Lichtrouten
Nach dem Wiedenhof 2013 verzaubert Robert Sochacki Ende April die Erlöserkirche. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Vom 28. April bis 30. April bekommen alle Freunde der Lüdenscheider LichtRouten einen Vorgeschmack auf das große Festival von Ende September bis Anfang Oktober. Für das letzte April-Wochenende entwickelt der polnische Lichtkünstler Robert Sochacki eine großformatige Architekturprojektion für die Erlöserkirche. Sie wird an den drei Tagen ab ca. 21.00 Uhr zu sehen sein.

Für seine Interventionen für Ausstellungen, Bühnen und öffentliche Räume verbindet Robert Sochacki Zeichnung und Malerei, Foto- und Videographie und Animation. Er entwickelt großformatige Wandbilder, die den Ort und seine Architektur zum Teil einer multimedialen Collage machen.



LichtRouten-Kuratorin Bettina Pelz schreibt dazu auf der Internetseite www.lichtrouten.de: „Mit der Erlöserkirche wird das älteste Gebäude der Stadt zur Leinwand, um ein Kaleidoskop der Stadtgeschichte zusammenzutragen.” „Ich finde es großartig ort-spezifisch zu arbeiten, da man viel Zeit an einem ausgesuchten Ort verbringt. Ich sehe mich hier als Gast.

Robert Sochacki bei einer Podiumsveranstaltung während der LichtRouten 2013.

Der Gast, der Geschichten erzählt

So sind für mich die Bewohner der Stadt die Besitzer und ich, bin ein Gast, der Geschichten erzählt. Das ist auch ein bisschen wie im Mittelalter, wenn Sänger durch die Städte zogen und auf dem Marktplatz ihre Geschichten vortrugen … . Ich machte eine wunderbare Erfahrung während des SEE DJERBA Projektes in Houmt El Souk: Ich saß auf einem Teppich, und benutzte diesen als Arbeitsfläche oder Schreibtisch und arbeitete im öffentlichen Raum.“ _ sagte er in einem Interview mit Jule Kriesel (Link)

Wie ein “Minnesänger”

Wie ein „Minnesänger“ entwickelt Robert Sochacki auch sein Lüdenscheider Tableau. Minnelieder sind eine ritualisierte Form der gesungenen Liebeslyrik des 12. und 13. Jahrhunderts und der Begriff „Minne“ aus dem Mittelhochdeutschen lässt sich mit „liebevolles Gedenken“ übersetzen.

Obwohl die Minnelieder sich thematisch überwiegend auf die Verehrung von adligen Frauen beziehen, sind sie nicht Liebeslieder im engeren Sinn.

Komplexe Bildsprache

Das Besondere an dieser Poesie sind ausgefeilte Reime, eine komplexe Bildersprache und der konzeptionelle Aufbau. So lässt sich auch Robert Sochackis Arbeitsweise lesen: Er verbindet kunsthistorisches Wissen und lokale Geschichten, ästhetische Besonderheiten und poetische Kunstformen, komplexe Technik und maßgeschneiderte Codierungen und seine ganz eigene Sichtweise zu vielschichtigen Bildgefügen, in dem der vorgefundene Ort die Hauptrolle spielt.

Die evangelische Erlöserkirche steht im Zentrum der Altstadt und wurde 1072 erstmals urkundlich erwähnt. Durch die Jahrhunderte wurde sie vielfach renoviert und modifiziert, allein der Turm der Erlöserkirche ist aus dem 11. Jahrhundert erhalten. Der Turmschaft wird durch 180 Eisenanker in der Fassade gesichert. Sie sind zugleich das einzige Gestaltungsmerkmal der Fassade.

Zeuge der Stadtgeschichte

„Der Turm ist Zeuge der Stadtgeschichte und ich spiele mit seinem Gedächtnis“ _ sagte Robert Sochacki im Laufe der Vorbereitungen im Gespräch mit Tom Groll. Analog zu der Metapher des Gedächtnisses lässt sich auch seine Arbeitsweise erklären:  Das Gedächtnis ist ein komplexes System, in dem Informationen und Erfahrungen zu Erinnerungen werden.

Sie bilden ein Netz aus Informationen, die durch Engramme vernetzt werden. Diese Verbindungswege können je nach Nutzung stärker und schwächer ausgebildet werden und verändern sich fortwährend. Analog dazu basieren die Montagen von Robert Sochacki auf dem verfügbaren Pool von Bildern und Informationen und zeigen diese als Veränderliche in Farbe, Form und Format und in ihren Beziehungen zu einander.

2013 einer der Publikumslieblinge

Zu den LICHTROUTEN war Robert Sochacki schon einmal in Lüdenscheid. Seine Arbeit am Wiedenhof gehörte 2013 zu den drei beliebtesten Installationen der LICHTROUTEN (Link). Das große Format, die Farbigkeit und die fantastischen Bildwelten machten ihn zu einem Publikumsliebling. Jetzt ist er ein zweites Mal nach Lüdenscheid eingeladen, um eine neue, ort-spezifische Intervention zu realisieren. Dieses Mal nicht im Rahmen der LICHTROUTEN, sondern als Solitär zum festlichen Auftakt des Stadtjubiläums.“

 

 

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