Der Leiter des Wohnverbundes des Johannes-Busch-Hauses Lüdenscheid - Thomas Cordt - nahm am Wochenende den Umschlag mit dem gesammelten Geld persönlich durch Jugendreferent Daniel Scharf entgegen. Fotos: Daniel Scharf und Iris Kannenberg

Lüdenscheid. Das Evangelische Johanneswerk hatte sich für das Jahr 2019 etwas ganz besonderes ausgedacht. „Zeig uns Deine Talente” hieß die Challenge für all diejenigen an, die auf kreative Weise etwas Gutes tun wollten.

Die anvertrauten Talente

Das Team um Daniel Scharf herum am Eröffnungstag der Challenge.

Grundlage dafür war das biblische Gleichnis von den anvertrauten Talenten. Die werden in dieser Geschichte sogenannten „Knechten“ gegeben. Dann fährt ihr Herr erst einmal für längere Zeit in den Urlaub und schaut einfach mal, wer von den Zurückgebliebenen etwas aus diesen Talenten macht. Damals war das „Talent“ eine echte Währung. Für ein Talent konnte man z.B. ein ganzes Segelschiff kaufen. Das heutige Wort „Talent“ geht genau auf dieses ursprüngliche Wort „Talaton“ aus dem Altgriechischen zurück und bedeutet eigentlich „Waage, Gewicht“. Talente sind also heute etwas, das man als Gabe bekommt und dann in die Waagschale wirft, um etwas daraus zu machen.

Echter Einfallsreichtum gefragt

Bei der Rolli-Disko geben die jungen Leute alles und sind manchmal 12 Stunden im Einsatz.

Und genau darum ging es in der Challenge. Wer kann mit seinen ganz eigenen Talenten ihm anvertrautes Geld sogar noch vermehren? Die Evangelische Kirche Oberrahmede in Lüdenscheid klinkte sich in die Challenge ein. Zusammen mit anderen Kirchen, Gruppen, Vereinen und Firmen. Ihnen allen wurden dafür jeweils 50 Euro durch das Johanneswerk ausgezahlt. Als Startkapital. Alle Teilnehmer hatten dann sieben Monate Zeit, um dieses Geld zu vervielfältigen. Danach sollten die 50 Euro – zusammen mit dem vermehrten Geld – an das Johannes-Busch-Haus zurückgegeben werden. Um dort Menschen mit Beeinträchtigungen, zugute zu kommen. Da war natürlich echter Einfallsreichtum gefragt.

Beeindruckende Leistung

Einige Helfer aus dem Küchenteam unter der Leitung von Kirsten Göhlert (Mitte). Ohne sie geht nichts.

Die Evangelische Kirche Oberrahmede nutzte für die Challenge ihre zweimonatlich stattfindende Rolli-Disco. Diese Disco wird unter der Leitung des dortigen Jugendreferenten Daniel Scharf gemeinsam mit den Jugendlichen der Gemeinde seit mittlerweile mehr als zehn Jahren speziell für junge Menschen mit und ohne Handicap gestaltet.

Die ehrenamtlichen Helfer sind z.T. wirklich noch ganz junge Katechumenen und Konfirmanden. Sie bauen für die Rolli-Disco gemeinsam mit den älteren Jugendlichen eine richtige Diskothek im Kirchenhaus auf, dekorieren den Raum und helfen bei der Vorbereitung des Essens. Wenn die Disco vorbei ist, wird alles noch in der gleichen Nacht abgebaut und das Kirchenhaus ordentlich wieder hergerichtet. Das kann dann schon mal eine 12- Stunden-Schicht werden. Eine beeindruckende Leistung für so junge Menschen.

Strahlende Gesichter

Ein großer Spaß für Jugendliche mit und ohne Handicap. Die Rolli-Disko ist seit 10 Jahren ein Erfolg.

Natürlich stemmen sie das nicht ganz alleine. Unterstützt werden sie dabei tatkräftig vom Jugendreferenten der Kirche und den älteren Mitarbeitern der Gemeindejugend. Zudem ist immer ein engagiertes Küchenteam unter der Leitung von Kirsten Göhlert vor Ort, das dafür sorgt, dass bei Essen und Getränken alles seine Ordnung hat.

Wer einmal an solch einem Abend dabei war, weiß, dass es dort nicht nur laute Musik und eine tolle Light-Show gibt, sondern auch viele strahlende Gesichter. Junge Menschen mit und ohne Handicap tanzen und essen gemeinsam. Viele der Jugendlichen sitzen an den Tischen und unterhalten sich angeregt. Hier werden tatsächlich tiefe Freundschaften fürs Leben geschlossen.

Benefiz-Rolli-Disco

Zum Startschuss ihrer Teilnahme an der Challenge luden die Jugendlichen im März 2019 zu einer Benefiz-Rolli-Disco in die Kirche ein. Für die Auftaktveranstaltung wurde die Disco richtig groß aufgezogen. Mit Special- Beleuchtungseffekten, Buffet und einem kleinen feierlichen Auftakt, bei dem Daniel Scharf die Benefiz-Veranstaltung für den Johannes-Busch-Wohnverbund mit einem Begrüßungswort eröffnete.

Erfolgreiche Challenge

Sie sind einfach richtig cool, die Kids von der Rolli-Disko;)

Nun sind mittlerweile neun Monate vergangen und der eine oder andere mag sich fragen, was aus diesem ambitionierten Projekt wohl geworden ist. Haben die Jugendlichen ihre (Gaben-)-Talente eingesetzt, um ihre (Geld-)-„Talente“ tatsächlich zu vermehren oder ist die Aktion im Sande verlaufen?

Die Antwort darauf ist: Ja, sie waren erfolgreich. Ohne groß darüber zu reden, haben sie ihre 50 Euro mehr als versechsfacht. Von den Einnahmen, die sie sonst aus Essen und Getränken erwirtschaften, um z.B. neues technisches Equipment zu kaufen, haben die Jugendlichen in den vergangenen Monaten immer etwas für „ihre“ Challenge zurückgelegt.

Thomas Cordt, Leiter des „Johannes-Busch-Hauses im Johanneswerk Wohnverbund Lüdenscheid“, konnte daher am 16. November im Rahmen der letzten Rolli-Disco dieses Jahres einen wirklich ansehnlichen Betrag entgegen nehmen. Er bedankte sich persönlich bei dem fleißigen Team.

Was wird aus dem Geld?

Jugendreferent Daniel Scharf mit zwei seiner fleißigen Konfirmanden am Kiosk der Rolli-Disko.

Was aus dem Geld nun wird? Die Jugendlichen haben ein Mitspracherecht und spenden ihre „vermehrten Euro-Talente“ ausdrücklich zur Verwendung für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen. Das ist ihnen und dem gesamten Team ein echter Herzenswunsch.

Ein Wunsch, für den sich die Kinder und Jugendlichen der Gemeinde immer wieder auch deshalb einsetzen, weil sie ihren Altersgenossen mit Beeinträchtigungen die Gewissheit geben wollen, dass diese keine Outsider sind, sondern wertvoll und mittendrin. Darauf darf das engagierte Team um den Jugendreferenten herum zu recht stolz sein.

Neue Freunde und Unterstützer

Für das Johanneswerk an sich war die Challenge als Ganzes ebenfalls ein großer Erfolg. Und das nicht nur finanziell. Sondern auch dadurch, dass in den vergangenen neun Monaten viele kreative Aktionen für Menschen mit Behinderungen auch von denjenigen mitgestaltet wurden, die bis dahin noch gar nicht in solch eine Richtung gedacht hatten.

Das Johanneswerk hat so auch neue Unterstützer und Freunde gewonnen. Eine sinnvolle Aktion, auf deren Wiederholung man sich hoffentlich schon bald freuen darf.

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