Katalyn Huehnerfeld präsentiert ihr Programm "Krone der SchRöpfung". Foto: Jeanne Degraa

Lüdenscheid. Die Lüsterklemme – ein Preis, der sogar schon besungen wurde. Die Preisträger aus dem Jahre 2003, „Unsere Lieblinge“, widmeten dem Kleinkunstpreis aus Lüdenscheid ein eigens komponiertes und getextetes Lied. Vom 23. Februar bis 5. März sind sechs Vorstellungen im Lüdenscheider Kulturhaus geplant. Sie beginnen jeweils um 19.30 Uhr.

Die Lüsterklemme – ein Preis mit besonderem Wert. Denn das Publikum bestimmt mit seinen Stimmen während der Lüdenscheider Kleinkunsttage den Preisträger.

Und ein Preis mit einem besonderen Namen. Denn was sich im ersten Moment wie ein technischer Begriff anhört, bietet mehr:

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Eine Lüsterklemme verbindet – so wie der Kleinkunstpreis Publikum und Künstler verbindet oder Kultur und Sparkasse.

Und sie hat Witz, denn schnell wird aus Lüster Lust und welches Kleinkunstprogramm kommt schon ohne die „verklemmte Lust“ aus?

Dabei ist sie schließlich auch noch ein bekanntes und typisches Produkt der Lüdenscheider Industrie.

Alles in allem also eine Auszeichnung mit Augenzwinkern und Hintersinn.

Der von der Sparkasse gestiftete Kleinkunstpreis ist mit einem Preisgeld von 1.500 Euro verbunden.

Hier das Programm:

23. Februar Dr. Pop „Hitverdächtig“: Dr. Pop hat Medienwissenschaften und Popmusik studiert. In den vier großen Popmusikmetropolen dieser Welt: Manchester, Liverpool, Paderborn und Detmold. Anschließend promovierte er zu den Themen Terrorismus und Orientalismus in der Popmusik in Berlin. Er stand dabei sechs Jahre unter Polizeischutz – aber nicht wegen der Sprengkraft seiner Thesen, sondern weil die Privatwohnung von Angela Merkel Tür an Tür zu seinem Musikinstitut lag.

24. Februar Katalyn Hühnerfeld „Krone der SchRöpfung!“ Was hat der Mensch mit dem Blutegel gemeinsam? Nichts. Denn Blutegel lassen bei Sättigung von ihrem Wirt ab. Der Mensch aber strebt nach mehr: ständig ist er auf der Jagd nach mehr Geld, mehr Komfort, mehr Technik, mehr Ausbeute.

Bei all dem Wahnsinn können wir zum Glück über uns selbst lachen! Und darum geht es in „Krone der SchRöpfung!“ – einer einzigartigen Mischung aus Comedy, Kabarett und Musik.

Katalyn Hühnerfeld studierte Schauspiel und Pantomime an der Folkwang Hochschule in Essen. Sie spielte Theater und in Fernsehproduktionen und ist Ensemblemitglied in der RTL Comedy Impro Show „Hotel verschmitzt“.

25. Februar Nektarios Vlachopoulos „Ein ganz klares Jein“: In Zeiten, in denen sich das brave Bürgertum angesichts einer immer schnelleren, lauteren, verwirrenderen Lebenswelt nach einfachen Lösungen sehnt, macht ein Mann endlich keine klare Ansage.

Blitzschnell referiert der diplomierte Hobbylexikograf und knallharte Straßen­kabarettist über die rand­gesell­schaft­lichen Probleme der äußeren Mittelschicht.

„Ein ganz klares Jein!“ ist das Manifest der Unverbindlichkeit. Eine in Granit gemeißelte vorsichtige Handlungs­empfehlung für unentschlossene Dogmatiker. Nektarios Vlachopoulos ist Slampoet und Humorist, ehemaliger Deutschlehrer. Seine Texte zeichnen sich durch Geschwindig­keit, Präzision und absurden Humor aus.

3. März Sascha Thamm „Gesammelte Abrissbirnen“: Mit Abrissbirnen kann man einfach nichts falsch machen. Sie streicheln die Grund­mauern der Muttersprache wie zarte Knospen, legen sie für Sekunden in Schutt und Asche und lassen auf der Brache sofort neue, ebenso blumige Bilder entstehen. Eine brachiale Pointen­dichte, die auf fruchtbaren Boden fällt.

Die Welt von Sascha Thamm ist eine Welt zwischen akribischem Beobachten von scheinbaren Neben­säch­lich­keiten und völligem Desinteresse an den ge­sell­schaft­lich­en ‚must haves‘. Star Wars?
Nie gesehen. Fitnessarmband mit Schritt­zähler? Wofür? Man erkennt doch selbst den Unterschied, ob man sich sportlich betätigt oder auf der Couch die dritte Tüte Zwiebelringe kaum auf­be­kommt, weil die Finger so fettig sind. Instagram?  Nein, Thamms Welt ist real. Sie pendelt irgendwo zwischen Bürgertum und Punk­rock, zwischen Rasenmähen vor der Mittagsruhe und unbändiger Wild­blumen­wiese.

4. März Dominik Bloh „Unter Palmen aus Stahl“: Das ist die Geschichte eines Straßen­jungen. Dominik Bloh lebte über 10 Jahre auf der Straße.

Schon als Teenager geriet er dahin, wo man Deutsch­land von „ganz unten“ betrachtet. Nun mit Anfang 30 hat er seine Geschichte aufgeschrieben – auf kleinen Zetteln, noch als Ob­dach­loser lebend. Er erzählt in seinem Buch „Unter Palmen aus Stahl“ wie es auf der Straße zugeht, wie man dort lebt und wie man es schafft sich mit Mut und Courage he­raus­zu­ar­bei­ten. Dominik Bloh lebt heute in einer kleinen Wohnung in Hamburg.

Das Buch ging in die Spiegel-Best­sel­ler­liste, etliche Talk­show­ein­la­dung­en folgten, Lesungen ohne Ende, Ruhm und Reichtum. Naja, obwohl … Und was macht Dominik? Er gründet mit einigen Mit­strei­tern zusammen den Verein Hanseatic Help und en­gagiert sich in der Hilfe für die, denen es so geht wie ihm bis vor kurzem.

5. März Stefan Danziger „Dann isset halt so“: Manchmal ändern sich die Dinge im Leben so, dass man feststellen muss, dass man selbst gar nicht so wichtig ist. Und das ist für Stefan Danziger ein befreiendes Gefühl. Er nimmt sich und seine Bedeutungslosigkeit auf die Schippe. Angefangen bei persönlichen, alltäglichen Dingen bis hin zu weltgeschichtlichen Ereignissen, die vielleicht nur durch Scheitern möglich wurden. Stefan Danziger zeigt auf, dass Misslungenes allemal witzig ist.

Im Jahr 2019 gewann Stefan Danziger mit dem Programm „Was machen Sie eigentlich tagsüber?“ die Lüdenscheider Lüsterklemme. Erst ein Sieg – dann folgte ein Scheitern: Mehrere danach geplanten Auftritte im Kulturhaus konnten nicht stattfinden, sodass er bis jetzt den Kleinkunstpreis nicht persönlich entgegennehmen konnte.

Das soll sich aber nun endlich ändern: Er tritt außer Konkurrenz im Anschluss an die Lüdenscheider Kleinkunsttage 2022 mit seinem neuen Programm und zur Preisverleihung auf.

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