Ein machtvolles Zeichen. Es dürfte auf dem Bundesverband Deutscher Motorradfahrer in seiner juristischen Auseinandersetzung mit dem Märkischen Kreis beflügeln. Er hat beim Verwaltungsgericht Arnsberg eine Klage eingereicht. Die Richter sollen die vom Märkischen Kreis verhängte Sperrung aufheben. Der Verband hofft auf eine schnelle Entscheidung innerhalb von vier Wochen.

Der Wanderparkplatz in Reblin: Im Hintergrund ist die endlose Schlange von Motorrädern zu sehen. Foto: Wolfgang Teipel

Die Polizei verzeichnet während der Demofahrt und der Kundgebung keinerlei besondere Vorkommnisse.

Unfall auf der Rückfahrt

Bedauerlich: Auf der Rückfahrt von der Veranstaltung verunglückte ein 25-jähriger Fahrer aus Hessen auf der L696. Er rutschte in einer Linkskurve zwischen Herscheid und Neuemühle gegen den Pfosten einer Leitplanke und wurde schwer verletzt ins Lüdenscheider Krankenhaus gebracht.

Am Samstag hatte die Polizei zwischen den gesperrten Abschnitt der L707 kontrolliert und während des zweistündigen Überwachungszeitraums keinerlei Verstöße gegen die Sperrung festgestellt.

Schwerpunktkontrolle in Meinerzhagen

  • Bei Kontrollen an der L539 in Meinerzhagen überprüften Polizeibeamte später den technischen Zustand der gestoppten Maschinen. Im Zuge der vierstündigen Kontrolle stellte sie drei Abgasanlagen sicher, weil die jeweiligen Endschalldämpfer manipuliert worden waren. In einem Fall wurde mit einem kalibrierten Messgerät ein Wert von 122 db gemessen. Das wiederum entspreche, so die Polizei, in etwa dem Lärm, den ein startender Airbus verursacht. In zwei weiteren Fällen war die Betriebserlaubnis infolge der Änderungen erloschen.
  • Ferner mussten mangelhafte Bereifungen und schwerwiegendere Mängel, die die Verkehrssicherheit beeinträchtigten, zur Anzeige gebracht werden. In einem Fall war die Betriebsbremse so gut wie ohne Funktion. In diesem Fall wurde eine Sicherheitsleistung von 300 Euro erhoben, weil es sich um einen ausländischen Fahrer handelte.

 

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