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Für eine Übergangszeit von etwa einem Jahr soll die Bonifatius-KIrche im Oestertal zur Kita für Holthauser Kinder werden. Foto: Bernhard Schlütter

Plettenberg. Eigentlich sollte in der Sondersitzung des Stadtrates am Dienstag (30. Juni) eine Kompromisslösung für die befristete Unterbringung der Kita Kunterbunt während des Umbaus der ehemaligen Vier-Täler-Schule diskutiert und beschlossen werden. Eigentlich, denn am selben Tag hatte ein Gutachter festgestellt, dass im Schulgebäude weichgebundenes Asbest vorhanden und die Freisetzung von Schadstoffen nicht auszuschließen ist. Dadurch wurden viele der in den zurückliegenden Tagen angestellten Überlegungen überholt, denn bis zum Beginn des Kindergartenjahres am 10. August müssen nun 10 U-3- und 40 Ü-3-Plätze geschaffen werden. Dies, so führte die Stadtverwaltung aus, sei in der ehemaligen St.-Bonifatius-Kirche in Oesterau möglich. Parallel würden die Kosten für eine Containerlösung ermittelt, die auf der Sportanlage Auf der Lied geschaffen werden könnte. In einem Elternbrief wurden die Informationen zusammengefasst.

Erneut tagte der Rat in der Schützenhalle der PSG. Es ging um die Interims-Kita für Holthauser Kinder. Das Foto wurde am 23. Juni erstellt. Foto: Bernhard Schlütter

“Ich hoffe, dass ihnen die Tragweite ihrer Entscheidung bewusst ist.”

Erneut nahmen wie in der Vorwoche zahlreiche Holthauser Eltern als Zuschauer an der Ratssitzung in der Schützenhalle im Wieden teil. Sie wehren sich vehement gegen die Übergangs-Kita im Oestertal und fordern, die Martin-Luther-Kirche dafür zu nutzen. Stellvertretend für sie alle appellierte eine Mutter in der Einwohnerfragestunde an die Politiker: „Ihre Entscheidung wird nicht ihre Leben beeinflussen, aber unsere. Ich hoffe, dass ihnen die Tragweite ihrer Entscheidung bewusst ist.“

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Bürgermeister Ulrich Schulte sagte dazu deutlich, dass in der Martin-Luther-Kirche nicht genügend Platz für alle drei Kita-Gruppen sei.

Thomas Junior, Betreiber der Kita Junior in Köbbinghausen, fragte, warum die Kita Junior nicht von der Stadt wegen der Übergangsräumlichkeiten angefragt worden sei. Er habe schon im Februar 2019 mitgeteilt, dass er noch freie Kapazitäten habe.

Hierauf antwortete Till Hoffmann vom Planungsamt, dass die in Köbbinghausen zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten aus brandschutztechnischen Gründen nicht für die Unterbringung einer U-3-Gruppe geeignet seien, da sie sich im Obergeschoss befinden. Thomas Junior zeigte sich dagegen überzeugt, dass ein von ihm bestellter Gutachter dies widerlegen werde.

SPD: Container zu teuer

Aufgrund der aktuellen Sachlage zogen sich die Ratsfraktionen in einer Sitzungsunterbrechung zur Beratung zurück. Anschließend eröffnete Wolfgang Schrader (SPD) die politischen Stellungnahmen und Beschlussvorschläge. Die Priorisierung der St.-Bonifatius-Kirche sei die einzige Möglichkeit, in der zur Verfügung stehenden kurzen Zeit eine vernünftige Lösung zu schaffen. „Die Containerlösung ist zu teuer.“ Zwischen 105.000 und 182.000 Euro werden dafür von der Verwaltung veranschlagt.

CDU heute: Lösung im Elsetal

Heiko Hillert (CDU) forderte eine Lösung im Elsetal. Die U-3-Gruppe solle ab 1. August in der Martin-Luther-Kirche untergebracht werden. Für die beiden weiteren Gruppen sollte in enger Abstimmung mit den Eltern eine Containerlösung verfolgt werden.

CDU im Mai: Übergangslösung in Oesterau

Von diesem Vorschlag zeigte sich Klaus Salscheider irritiert. “Innerhalb von vier Wochen können die Räume in der Martin-Luther-Kirche nicht für die U-3-Gruppe hergerichtet werden. Das weiß die CDU ganz genau.“ Dies sei nur in der Bonifatiuskirche möglich, weil die Verwaltung dort aufgrund entsprechender politischer Beschlüsse seit Mai planerische Vorarbeit geleistet habe. Dem Dringlichkeitsbeschluss zur Kita-Übergangslösung in der St.-Bonifatius-Kirche hatte übrigens auch die CDU-Fraktionsspitze zugestimmt.

Entscheidung per Dringlichkeitsbschluss

Carsten Hellwig (FDP) rückte die Giftstoffproblematik in den Vordergrund. „Wir haben jetzt das Asbest-Thema und vielleicht nicht nur in der Vier-Täler-Schule. Das macht mir Angst.“ Er forderte, dass alle Schul- und Kindergartengebäude daraufhin geprüft werden.

Bürgermeister Ulrich Schulte ließ schließlich über zwei Anträge abstimmen. Der Antrag der CDU, die U-3-Kinder in der Martin-Luther-Kirche die älteren in Containern unterzubringen, scheiterte mit zehn Ja- zu 21 Nein-Stimmen bei einer Enthaltung.

Den zweiten Antrag fasste Ulrich Schulte aus den Anträgen von SPD, PWG und FDP zusammen: Die Verwaltung soll schnellstmöglich eine Lösung finden, sei es in der Bonifatiuskirche oder mit Containern. Hier stimmten 22 Ratsmitglieder zu, zehn dagegen. Diese Lösung soll dann per Dringlichkeitsbeschluss mit den Fraktionsspitzen abgestimmt werden.

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