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Die Grünen Damen und Herren der Ökumenischen Krankenhaushilfe Plettenberg Foto: Komplett-Magazin/Ulrich Trompeter


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Plettenberg. “Wir schenken unsere Zeit“, sagt Marianne Pfeifer. Sie beschreibt damit ganz bescheiden eine ehrenamtliche Leistung, die nicht hoch genug einzuschätzen ist. Marianne Pfeifer leitet zusammen mit Christa Hahn die Ökumenische Krankenhaushilfe in Plettenberg, besser bekannt als der Grüne Damen und Herren. Vor 50 Jahren in Deutschland gegründet, besteht die Gruppe Grünen Damen und Herren in Plettenberg seit 1979. Die ehrenamtlich tätigen Frauen und Männer sind im Radprax-Krankenhaus und Seniorenzentrum sowie im Matthias-Claudius-Haus im Einsatz.

Zeit für die Patienten

„Zeit haben, zuhören, sich anderen zuwenden, sich selbst zurücknehmen“, das ist die Philosophie der Grünen Damen und Herren. Sie sind regelmäßig auf den Stationen des Krankenhauseses und auf den Wohnbereichen der Seniorenzentren im Einsatz. Sie besuchen Patienten und Bewohner, nehmen sich Zeit für Gespräche und hören vor allem auch zu. „Für uns Grüne Damen und Herren gilt die absolute Schweigepflicht“, weist Christa Hahn auf die absolute Vertraulichkeit der Gespräche hin. Sie erledigen auch kleine Besorgungen und Hilfeleistungen, z.B. das Anmelden des Telefons auf dem Zimmer.

„Manchmal bitten uns Patienten, Kleidung oder persönliche Dinge für sie von zu Hause zu holen“, berichtet Christa Hahn. Dies komme immer häufiger vor, da die Zahl der alleinstehenden Patienten zunehme. Auch diese Hilfeleistung erledigen die Krankenhaushelfer/innen, wobei sie Privatwohnungen nur zu zweit aufsuchen.



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Einmal pro Woche Dienst

Die Dienste sind unter den zurzeit 23 in Plettenberg aktiven Grünen Damen und Herren genau aufgeteilt. In der Regel einmal pro Woche an einem festen Tag sind sie in ihrem jeweiligen Bereich im Einsatz. Pro Dienst etwa drei bis vier Stunden. „Wir holen uns erst mal Informationen vom Pflegepersonal, dann gehen wir durch die Zimmer“, schildert Christa Hahn den Ablauf. Wie viele Patienten sie besuchten, ist unterschiedlich. „Ein Gespräch kann auch schon mal länger dauern. Da schauen wir nicht auf die Uhr. Wir möchten ja nicht nur Fälle abarbeiten.“

Ab und zu reagieren Patienten skeptisch auf den Besuch der Grünen Damen und Herren. Sie möchten nicht bekehrt werden, wehren sie ab. Aber das sei ein Irrtum, betonen Marianne Pfeifer und Christa Hahn. „Wir handeln aus christlicher Überzeugung, wollen aber nicht missionieren und bieten unsere Hilfe allen Patienten an.“ Ihr Dienst ist gelebte Nächstenliebe.

Ergänzung und gutes Miteinander

Die Grünen Damen und Herren helfen mit bei der Durchführung von Veranstaltungen in den Seniorenzentren Krankenhaus und Matthias-Claudius-Haus. Foto: Komplett-Magazin/Bernhard Schlütter

Die Aufgaben im Seniorenzentrum unterscheiden sich ein stückweit von denen des Krankenhauses. Die Grünen Damen und Herren werden regelmäßig erwartet. Sie bauen ganz persönliche Beziehungen auf – sie spielen mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, lesen vor oder gehen mit ihnen spazieren. Alles Dinge, für die die hauptamtlichen Mitarbeiter/innen oft nicht die nötige Zeit und Ruhe haben. „Wir ergänzen die Aufgaben der Hauptamtlichen und sind bemüht, ein gutes Miteinander zu pflegen“, betont Marianne Pfeifer. Das kommt auch bei den Frühlings- und Herbstfesten zum Ausdruck, die von den Grünen Damen und Herren für die Senioren organisiert werden.

Die Verantwortlichen im Radprax-Krankenhaus wissen den Dienst der Grünen Damen und Herren zu schätzen. „Ihr großer Einsatz gilt im Krankenhaus und Seniorenzentrum alten und kranken Menschen und deren besonderen Lebenssituationen. Wir sind sehr dankbar, dass es sie gibt!“, sagt Geschäftsführerin Barbara Teichmann. Unterstützung erfährt die Ökumenische Krankenhaushilfe auch vom Förderverein des Krankenhauses.

Professionell arbeitende Laien

Die Grünen Damen und Herren sind professionell arbeitende Laien, die ehrenamtlich und verantwortungsvoll Wünsche von Patienten in Krankenhäusern und Bewohner von Altenheimen erfüllen. Das ist ihr Selbstverständnis. Um diesem Anspruch gerecht werden zu können, absolviert jeder Neuzugang eine Basisausbildung beim Diakonischen Werk. „Neue werden außerdem zur Einführung von erfahrenen Mitgliedern begleitet und sehen sich verschiedene Stationen an, bevor sie sich für einen bestimmten Dienst entscheiden“, erklärt Marianne Pfeifer.
„Man bekommt sehr viel zurück“

Welche Voraussetzungen sollten Interessierte mitbringen? Kontaktfreudigkeit und Freundlichkeit, Einfühlungsvermögen, Lebenserfahrung, Verschwiegenheit, Zuverlässigkeit, psychische und physische Belastbarkeit, Teamfähigkeit und drei bis vier Stunden Zeit pro Woche, zählen Marianne Pfeifer und Christa Hahn auf. Zudem ist das Mindestalter 18 Jahre.

Erfüllende Tätigkeit

Was bekommt man für diesen Dienst? „Das ist eine erfüllende ehrenamtliche Tätigkeit. Man bekommt von den Menschen sehr viel zurück“, erlebt Christa Hahn. Marianne Pfeifer findet, „dass es große Freude macht, das eigene Wohlergehen zu teilen“. Angesichts von Krankheit, Einsamkeit und Schicksalsschlägen wird ihr manches Mal klar, „wie gut es uns doch geht“.

Nicht zuletzt pflegen die Grünen Damen und Herren untereinander eine gute Gemeinschaft. „Wir haben ein wunderbares Miteinander“, schwärmt Marianne Pfeifer. Bei gemeinsamen Unternehmungen und einer Jahresfahrt, als Dankeschön gesponsert vom Krankenhaus, pflegen sie die Geselligkeit. Die Damen und Herren der Ökumenischen Krankenhaushilfe in Plettenberg treffen sich regelmäßig an jedem ersten Montag im Monat um 15 Uhr im Seniorenzentrum am Krankenhaus. Dort werden Informationen ausgetauscht und Schulungen durchgeführt.

Kontakt: Marianne Pfeifer, Tel. 02391/14433, gruene-damen@krankenhaus-plettenberg.de

INFO

Ökumenische Krankenhaushilfe

  • 1969 gründete Brigitte Schröder, Ehefrau des damaligen Bundesaußenministers Dr. Gerhard Schröder, angeregt durch den ehrenamtlichen Dienst des Volunteer Services in den USA, die Evangelische und Ökumenische Krankenhaushilfe in Deutschland. Daraus entwickelte sich der gemeinnützige Verein Evangelische Kranken- und Alten-Hilfe e.V. (eKH).
  • Um sich vom Pflegepersonal zu unterscheiden, tragen die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer während ihrer Tätigkeit im Krankenhaus einen grünen Kittel und werden daher auch Grüne Damen und Herren genannt.
  • Die Ökumenische Krankenhaushilfe Plettenberg wurde im November 1979 gegründet. Erste Leiterin war Liesel Lippa. Auf sie folgten 1987 Lore Otte und 2011 Marianne Pfeifer.

Die Reportage ist ursprünglich erschienen im Komplett-Magazin zwischen Verse und Sorpe, Ausgabe Winter 2019/2020.

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