Kostal hat seinen Stammsitz in Lüdenscheid An der Bellmerei. Foto: Kostal

Lüdenscheid. Der Automobilzulieferer Kostal mit Stammsitz in Lüdenscheid will an den Standorten Lüdenscheid, Meinerzhagen und Halver 330 Arbeitsplätze abbauen. Betroffen sind die Sparte Automobil Elektrik und fertigungsnahe Bereiche. Als Gründe werden die erheblichen Veränderungen in der Autoindustrie angeführt.

Zu den Plänen des Familienunternehmens, das weltweit rund 18.000 Mitarbeiter beschäftigt, nimmt der gemeinsame Betriebsrat von Kostal wie folgt Stellung: „Der Betriebsrat zeigt sich von den geplanten Maßnahmen mit einem Stellenabbau von 330 Mitarbeitern sehr betroffen und weiß von den Sorgen und Ängsten der Kolleginnen und Kollegen. Eine der Aufgaben des Betriebsrats ist, die Gefühlslage der Belegschaft den Verantwortlichen nahe zu bringen.

Betriebsrat will mehr Informationen

Zunächst einmal erwartet der Betriebsrat eine umfassende Information über die geplanten Maßnahmen, so wie es das Betriebsverfassungsgesetz vorsieht. Dem ist das Unternehmen bislang nach Meinung des Betriebsrats nur unzureichend nachgekommen, was aus seiner Sicht von der Jahrzehnte langen guten, konstruktiven und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Unternehmen abweicht. Die Geschäftsführung beschränkte sich lediglich auf eine halbstündige Information des Betriebsrats und seines Wirtschaftsausschusses unmittelbar vor der Bekanntgabe in der Belegschaft und außerhalb des Unternehmens.

Zusammenarbeit mit der IG Metall

Der Betriebsrat wird in den kommenden Wochen die Interessen unserer Kolleginnen und Kollegen in vollem Umfang vertreten. Dazu holen wir uns den Sachverstand von Wirtschaftsberatern und Rechtsanwälten ein und arbeiten intensiv mit der IG-Metall zusammen.

Für uns sind die angekündigten Maßnahmen nicht automatisch alternativlos. Deswegen werden wir jede Chance nutzen, das Unternehmen zu überzeugen, den Blick auf beschäftigungsfreundlichere Optionen zu lenken.

Solange die Verhandlungen mit dem Unternehmen nicht abgeschlossen und keine rechtsverbindlichen Vereinbarungen getroffen sind, werden alle unsere Kolleginnen und Kollegen im Unternehmen verbleiben.

Für einen etwaigen Stellenabbau steht ausschließlich das Unternehmen Kostal in der Verantwortung.

Der Betriebsrat geht davon aus, dass ab jetzt alle Beteiligten die gesetzlichen Verfahrensweisen respektieren und auch zur vertrauensvollen und konstruktiven Zusammenarbeit zurückkehren.

IG Metall: Das trifft ganze Region

Gudrun Gerhardt, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Märkischer Kreis, äußert sich zum geplanten Abbau von 330 Stellen beim Automobilzulieferer Kostal wie folgt: “Die geplanten Entlassungen bei Kostal treffen die ganze Region. Das Vorgehen des Arbeitgebers, den Betriebsrat nur kurzfristig vor Bekanntgabe der Entlassungen zu informieren, entspricht nicht den Regelungen des Betriebsverfassungsgesetzes. Ich gehe davon aus, dass künftig die Regelungen des Betriebsverfassungsgesetzes in vollem Umfang eingehalten werden.

Unterstützung zugesagt

Wir werden den Betriebsrat in den nächsten Wochen mit allen Kräften unterstützen, um Alternativen zum Personalabbau aufzuzeigen. Dabei wird betriebswirtschaftliche und rechtliche Beratung eingeholt. Wir geben uns nicht damit zufrieden, dass Digitalisierung und Globalisierung als Begründung dienen, diesen Jobabbau ohne Alternative darzustellen.”

Gudrun Gerhardt weiter: “Ich habe schon im vergangenen Jahr auf einer Betriebsversammlung die Gesprächsbereitschaft der IG Metall ausgesprochen. Daran halte ich fest. Zur Sicherung von Beschäftigung können Tarifpartner auch außergewöhnliche Instrumente nutzen.

Es ist zu befürchten, dass Kostal kein Einzelfall bleibt. Digitalisierung und internationaler Wettbewerb müssen endlich beschäftigungspolitisch beantwortet werden. Wir benötigen einen Anspruch auf Weiterbildung – inner- und außerbetrieblich. In Berufsschulen und Weiterbildungseinrichtungen muss endlich investiert werden. Und Unternehmen im Wandel müssen sich verpflichten, ihre Beschäftigten besser weiter zu qualifizieren.”

 

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