Hilfsgüterverteilung in Bila Zerkwa. Foto: Helmut Willnat

Kierspe. Jedes Jahr im Herbst und im Frühjahr besuchen Vorstandsmitglieder des Vereins „Kinder von Tschernobyl e.V.“ die ukrainischen Partner, mit denen der Verein seine Hilfe in Wyschgorod und Bila Zerkwa umsetzt. In diesem Jahr erfolgte die Reise in der zweiten Septemberhälfte.

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Wyschgorod, die Stadt in der die Hauptaktivität des Vereins stattfindet, ist in den letzten Jahren stürmisch gewachsen auf etwa 30.000 Einwohner. Vielgeschossige Wohnsilos wurden und werden noch immer in großer Zahl quasi aus dem Boden gestampft, denn Menschen, denen Kiew zu teuer wird, ziehen ins etwa 25 Kilometer entfernte Wyschgorod.

Leider ist die Infrastruktur bei der Energieversorgung, der Gesundheitsversorgung und den Bildungseinrichtungen nicht in gleicher Weise mitgewachsen. So fehlen viele Lehrer für die gleichzeitig laufende Einführung der Inklusion in den drei Schulen und viele Ärzte für die gleichzeitig laufende Gesundheitsstrukturreform.

Inklusion in der Ukraine

Die Hilfsgüter lösen immer wieder große Freute aus. Foto: Stepan Gubatij

In Wyschgorod ist ein neues „Inklusionszentrum“ gegründet worden, das von der Präsidentengattin Poroschenko konzipiert ist und gefördert wird. Wyschgorod hat an jeder der drei Schulen eine bis drei „Inklusionsklassen“. Die behinderten Kinder sollen in diesen Klassen halbtags in den normalen Klassen unterrichtet und halbtags in diesem neuen Inklusionszentrum individuell gefördert werden. Die Ausstattung dieses Zentrums ist sehr gut und modern. Es bleibt abzuwarten, es nur eine „Spielwiese“ der Präsidentengattin ist oder ob das Konzept trägt.

Geldspende für Behindertenschule

Anschließend haben die Deutschen die seit 25 Jahren bestehende Behindertenschule „Nadija“ besucht um dort eine Geldspende zu übergeben, die von einer Marienheider Gastwirtin stammte. Diese Schule mit zurzeit 32 Kindern, die von 17 Lehrern und Therapeuten betreut werden, wird zwar weiterhin bleiben, ist aber auf Sponsoren angewiesen. Ihre Ausstattung kann sich nicht mit der im neuen Inklusionszentrum messen.

„Medikamentenkinder“

Während der sechs Tage ihres Aufenthalts haben die deutschen Vereinsmitglieder einen Teil der „Medikamentenkinder“ besucht. Dies sind chronisch kranke Kinder mit Mukoviszidose, Diabetes, Asthma, Rheumatischen Erkrankungen und anderen chronischen Leiden, denen der Verein bei der Beschaffung der erforderlichen Medikamente hilft. Gisela Steinbach freut sich darüber, dass sich der Staat inzwischen besser um die kleinen Mukoviszidose-Patienten kümmert und sie gut unterstützt. Die dadurch nicht mehr benötigte Unterstützung seitens ihres Vereins kann nun anderen Kindern zugutekommen.

Steigende Krebsrate

Die leitende Ärztin der Kinderpoliklinik in Wyschgorod, die sich um die „Medikamentenkinder“ des Vereins kümmert, berichtete, dass man in der Ärzteschaft schon lange mit einer steigenden Krebsrate etwa 30 Jahre nach dem Tschernobylunfall rechnete. Diese Prognose beginnt sich nun zu erfüllen.

Hilfsgüterverteilung

An einem Tag fuhren die Vorstandsmitglieder nach Bila Zerkwa, der zweiten Stadt, in der der Verein aus Kierspe einen Partner hat. Hierhin war im Sommer ein Hilfstransport geschickt worden und die Verteilung der Hilfsgüter war in vollem Gange. Bila Zerkwa ist eine Stadt von der Größe Hagens. Das Sozialamt funktioniert gut und unterstützt die Kirchengemeinde, welche die Hilfsgüter verteilt, nach besten Kräften.

Es war beeindruckend zu sehen, mit welcher Freundlichkeit die Kirchenmitglieder unter der Leitung von Pastor Stepan Gubatij die Hilfsgüter verteilten. Werktäglich kommen die Menschen aus den Dörfern des Kreises in drei Gruppen von je 25 Personen ins Lager, wo ihnen die Hilfsgüter angeboten werden.

Die Mitarbeiterinnen haben vorher schon Bettwäsche-Sets zusammengestellt, denn die Bettwäsche ist heiß begehrt, weil sie so gut ist. Diese Qualität bekommt man in den Secondhand-Läden nicht. Die Menschen sind sehr dankbar für diese guten Sachen, die zudem noch kostenlos abgegeben werden. Sie trugen den Deutschen Besuchern auf, ihren Dank an alle Spender und die deutschen Mitarbeiter weiterzuleiten.

Gisela Steinbach (links) und die Köchin der Armenküche. Foto: Helmut Willnat

Armenküche

Diese Kirchengemeinde betreibt auch die Armenküche, die der Verein finanziert. Dort wird werktäglich für etwa 50 bis 60 Personen eine gehaltvolle Suppe gekocht, die mit einem großen Stück Brot versehen für einige der Menschen die einzige Mahlzeit am Tag ist.

Hier bekommen die Mitarbeiter auch näheren Kontakt zu den bedürftigen Menschen und leisten zusätzliche Hilfe.

Fazit von Gisela Steinbach

Gisela Steinbach ist froh, dass der Verein viele aktive Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat, denn es ist noch nicht abzusehen, dass die Hilfe aus Deutschland überflüssig wird. Leider werden Helfer immer älter und ihre Kräfte geringer, sodass sich der Verein sehr freuen würde, jüngere Mitstreiter zu finden. Wer dazu Fragen hat, kann sich an Gisela Steinbach (Tel. 02359/903173) wenden oder sich auf der Homepage des Vereins www.kvt-kierspe.de informieren. Spenden auf das Konto DE48 4585 1665 0006 0004 67 sind ebenfalls sehr willkommen.

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