Die Demonstranten durften nur den teils schmalen Gehweg an der Lennestraße benutzen. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Die Protestaktionen gegen den Verkehrsinfarkt und die befürchteten gesundheitlichen Beeinträchtigen bei den Anwohnern der Bedarfsumleitungen gehen weiter. „Behördentum ist unser Ende. Wir fordern die Gesetzeswende“, skandierten am Donnerstag (27. Oktober) rund 150 Menschen und machten ihren Ärger darüber Luft, dass seit der Sperrung der Talbrücke Rahmede Tag für Tag tausende zusätzlicher Lkw durch Lüdenscheid rollen.

„Du raubst mir den Schlaf“

Der Lärm macht auf Dauer krank. Foto: Wolfgang Teipel

Andere hielten Schilder hoch, die Lkw-Fahrer auf großräumige Umfahrungsmöglichkeiten hinweisen sollen. „Next time Köln-Kassel“ stand beispielsweise darauf. „Du raubst mir den Schlaf“ – ein weiteres Plakat zeigte ein völlig übermüdetes Kind.

Vertreter der Bürgerinitiative A45 Lüdenscheid zeigten sich bei der Kundgebung auf dem Worthplatz ein wenig enttäuscht. Die Protestveranstaltung war angemeldet für 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Letztlich folgten nur rund 150 Personen dem Aufruf der Veranstalter.

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Prominente Unterstützung

Immerhin erhielten sie prominente Unterstützung. Bürgermeister und Brückenbeauftragter Sebastian Wagemeyer und MdL Gordan Dudas, Verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, mischten sich unter die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und sprachen mit ihnen.

Heiko Schürfeld, Sprecher der Bürgerinitiative, zeigte Verständnis. „Die Vertreter der Stadt können nichts für die aktuelle Lage. Sie sind als Zuschauer auf die Tribüne verbannt“, sagte er. Schürfeld bekräftigte die Forderungen der Bürgerinitiative. „Wir fordern einen schnelleren Brückenbau, ein Nachtfahrverbot für Lkw über 3,5 Tonnen und ein Verbot des überregionalen Durchgangsverkehrs, auch im Volmetal, damit die Stadt des Warnlichts endlich wieder atmen und funktionieren kann.“

Kritik an Polizeiauflagen

Unmut kam auf, als Otto Erschwing, Mitbegründer der Bürgerinitiative, die Auflagen der Polizei bekannt gab. Danach durfte auf dem Weg die Lennestraße hinunter nur der zum Teil sehr schmale Gehweg benutzt werden. Auf keinen Fall durften Plakate und Transparente in die Fahrbahn hineinragen.

Bei einem Zwischenstopp am Netto-Markt wies der Mediziner Dr. Walter Wortberg auf die Gesundheitsgefährdungen durch Lärm und Feinstaub hin. Er kritisierte, dass er weder von der Bundesregierung noch von der Kassenärztlichen Vereinigung Unterstützung für eine Umweltstudie an den Bedarfsumleitungen erhalte.

Nachdenken in Berlin

Im Innenhof der Stadtwerke, dem Ziel der Demonstranten, machte Bürgermeister und Brückenbeauftragter Sebastian Wagemeyer den Menschen ein wenig Hoffnung. Der Einsatz der Lüdenscheider bewirke immerhin, dass in Berlin intensiv über ein Durchfahrtsverbot nachgedacht werde.