TEILEN
Kühnert
Die Gewitterwolken zogen vorüber. Foto: Wolfgang Teipel
Kevin Kühnert hat nichts gegen die Linkspartei. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Was haben der Juso-Bundesvorsitzende Kevin Kühnert und der Fußballklub Arminia Bielefeld gemeinsam? Beide sind Aufsteiger. Kühnert schaffte im Dezember 2019 den Sprung in den SPD-Bundesvorstand. Die Arminia spielt in der neuen Saison im deutschen Fußballoberhaus. Zufall? Wer weiß. Die Kicker von der Bielefelder Alm zählen immerhin neben Tennis Borussia Berlin und Bayern München zu den Lieblingsklubs des 31-jährigen Politikers. Das Herz von Lüdenscheids SPD-Bürgermeisterkandidat Sebastian Wagemeyer schlägt dagegen für die kleine Borussia vom Niederrhein. „Eigentlich immer schon. Und ich weiß nicht warum“, bekannte der Leiter des Zeppelin-Gymnasiums am Mittwoch bei der Veranstaltung „Sebastian Wagemeyer trifft Kevin Kühnert“.

Kühnert
Sebastian Wagemeyer, Shari Kowalewski und Kevin Kühnert im gemütlichen Plausch am Stadtstrand. Foto: Wolfgang Teipel

Gewitterwolken über dem Stadtstrand

Donnergrollen und Gewitterwolken über dem Stadtstrand „Mamanuca“, wo sich das Zugpferd der Lüdenscheider Sozialdemokraten zum Plausch mit dem Hoffnungsträger der SPD-Linken traf. Rund 120 Gäste hatten es sich auf den Liegestühlen und Bierzelt-Garnituren im feinen Sand von „Mamanuca“ gemütlich gemacht. Auch wenn der böige Wind im Laufe des Abends eine Schutzwand aus Bast umwehte – weichen wollte keiner. Zurecht. Das Wetter hielt und die beiden Männer aus der Kommunal- und der Bundespolitik hielten ihr Versprechen. Es wurde ein informativer und unterhaltsamer Abend.

Kühnert: Die Zeiten haben sich geändert

Klare Ansage von Kevin Kühnert: „Wer es in einer Groko mit Ministern wie Seehofer, Scheuer oder Karliczek aushält, der braucht keine Angst zu haben, mit Katja Kipping oder Dietmar Bartsch von den Linken zu regieren.“ Ist da schon der Ärger mit Kanzlerkandidat Olaf Scholz vorprogrammiert? Kevin Kühnert reagiert souverän. Die Zeiten hätten sich geändert, die SPD und Olaf Scholz ebenfalls und er auch. Und so sei es auch zu erklären, dass er jetzt nicht gegen den Kandidaten schieße, den er noch 2019 maßgeblich als SPD-Bundesvorsitzenden verhindert habe. Das sei allerdings auch, räumt Kühnert ein, „eine Ironie des Schicksals“.

Anzeige

Pandemie hat Schwachstellen aufgezeigt

Kühnert
Sebastian Wagemeyer: Prekäre Jobs müssen besser bezahlt werden. Foto: Wolfgang Teipel

Sebastian Wagemeyer und Kevin Kühnert sind sich darüber einig, dass die Corona-Pandemie und ihre Folgen viele Schwachstellen in der Gesellschaft aufgezeigt haben. Dazu zählen sie die prekären Beschäftungsverhältnisse, die durch eine deutliche Anhebung des Mindestlohns aufgewertet werden müssten. „Als Kommune können wir da wenig machen. Dafür muss der Bund die Rahmenverhältnisse schaffen“, sagte Sebastian Wagemeyer. Er begrüßt, dass sich junge Leute wieder mehr für Politik interessieren und hofft, dass so die Solidarität in der Gesellschaft wieder wächst.

Dazu könnte aus Sicht von Kevin Kühnert auch ein geändertes Bodenrecht beitragen. Es müsse dazu führen, dass die Kommunen in die Lage versetzt werden, Spekulanten einen Riegel vorzuschieben, um selbst günstigen Wohnraum zu schaffen Auch so ließe sich verhindern, dass Risse in der Gesellschaft weiter vertieft würden.

Engagement ist wichtig. Foto: Wolfgang Teipel

In einer anschließenden Runde moderierte Shari Kowalewski, stellvertretende Juso-Landesvorsitzende in NRW, Gespräche zwischen Sebastian Wagemeyer, Kevin Kühnert und den Gästen. Die Themen reichten von der Frage, ob der Wirecard-Skandal dem SPD-Kanzlerkandidaten und Finanzminister Olaf Scholz schaden könne über die schlechten Umfragewerte der SPD bis zur Frage, warum die Stadt Lüdenscheid die Innenstadt auswärtigen Investoren überlasse.

Fabian Ferber: Brauchen eine wehrhafte Demokratie

Fabian Ferber: Brauchen eine wehrhafte Demokratie. Foto: Wolfgang Teipel

In seinem Grußwort zu Beginn der Veranstaltung hatte SPD-Stadtverbandsvorsitzender Fabian Ferber begründet, warum der SPD-Bürgermeisterkandidat nicht an ursprünglich geplanten Podiumsdiskussionen der Kandidaten teilnimmt. Einem NPD-Bewerber wie Stefan Haase dürfe man keine Bühne bieten, sagte Ferber. Schon die Tatsache, dass darüber diskutiert werde, zeige, wie weit sich der gesellschaftliche Diskurs nach drei Jahren AfD im Bundestag nach rechts verschoben habe. Ferber räumte ein, dass man das auch anders sehen könnte, fordert aber: „Wir müssen unsere Demokratie wehrhaft halten.“

 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here