Poetryslammer Marian Heuser lobte die Schüler (v.l. Eilara Karakaya, Aleyna Ülger, Chiara Terbeck, Helin Balik, Georgios Ioannou, Louis-Philipp Siebert). Foto: privat

Lüdenscheid. Lüdenscheid bekam bei der Lesung des Literaturkurses der Städtischen Adolf-Reichwein-Gesamtschule im Museum kräftig sein Fett weg. „Leblos“, „trostlos“, „dreckig“ sei Lüdenscheid, so die Einschätzung der 15 Schülerinnen und Schüler, die sich ein halbes Jahr mit dem Begriff „Heimat“ auseinandergesetzt hatten. „Wir Lüdenscheider haben nun einmal den Bachelor im Meckern“, konstatierte Florian Uesseler. Aber Heimat, so waren sich alle einig, ist ein weiter Begriff. Für die einen ein Sehnsuchtsort in der Ferne, für die anderen die Familie. Heimat sei vor allem ein gutes Gefühl und absolut subjektiv, definierte Louis-Philipp Siebert, man könne sich überall heimisch fühlen.

___STEADY_PAYWALL___

Fiktive Personen in der Stadtlandschaft

Jeder der Kursteilnehmer trug seine Sicht auf Heimat im Allgemeinen und Lüdenscheid im Speziellen einem sehr konzentrierten Publikum vor, das sich zuvor die Ausstellung „HOME“ angesehen hatte. In jedem der Ausstellungsräume schlüpften die Schüler simultan in die Rollen fiktiver Personen der Stadtlandschaft. Ein Ordnungsbeamter heftete Strafzettel an einen Kinderwagen, eine Marktfrau verteilte Orangen, ein DJ legte im „Johnny Mauser“ Platten auf. Dann geleitete ein Wachmann des Einkaufszentrums die Zuschauer in den Projektionsraum, wo alle diese Personen in einem „Youtube-Film“ wieder auftauchten.

Regen als verbindendes Element

Aleyna Ülger sprach ihren Text auf Deutsch und Türkisch. Foto: privat

Ein am Bahnhof gestrandeter Reisender sucht seinen Weg durch die Stadt und findet sich schließlich im Museum wieder. Der Regen, als verbindendes Element in Lüdenscheid, blieb allerdings nicht nur an diesem heißen Sommerabend aus, sondern auch bei den Dreharbeiten. In einer Schirmparade wurden die Zuschauer zum dritten Teil des Abends in die gläserne Halle geführt. Zur Freude aller Beteiligten mussten sogar noch Stühle zugestellt werden. Aleyna Ülger begrüßte die Gäste auf Türkisch, denn auch Migration und Multikulturalität sind nicht vom Heimatbegriff zu trennen. Auch Flucht und Vertreibung wurden in den Texten aufgegriffen. Chiara Terbeck versetzte sich und die Zuhörer in das Gedankenexperiment heute aus Lüdenscheid vertrieben zu werden.

Marian Heuser beeindruckt vom Endprodukt

In einem abschließenden Grußwort zeigte sich der Poetryslammer Marian Heuser, der mit dem Kurs im Januar in einem Workshop den Grundstein zur Textarbeit gelegt hatte, beeindruckt vom Endprodukt.

Auch die Initiatorin des Projektes Museumpädagogin Ulrike Tütemann und die Leiterinnen des Literaturkurses Josette Ommer und Kirsten Michalzik waren hochzufrieden mit der Leistung der Schüler. Ein gelungener Abschluss für die Ausstellung, die noch bis zum 15. Juni zu sehen sein wird. Vielleicht wird es die Texte bald zum Nachlesen geben, zu hören sind sie noch einmal am 19. Juni um 18.30 Uhr in der Mensa der Adolf-Reichwein-Gesamtschule.

Text: Josette Ommer

Wir brauchen Dich, um die Zukunft von TACH! zu sichern. Bitte mach mit! Unterstütze uns auf Steady

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here