Viola Link, Leiterin der Lüdenscheider Beratungsstelle der Verbraucherzentrale NRW, und Mitarbeiterin Ilona Peters hatten sich zum Weltverbrauchertag am 15. März das Thema "Kundenärger im Telefonshop" vorgenommen. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. 13 Unterschriften auf die Schnelle. Das machte 13 Zusatzpakete im Handyvertrag und unter dem Strich rund 1000 Euro Kosten, die eine Kundin im Telefonshop unwissentlich vereinbart hatte. Zugegeben, das ist krasser Fall aus der Arbeit der Lüdenscheider Beratungsstelle der NRW-Verbraucherzentrale.  „Kundenärger nach dem Besuch im Telefonshop – das kommt häufiger vor als man glaubt“, sagt Viola Link, Leiterin der Beratungsstelle. Solche Fälle machten den größten Teil der Beratungsgespräche aus.

Pflicht zur Vertragszusammenfassung

Anlässlich des Weltverbrauchertages am 15. März machte sie auf eine Änderung im Telekommunikationsgesetz aufmerksam, die viele Kunden und – schlimmer noch – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Telefongesellschaften nicht kennen.  Seit Dezember 2021 sind sie verpflichtet, dem Kunden eine schriftliche Vertragszusammenfassung vorzulegen, aus der hervorgeht, was der Kunde tatsächlich unterschreibt. Ilona Peters, Mitarbeiterin der Beratungsstelle, hat vor einigen Tagen einen Marktcheck gemacht. Das Ergebnis war ernüchternd. In keinem der drei Shops, die sie in Lüdenscheid aufsuchte, wurde ihr eine solche schriftliche Vertragszusammenfassung vorgelegt „Oft bleibt es bei einem Sammelsurium handschriftlicher Notizen“, kritisiert Viola Link.

Stichprobe lieferte ernüchterndes Ergebnis

Lüdenscheid ist nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel. Die Verbraucherzentrale NRW hat im Vorfeld des Verbrauchertages Stichproben in 198 Telefonshops gemacht. Gerade ins sechs Läden wurde eine Vertragszusammenfassung vorgelegt. In fünf allerdings erst auf Anfrage.

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Die Verbraucherzentrale NRW hat einige Tipps zusammengestellt, die Kunden helfen sollen, den Überblick im Tarifdschungel zu behalten und keine ungewollten Verträge abzuschließen.

Dieser kostenlose Flyer fasst in Kurzform alle wichtigen Punkte zusammen. Er liegt in der Beratungsstelle an der Altenaer Straße 5 bereit.

Wichtig sei es, den einen Bedarf zu ermitteln und Preise zu vergleichen.  Wer sein Smartphone überwiegend für E-Mails braucht und Messengerdienste nutzt, benötigt beispielsweise keine sechs Gigabyte Datenvolumen im Monat – auch wenn der Verkäufer das als ganz besonders Angebot anpreist.

Kundinnen und Kunden sollten auch die Vertragsunterlagen sorgfältig prüfen und sich eine Vertragszusammenfassung in Textform vorlegen lassen. Darin müssen ausdrücklich die Kontaktdaten des Mobilfunkanbieters, wesentliche Merkmale der zu erbringenden Dienste, Aktivierungsgebühren und die Laufzeit sowie Bedingungen für Verlängerung und Kündigung enthalten sein.

Kein Widerruf im Nachhinein

Vor der Zustimmung zu einem Vertrag sollten Kundinnen und Kunden alle für den Vertrag wichtigen Unterlagen zur Kenntnis nehmen können. Dazu gehörten neben dem Vertragsformular auch noch die Leistungsbeschreibung, das Preisverzeichnis, die AGB sowie die Vertragszusammenfassung und das Produktinformationsblatt.

Ganz wichtig: „Im Handyshop abgeschlossene Verträge können in der Regel nicht im Nachhinein widerrufen werden“, sagt Viola Link. „Das funktioniert nur bei Verträgen, die im Internet oder am Telefon angeschlossen worden sind.“

Wer Zweifel hat, ob sein Vertrag rechtmäßig zustande gekommen ist oder die die Leistungen nicht dem entsprechen, was im Vertrag vereinbart worden ist, der sollte prüfen lassen, ob der Vertrag angefochten, außerordentlich gekündigt oder Schadenersatz geltend gemacht werden kann.

Verbesserte Kündigungsbedingungen

Wer mit seinem Vertrag nicht zufrieden ist, hat seit Dezember 2021 verbesserte Kündigungsbedingungen. Neue Verträge dürfen zwar weiterhin für bis zu 24 Monaten abgeschlossen werden. Nach einer Mindestlaufzeit können sie jedoch jederzeit mit einer einmonatigen Frist gekündigt werden.

Der Kundin, die im Shop über den Tisch gezogen worden war und über 1000 Euro jährlich für die Nutzung ihres Smartphones zahlen sollte, konnte Viola Link helfen. „Manchmal kann man auf Kulanzbasis etwas erreichen“, berichtet die Verbraucherbraterin. „Darauf verlassensollte man sich allerdings nicht.“

Die Verbraucherberatung an der Altenaer Straße hält für Interessenten einen kostenlosen Flyer bereit, der in Kurzform zum Thema „Handyvertrag ohne Ärger“ informiert.

Bei Ärger mit dem Vertrag hilft die Beratungsstelle Lüdenscheid per Mail, telefonisch oder nach vorheriger Terminvereinbarung. Die Kontaktdaten finden Ratsuchende unter www.verbraucherzentrale/luedenscheid

 

 

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