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Das Stadtarchiv in der ehemaligen Vier-Täler-Schule wird vorerst geschlossen. Foto: Bernhard Schlütter


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Plettenberg. Im Jugendhilfeausschuss wurde die übergangsweise Betreuung von Kindern aus den beiden Kitas in Holthausen in der von der Stadt zu kaufenden ehemaligen St.-Bonifatius-Kirche vorgestellt und diskutiert. Dazu haben zehn Eltern betroffener Kinder einen Leserbrief verfasst:

Wenn man aktuell als Eltern die Informationen zum Umbau der Kita Holthausen verfolgt, ist man zunächst einmal froh, dass das Thema überhaupt mal an Fahrt aufnimmt. Der zweite Eindruck ist dann allerdings schon der, dass die Stadt als Träger gerade gewaltig unter Zeitdruck steht. Schließlich beginnt das neue Kita-Jahr bereits in 8 Wochen und zumindest für die neue U3-Gruppe muss bis dahin eine Lösung her.

Als nächstes wird einem bewusst, dass es um eine Menge Geld geht. Dabei soll der Umbau der Kita gar nicht viel mehr kosten, aber für das Stadtarchiv muss ein neuer Standort gefunden werden. Wie praktisch, dass die in Oesterau schon lange leer stehende St.-Bonifatius-Kirche der Stadt günstig zum Kauf angeboten wird. Dies scheint die optimale Lösung zu sein. Für das Stadtarchiv! Aber muss es damit auch die optimale Lösung für den Kindergarten sein?



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Wir als Eltern von Kindern aus der Kita Holthausen sehen das zumindest nicht so. Für uns sieht es eher so aus, als ob jetzt möglichst schnell eine günstige Lösung her muss. Ob dies für die Kinder und auch für die Eltern eine gute Lösung ist, scheint eher zweitrangig zu sein.

Als wir mit dem Elternbrief vom 25.05.2020 zum ersten Mal darüber informiert wurden, dass unsere Kinder in einer Zwischenlösung betreut werden sollen und dass diese Zwischenlösung sich in der St.-Bonifatius-Kirche in Oesterau befindet, hat sich für uns zuerst einmal die Frage gestellt: „Wie sollen wir das nur morgens und mittags zeitlich schaffen?“ Die St.-Bonifatius-Kirche liegt gute 6 km von der Kita Holthausen entfernt! Demnächst wird der Weg durch die Baustelle am Grafweg noch länger.

Das ist gerade mit sehr kleinen Kindern eine riesige Herausforderung, wenn man morgens und mittags je min. 20 Minuten länger zum Kindergarten unterwegs ist. Wer schon einmal ein unausgeschlafenes Kleinkind für den Kindergarten fertig machen musste, weiß wovon wir reden! Und wir haben es auch einfach anders geplant. Bis vor zwei Wochen wussten wir nicht mal, dass eine Zwischenlösung notwendig sein wird. Wir haben teilweise Absprachen mit unseren Arbeitgebern getroffen, es gibt Arrangements mit den Großeltern, nicht jeder hat ein Auto, in manchen Familien gibt es Schulanfänger, die natürlich in die Grundschule Holthausen gehen werden und anfangs auch noch Unterstützung beim Schulweg benötigen. Es ist also sowieso schon ein enormer logistischer Aufwand und es wird uns niemand nachsagen können, dass wir unflexibel oder gar faul sind. Außerdem sind wir völlig unverschuldet in diese Situation gekommen. Aber ein Umweg von mehr als 6 km ist für viele von uns einfach nicht zu schaffen!

Des Weiteren sind wir sehr verunsichert, ob ein altes, schon so lange leerstehendes Gebäude wirklich kindgerecht sein kann? Wie sind die Lichtverhältnisse, in welchem Zustand sind die sanitären Anlagen und sind überhaupt genügend vorhanden, lässt sich das Gebäude im Winter wirtschaftlich heizen, wie soll eine Kita gemeinsam arbeiten, wenn ein Teil der Kinder in Holthausen und ein Teil der Kinder in Oesterau betreut wird, wie wird die gemeinsame Leitung dies lösen?

Natürlich ist uns bewusst, dass dies eine Ausnahmesituation ist und alle Beteiligten ein bisschen flexibel sein müssen. Wir möchten diesen Leserbrief allerdings dazu nutzen, um aufzuzeigen, dass unsere Schmerzgrenze mit dieser Lösung für ein ganzes Kindergartenjahr eindeutig überschritten wurde. Würde es um ein paar Wochen gehen, das würden wir irgendwie hinbekommen, aber für ein ganzes Jahr ist es uns leider nicht möglich.

Wir möchten die Stadt also bitten, eine Zwischenlösung in Holthausen für unsere Kinder zu finden. Wäre nicht die Martin-Luther-Kirche evtl. in Kombination mit Containern eine gute Alternative? Wir können uns das sehr gut vorstellen und die Kinder wären alle zusammen, die Erzieherinnen können flexibler arbeiten. Mit dieser Möglichkeit gäbe es tatsächlich ab August nur noch eine Kita Holthausen.

Unterzeichnet von: Andrea und Dominik Richter, Anita und Bastian Isbaner, Dragana und Christopher Finke, Jasmin und Daniel Lindner, Maren und Markus Döppeler

(Leserbriefe geben die Meinung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu kürzen vor.)

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