Plettenberg. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) wird an der Bahnhofstraße eine Tagesklinik einrichten. Dafür wird durch das Plettenberger Unternehmen R.B. Makler GmbH als Projektentwickler ein Neubau errichtet, dem nach jetzigem Stand die Häuser Bahnhofstraße 111, 109 und 107 weichen müssen.

Die Voraussetzung für das Bauvorhaben schuf der Rat der Stadt in seiner Sitzung am 26. Januar, in der mehrheitlich beschlossen wurde, den Vorhabenträger von der Erhaltungsverpflichtung für die Gebäude Bahnhofstraße 109 und 111 im städtebaulichen Vertrag zwischen der HBB Gewerbebau Projektgesellschaft, die das Einkaufszentrum P-Center auf dem ehemaligen Mylaeusgelände errichtet, und der Stadt Plettenberg freizustellen.

Wolfgang Schrader (SPD) vertrat in der Diskussion die Aufffassung, dass ein Neubau eine städtebauliche Verbesserung darstellen würde. Peter Krieger (CDU) sieht in der Errichtung der Tagesklinik eine massive Verbesserung des medizinischen Angebots in Plettenberg. Carsten Hellwig (FDP) kritisierte, dass der städtebauliche Vertrag einseitig zugunsten des Investors ohne eine Gegenleistung geändert würde.

Helmut Teicherts Gedanken zum geplanten Abriss

Zum geplanten Abriss der Häuser Bahnhofstraße 107, 109 und 111 macht sich Helmut Teichert, Architekt und 2. Vorsitzender des Fördervereins für Denkmalpflege, seine eigenen Gedanken:

“Die Altstadt Plettenberg bestand – im Großen und Ganzen auch noch nach der Sanierung – aus kleinen Giebelhäusern der Zeit nach dem Brand 1725. Sie befanden sich innerhalb des Mauerrings und scharrten sich um die mittelalterliche Kirche und um das erste Rathaus am Winkeleck zwischen oberer und unterer Wilhelmstraße.

Nach dem deutsch-französischen Krieg und während der Industrialisierung streuten sich höhere viergeschossige Bürgerhäuser mit Erkern und Türmchen dazwischen, während das Rathaus aus der Innenstadt versetzt wurde. Gleichzeitig erweiterte sich die Stadt entlang der Viertälerstraßen mit meist zweigeschossigen Wohn- und Geschäftshäusern, Fabrikantenvillen und unterbrochen von kleineren Fabriken, zusammen mit einem neuen Rathaus an der Bahnhofstraße.

Bis heute blieb diese Bahnhofstraße im Anschluß an das Untertor mit seiner kleinteiligen Bebauung in seinem Rhythmus, seiner nicht strengen Ausrichtung und seinen unterschiedlichen, aber untereinander harmonischen Dachformen erhalten. Obwohl die Eigentümer – selbst des Rathauses – meist wenig zur pfleglichen Erhaltung taten (siehe auch die unpassende Metalltür zum Alten Rathaus).

“Das bürgerstolze Entré zur Altstadt”

Der ehemals komplette, jetzt inzwischen unvollständige Halbkreis höherer Kopfbauten um den Platz vor dem Untertor bildete das bürgerstolze Entré zur Altstadt.

Die städtebauliche Zerstörung dieser harmonischen westlichen Häuserzeile vor dem Untertor, die das Denkmalpflegeamt in Münster als erhaltenswert, weil mit stadtbildprägend einstufte, ist nun, diesem fachlichen Urteil besserwisserisch zum Trotz, beschlossene Sache des Plettenberger Hochbauamtes und der meisten Stadtverordneten.

Und zwar soll dort ein 41 Meter langer viergeschossiger Flachdachbau entstehen, 8 Meter länger und 50 Zentimeter höher als der GWU-Bau am Umlauf.

“Das Besondere des inneren Stadtbildes wird aufgegeben”

Dies ist ein weiterer Schritt, das Besondere des Plettenberger inneren Stadtbildes in Richtung einer geschichts- und gesichtslosen Kleinstadterscheinung, wie nur zu oft im Nachkriegsdeutschland, aufzugeben.

So geschah es schon mit der Häuserschlucht am Umlauf, welche die Altstadt verriegelte.

Natürlich wäre es leicht möglich, Kleinteiligkeit, Fassadenrhythmus und Größenmaßstab der noch stehenden Häuserzeile zusammen mit dem Erhalt der wertvollsten Fassade(n) geschickt zu bewahren, bei gleichem Raumprogramm und gleichen Baukosten, wenn der Wille hierzu bei den Beteiligten vorhanden wäre! Ja, wenn…”

Mit drei von ihm angefertigten Modellen veranschaulicht Helmut Teichert die bevorstehenden Veränderungen und macht einen Alternativvorschlag, der den jetzigen Charakter der oberen Bahnhofstraße erhalten würde (Klick auf die Bilder öffnet Galerie).

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here