TEILEN
Rückblick ins Jahr 2013: René Steinberg stemmt die Lüsterklemme in die Höhe (links Sparkassevorstand Markus Hacke, rechts Stefan Weippert, der damalige Leiter des Kulturhauses). Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Am 26. August sollte René Steinberg mit einem “Best of”-Programm an den Lüdenscheider Stadtstrand MAMNUCA kommen. Aufgrund einer Wetterwarnung wird der Auftritt auf Donnerstag, 10. September, verschoben. Bereits gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit. Das Programm beginnt um 20 Uhr.

Im „Best of“ des Kabarettisten, der 2013 den Kleinkunstpreis “Lüdenscheider Lüsterklemme” gewonnen hat, geht er mit viel Erfahrung und dem Besten aus dem Radio und seinen vier Soloprogrammen auf die Bühne.

Weitere Informationen unter www.renesteinberg.de.

Anzeige

Mittwoch, 26.8.20

René Steinberg „Best of”

Beginn 20.00 Uhr

Eintritt ab € 23,00 zzgl. Gebühren

Veranstaltungsort: MAMANUCA – Der Stadtstrand in Lüdenscheid, Bahnhofsallee, Lüdenscheid

Weitere Informationen https://www.facebook.com/events/293999328359469/

In einem Interview stellte sich René Steinberg Fragen zur schwierigen Arbeit von Künstlern seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Er wirft auch einen Blick nach vorn.

Wie geht es Ihnen als Künstler in dieser schwierigen Zeit?

Ich bin am 14. März in einem kleinen Theater in Berlin von der Bühne gegangen und war wahrscheinlich damit quasi der letzte in der Hauptstadt, denn alle anderen Bühnen waren da bereits geschlossen. Was dann angefangen hat, war eine fraglos schwierige Zeit mit großen finanziellen Verlusten. Vor allem aber ist es bis heute die Ungewissheit, die einem zu schaffen macht. Ich habe ja noch das große Glück, dass ich ein wenig im Radio machen konnte und kann. Aber zu sehen, dass da gerade für längere Zeit ein ganzer Sektor wegbricht, ist absolut heftig. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass ich noch einmal so eine deutliche Erschütterung miterlebe. Allerdings kam dann auch recht bald der Punkt, an dem ich dachte: „Okay, hör auf rumzusitzen und nimm gefälligst das Heft in die Hand – auf der Bühne sagst du ja auch immer, dass meckern alleine nichts bringt“. Und so habe ich schon früh in der „Krise“ ich nach Wegen und Möglichkeiten geschaut. Und die kamen dann.

Woher nehmen Sie diesen Optimismus bzw. die Kraft?

In meinen letzten Programmen war auch schon mal Thema, dass ich einen Vater hatte, der mit Sinnsprüchen nur so um sich warf. Früher nervte das. Irgendwann merkt man aber, da ist dann doch einiges hängengeblieben. Einer dieser war „Wer weiß, wofür’s gut ist!“ und noch stärker war sein Spruch „Wenn Du vom Leben einen Tritt in den Arsch kriegst, guck, dass Du den Schwung nach vorne nutzt“. Das wurde für mich wie eine Art Mantra – einfach zu schauen, was geht, was man machen und versuchen kann, wenn man wieder aufstehen möchte.

Wie sind Sie auf die Idee zu diesem Stück gekommen?

Das ergab sich irgendwann quasi einer inneren Logik folgend. Als der Lockdown sich lockerte, spielte ich Autokinos, leere Schwimmbäder, zu 20 Prozent gefüllte Stadthallen, alles mögliche, was findige Veranstalter aus der Not heraus geboren hatten. (Übrigens auch ein Spruch von meinem Vater: „Die einen meckern, die anderen machen.“). Mein eigentlich aktuelles Programm „Freuwillige vor“ kann ich aktuell nur bedingt spielen, weil da viele interaktive Mitmachparts bei sind. Nun gab es zahlreiche Anfragen und gleichzeitig auch so viele Eindrücke, Gedanken und brandneue Themen und somit neues Material, dass es auf der Hand lag, genau dazu ein Programm zu machen. Ich bin überzeugt, dass wir als
Gesellschaft seit März einen fundamentalen Einschnitt erleben und der macht natürlich was mit uns.

Also ein Corona-Programm?

Um Himmels willen, nein. Wer möchte nach den vielen Wochen daheim rausgehen und sich anderthalb Stunden wieder etwas rund ums Virus anhören. Wir haben aber nun einen sehr gemeinsamen Erlebnishorizont, über den man jetzt gemeinsam Lachen kann. Direkt zu Anfang der Pandemie hatte ich ein Gedicht über Hamsterkäufe (in Adaption des  Erlkönigs) geschrieben, welches viral ging; wahrscheinlich, weil Humor seiner Aufgabe entsprach, ein Ventil zu sein. So  möchte ich gerne mit dem Publikum gemeinsam über Erlebtes Lachen, die Absurditäten benennen, beispielsweise bei Verschwörungstheoretikern oder auch selbsternannten Experten. Vor allem aber geht es um die Frage: „Wer weiss, wofür’s gut ist!?“. Denn der fundamentale Einschnitt bringt a) Veränderung und b) können da ja auch positive Dinge dabei sein.

Zum Beispiel?

Wichtig ist, dass ich nicht Schlaubi-Schlumpf bin und es nicht weiß. Aber ich will Fragen stellen und anregen, manche Dinge mal weiter zu denken. Ich will nicht zu viel verraten, aber Homeoffice ist ein gutes Beispiel. Das wurde durch die Krise enorm voran gebracht. Das wird nicht vollständig verschwinden – mit allen guten, aber auch skurrilen Seiten (Menschen arbeiten in Unterhosen, z.b.). Was macht das mit uns? Mit den Staus aber auch dem Plausch mit dem Kollegen? Viele sprachen von der Entschleunigung, die sie erlebten. Oder von dem Entdecken von mehr Miteinander und Höflichkeit. Bleibt das? Verschwindet es ganz? Oder: der Lockdown hat den Online-Handel beflügelt, was macht das mit unseren Innenstädten? Können wir vielleicht mal ganz neue Konzepte denken? Was ist mit Mobilität? Reisen? Wir haben Geisterspiele gesehen und selbst mir als
glühendem BVB-Fan wurde die ganze Absurdität des modernen Profi-Fussballs nachhaltig vor Augen gehalten. Vor allem aber steht die Erkenntnis oder besser, die Erfahrung, dass der Mensch verwundbar ist. Und wieder: Was macht das mit uns? All das sind Fragen, die mich umtreiben und die ich stellen möchte.

Was raten Sie Ihrem Publikum?

Nun fühle ich mich nicht als Ratgeber, da ich auch nicht weiß, in welcher Situation sich der Einzelne befindet. Was ich aber glaube: jeder kann es versuchen und bei sich selber anfangen. Natürlich kann man vielen Dingen die Schuld geben, wenn man gebeutelt wird – es hilft nur wenig. Um was zu verändern, muss man eben leider meist selber ran: sich an die Nase packen und auch unangenehme Fragen sich selber stellen. Am Ende, so glaube ich, gewinnt man dadurch und es hilft Ängste zu überwinden.

Was glauben Sie wird diese Krise mit uns machen?

Wie schon gesagt, es ist eine einschneidende Erfahrung, die wir alle machen. Und wenn Menschen fragen „Wann wird es wieder so wie vorher?“, dann glaube ich: gar nicht. Es wird nie mehr so wie vorher – es wird anders. Ob gut oder schlecht, das bleibt abzuwarten. Aber ich bin überzeugt, dass eben auch positive Aspekte dabei sein werden.

Was heißt das Ihrer Meinung nach konkret für die Zukunft?

Hoffentlich bekommen wir einen andere Sinn für das Miteinander. Oder – anderes Beispiel – einen anderen Blick auf Politiker. Einige davon haben währen der Krise einen fraglos guten Job gemacht und andere sich als große Luftpumpe enttarnt.
Oder auch die schwelende Frage nach dem Klima; wir haben gesehen, dass die Kanäle in Venedig sauber sein können. Es geht also. Was macht das mit uns? Ich glaube, das allerwichtigste ist, dass wir die Situation nutzen nun mal innehalten und einiges in Frage stellen oder aber auch noch mehr wertschätzen, was uns vielleicht zu lange zu selbstverständlich war. Und sei es einfach nur eine Umarmung!

Wir brauchen Dich, um die Zukunft von TACH! zu sichern. Bitte mach mit! Unterstütze uns auf Steady

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here