Gut 100 Dura-Mitarbeiter/innen und 25 Unternehmen trafen sich zum Job-Speed-Dating in der Oesterhalle. Foto: Bernhard Schlütter

Plettenberg. Ein Job-Speed-Dating für gut 100 Dura-Mitarbeiter/innen fand auf Betreiben der Agentur für Arbeit Iserlohn am Freitag, 12. April, in der Oesterhalle statt. Für die Durchführung hatte die Agentur den Bildungsträger TÜV Nord Bildung engagiert. 25 Unternehmen überwiegend aus der Region standen als Gesprächspartner und potenzielle neue Arbeitgeber für die Bewerber/innen zur Verfügung.

___STEADY_PAYWALL___

Pro- und Contra-Meinungen

„Eine gute Sache“, fanden viele der Teilnehmer. Es gab aber auch kritische Stimmen. „Die Organisation ist nicht gut“, meinte ein Firmengeschäftsführer. Er habe größtenteils völlig unpassende Leute am Tisch gehabt. Zweifel gab’s auch auf der Arbeitnehmerseite. „Ich bin 57. Wer will mich einstellen, wenn ich erst noch eine Umschulung machen muss?“, meinte einer. Ein junger Mann absolvierte zwar fleißig seine Gesprächstermine, gab aber zu, dass er eigentlich nur eine Beschäftigung für wenige Monate brauche, da er dann auf die Technikerschule gehe.

Die Suche nach einem neuen Job beschäftigt derzeit viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Dura, die ihre Kündigungen zum 1. Mai erhalten haben. „Das Zusammenbringen von Menschen und Arbeit ist Kernaufgabe der Agentur für Arbeit Iserlohn, die seit der anzeigepflichtigen Entlassung in engem Austausch zu Dura steht“, erklärte Agenturchefin Sandra Pawlas im Pressegespräch. Gemeinsam mit dem Dura-Betriebsrat wurden seitens der Arbeitsagentur Iserlohn viele Wege geschaffen, um den betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern viele und vor allem frühzeitige Unterstützungsmöglichkeiten für den individuellen Weg in neue Beschäftigung zu bieten.

Beim Job-Speed-Dating in der Oesterhalle in Plettenberg trafen rund 100 Arbeitssuchende und 25 Personalsuchende zusammen. Für beide Seiten – insbesondere aber für die von Kündigungen betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – sei das eine gute Möglichkeit, neue berufliche Schritte zu eruieren, finden die Organisatoren.

Hermann Oecking (TÜV Nord Bildung), Agenturchefin Sandra Pawlas, Bürgermeister Ulrich Schulte, und Jochen Grün (Bereichsleiter der Arbeitsagentur Iserlohn, von links) zeigten sich zufrieden mit dem Verlauf des Job-Speed-Datings für Dura-Mitarbeiter/innen. Foto: Bernhard Schlütter

Ausnahmezustand

Agenturchefin Sandra Pawlas berichtet: „Als uns die Größenordnung der anzeigepflichtigen Entlassung von Dura bekannt wurde, war uns umgehend klar, dass hier ein Ausnahmezustand besteht und wir ein besonderes Dienstleistungsangebot benötigen, um die betroffenen Personen adäquat zu unterstützen. Das geht weit über unser reguläres Geschäft hinaus. So haben wir ja tageweise ein sogenanntes Vermittlungsbüro in den Räumlichkeiten von Dura gehabt, um den Personen vor Ort kurze Wege zu ermöglichen und frühzeitig beraten zu können. Andersherum haben wir mit dem Job-Speed-Dating, welches von TÜV Nord Bildung umgesetzt wird, eine extra Maßnahme eingekauft, um Arbeitgeber und Arbeitnehmer in schneller Form zusammen zu bringen.“

Dem stimmt auch Bürgermeister Ulrich Schulte zu: „Natürlich liegt es auch in meinem Interesse, dass Plettenbergs Bürgerinnen und Bürger beschäftigt bleiben. Bei Dura ist es so, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lange im heimischen Betrieb beschäftigt waren und dadurch auch nur Dura als Arbeitgeber kennen. Hier sind besondere Aktivitäten erforderlich, um diese Personen in eine Folgebeschäftigung zu bringen.“

Durchschnittsalter über 50

Dura-Betriebsratsvorsitzender Faruk Ikinci hatte sich zusammen mit der Arbeitsagentur für die Profiling-Maßnahme eingesetzt. Foto: Bernhard Schlütter

Das durchschnittliche Alter der derzeit noch verbliebenen gut 500 Dura-Mitarbeiter/innen beträgt über 50 Jahre. Das geht aus einer vom Betriebsrat vorgelegten Statistik hervor. Davon besteht ein großer Anteil aus angelernten Kräften, die zudem schon viele Jahre bei Dura beschäftigt sind.

Hermann Oecking, Geschäftsführer des TÜV Nord Bildung, erklärt: „Wir begleiten den Prozess von Menschen in Arbeit als Bildungsträger schon eine lange Zeit. Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren und damit auch in unsere gesellschaftliche Mitte, bedeutet, wertvolle Chancen zu bilden – für alle Seiten.“

Intensive Vorbereitung

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden in den vergangenen Wochen intensiv auf das Job-Speed-Dating vorbereitet, beispielsweise durch simulierte Bewerbungsgespräche. Erfahrene Job-Coaches unterstützten sie dabei, Bewerbungsunterlagen zusammenzustellen und zu aktualisieren. In individuellen Profiling-Gesprächen wurden die persönlichen Stärken, Fähigkeiten und bisherigen Berufserfahrungen zusammengestellt und im Vorfeld die Bedarfe der Unternehmen mit den Profilen der Arbeitssuchenden abgeglichen und zugeordnet. Abgedeckt wurden damit die Branchen Metall- und Maschinenbau, Lager und Logistik, Spedition sowie Berufskraftfahrer.

465 Frauen und Männer, die sich bei der Arbeitsagentur Arbeit suchend gemeldet hatten, wurden zu diesem Profiling eingeladen, 115 davon schließlich zum Job-Speed-Dating. „Bei diesen Leuten sehen wir gute Chancen, dass sie zu den Anforderungen des Arbeitsmarktes und der Arbeitgeber in der Region passen“, beschreibt Hermann Oecking das sog. „Matching“. Wichtig sei dann das persönliche Kennenlernen. Wenn die Chemie passe, werde über manche fehlende Qualifikation hinweggesehen, die oft auch in relativ kurzer Zeit nachgeholt werden könne.

Bis zu zehn Bewerbungskurzgespräche führte jeder Teilnehmer am Freitag in der Oesterhalle, jedes zehn Minuten kurz. „Wer heute keinen Treffer landet, hat auf jeden Fall ein gutes Training gehabt. Außerdem sind nach dem Profiling die Bewerbungsunterlagen auf dem neuesten Stand“, findet Hermann Oecking.

“Reguläre Maßnahmen” für weitere 400 Arbeitssuchende

Was passiert mit den rund 400 Leuten, die nach dem Profiling nicht zum Speed-Dating eingeladen wurden? „Für sie bieten wir unsere regulären Maßnahmen, wie Qualifizierungen und Vermittlungsvorschläge an“, erklärt Sandra Pawlas. Dazu arbeite die Iserlohner Agentur auch mit den Agenturen in den Nachbarregionen zusammen. Für September sei außerdem eine weitere Sonderaktion in Lüdenscheid für die dann noch arbeitssuchenden ehemaligen Dura-Beschäftigten geplant.

Wir brauchen Dich, um die Zukunft von TACH! zu sichern. Bitte mach mit! Unterstütze uns auf Steady

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here