Wie es mit der Mädchenschule Atefa in Estlef weitergeht, ist angesichts der dramatischen Entwicklung in Afghanistan völlig offen. Der Verein Eschan e. V. ist in großer Sorge.

Lüdenscheid. Nachdem die Taliban Kabul eingenommen haben, spielen sich auf dem Flughafen der afghanischen Haupt unglaubliche Szenen ab. Dies und die weitere Entwicklung in Afghanistan verfolgen die Freunde der Mädchenschule Atefa in Estalef mit großer Sorge. „Die Ereignisse haben sich überschlagen“, sagt Rolf Scholten vom Verein Eschan e. V., der die Mädchenschule seit vielen Jahren unterstützt. Bis zum vergangenen Donnerstag sei die Lage in Estalef ruhig gewesen. Der Unterricht habe wie gewohnt stattgefunden. Die Lehrerinnen seien weiter aus Kabul zur Schule gekommen.

Starke Ablehnung gegenüber den Taliban

Was weiter geschehe, sei aber angesichts der dramatischen Entwicklung völlig offen. In einer Nachricht an alle Förderer der Schule erklärt Rolf Scholten: „Die Situation in Estalef unterscheidet sich von der in vielen anderer Städten: Es gibt eine Vielzahl von Ethnien in der Stadt, keine von ihnen ist in der Überzahl, sodass die Einwohner schon immer miteinander auskommen mussten. Die Ablehnung gegenüber den Taliban ist groß, da sie vor gut 20 Jahren den Ort systematisch zerstört haben. All das bedeutet aber nicht, dass sich auch hier die Situation nicht schnell ändern kann. Gegen die brutale Gewalt sind die einfachen Menschen machtlos. Ein weiteres Problem ist, wie lange die Lehrerinnen von Kabul nach Estalef fahren können.“



Beauftragte soll das Konto leeren

Vor diesen Hintergrund haben Dr. Anwar Nabiyar, Vorsitzender des Vereins Eschan e. V, und Rolf Scholten  olgendes beschlossen:

Die Beauftragte für die Studentinnen, Marsia, die auch Vollmacht über das Eschan-Konto in Kabul hat, soll versuchen, so schnell wie möglich das Geld abzuheben und die Gelder für die nächste Zeit auszuzahlen: die Patenschaftsgelder für die Schülerinnen für das 2. Halbjahr, das Geld für die Studentinnen für zwei Monate, die zusätzliche Unterstützung für die Lehrerinnen – bis möglichst das ganze Geld, das auf dem Konto in Kabul ist, verteilt ist. „Wir hoffen, dass das noch gelingt, denn die Menschen werden  in der nächsten Zeit dringend auf das Geld angewiesen sein“, betont Rolf Scholten.

Schülerinnen vor dem Beginn des Unterrichts im unteren Schulhof.

Zurzeit keine Überweisungen

­Überweisungen nach Afghanistanwerden zurzeit nicht vorgenommen, da unklar ist, ob der Transfer gelingt und die Bank das Geld noch auszahlt. Er empfiehlt allen Spenderinnen und Spendern ihre Zahlungen einzustellen, wenn sich abzeichnet, dass der Schulbetrieb nicht aufrecht erhalten werden kann, die Stipendien nicht mehr ausgezahlt werden können oder die Universitäten den Betrieb einstellen.

Scholten will prüfen. ob die zweckgebundenen Spenden dann mit der Zustimmung der Spenderinnen und Spender für einen anderen satzungskonformen Zweck einsetzen dürfen, z.B. für die humanitäre Unterstützung der Bevölkerung oder von Flüchtlingen in Kabul, die aus Estalef stammen. Das hat der Verein vor 2001 auch bereits gemacht und damit vielen Menschen in Not geholfen.

Unabhängig davon, was alles in der nächsten Zeit geschehe, bleibe aber auf jeden Fall festzuhalten, dass die Mädchen 20 Jahre lang eine Ausbildung erhalten haben und über 150 junge Frauen einen Beruf erlernt haben. „Dieses Wissen und diese beruflichen Qualifikationen werden auch weiterhin für die Menschen wichtig sein.“

 

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