Die Ausstellung über die systematischen Krankenmorde der Nazis wurde am Montag im Rathausfoyer eröffnet. Foto: Caroline Unger

Lüdenscheid. (PSL) „Das war kein Vogelschiss in der deutschen Geschichte, sondern ein unglaublicher Dreckhaufen“ –  in seiner Eröffnungsrede verurteilte Bürgermeister Dzewas die unfassbaren Verbrechen, denen sich die Ausstellung „Im Gedenken der Kinder“ widmet, aufs Schärfste.

Seit Montag, 29. Oktober, ist die Wanderausstellung über Kinderärzte und die Verbrechen an Kindern in der NS-Zeit im Rathausfoyer zu sehen. Der Verein GE-DENK-ZELLEN Altes Rathaus e.V. hat die von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. ins Leben gerufene Ausstellung nach Lüdenscheid geholt.

Keine Nestbeschmutzung

Bei der Ausstellungseröffnung mit rund 100 interessierten Gästen plädierte Bürgermeister Dieter Dzewas dafür, dass Diskussion und Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen keineswegs als Nestbeschmutzung verstanden werden sollten, sondern als verantwortlicher Umgang mit der eigenen Geschichte. Die Gestaltung der Zukunft werde dadurch erst möglich.

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Referat über die Krankenmorde

Als Kurator der Ausstellung zeigte sich Prof. Dr. Thomas Beddies sehr erfreut über die große Resonanz auf die Eröffnungsveranstaltung. Der Medizinhistoriker referierte im Anschluss ausführlich und sehr fundiert über die Krankenmorde im Nationalsozialismus. Er stellte klar, dass die als Euthanasie geschönten Morde und medizinischen Versuche an erkrankten Kindern selbst zur Zeit des Nationalsozialismus rechtswidrige Taten waren, denn ein entsprechendes Gesetz gab es nicht. Nach der juristischen Verfolgung in den Nürnberger Prozessen, welche viele Täter leider nicht erfasste, wurden tausende wegen Trisomie, Geisteskrankheit, Epilepsie oder Kinderlähmung ermordete Kinder für lange Zeit zu vergessenen Opfern. Seit rund 30 Jahren findet die Aufarbeitung in der Forschung statt und Städte und Regionen bemühen sich um die Sichtbarmachung und Gedenken der Opfer.

Besucherinnen und Besucher können die Ausstellung im Rathausfoyer noch bis zum 7. Dezember 2918 besichtigen. Der Eintritt ist frei.

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