Die IG Metall möchte möglichst viele Mitglieder zu Warnstreiks mobilisieren. Foto: TACH!-Archiv/Wolfgang Teipel

Werdohl/Plettenberg. Mit Warnstreiks eröffnet die IG Metall im Märkischen Kreis die neue Tarifrunde für die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie. Am Mittwoch, 10. Januar, wird in mehreren Betrieben in Werdohl und Plettenberg vorübergehend die Arbeit niedergelegt. Darüber informiert die Gewerkschaft in einer Pressemitteilung.

Arbeitsniederlegungen bei VDM Metals, Seissenschmidt und Frauenthal

Es geht um sechs Prozent mehr Lohn und flexiblere Arbeitszeiten für die Beschäftigten: Seit dem 1. Januar ist die sogenannte Friedenspflicht zwischen den Arbeitgebern der Metall- und Elektroindustrie und der IG Metall abgelaufen. Damit darf nun im Zuge der neuen Tarifrunde gestreikt werden. Am morgigen Mittwoch, 10. Januar, findet ab 9.30 Uhr ein Warnstreik bei der Firma VDM Metals in Werdohl statt. Aufgrund des Warnstreiks ist mit Rückstaus an der B 236 zu rechnen.

In Plettenberg werden die Firmen Seissenschmidt in Köbbinghauser Hammer (10 Uhr) und Frauenthal in Kückelheim (13 Uhr) bestreikt. Auch hier ist mit Beeinträchtigungen des Straßenverkehrs in der Umgebung der Firmengelände zu rechnen.

6 Prozent mehr Gehalt

Ulrich Kunz, ehrenamtliches Mitglied des Vorstands der märkischen IG Metall, sitzt den Arbeitgebern der Metall- und Elektroindustrie in NRW am Verhandlungstisch gegenüber. Er ist Teil der Verhandlungskommission der Gewerkschaft. Verhandlungsführer auf Arbeitgeberseite ist sein Arbeitgeber, Arndt Kirchhoff. Kunz bekräftigt die Forderungen der IG Metall in dieser Tarifrunde: „Die wirtschaftlichen Daten der Branche zeigen klar nach oben. Die Rückmeldungen der Kolleginnen und Kollegen aus den Betrieben bestätigen das. Wirtschaftlicher Wohlstand ist nur dann gerecht, wenn er bei den Beschäftigten, die für diesen Erfolg arbeiten, auch sichtbar ankommt. Die Lohnentwicklung muss zur Konjunktur passen. Deswegen fordern wir eine Lohnerhöhung von sechs Prozent.“

Ralf Kalkreuter ist Betriebsrat in einem Plettenberger Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie. Er ist gewähltes Mitglied der Tarifkommission der IG Metall für den Bereich Nordrhein-Westfalen und entscheidet mit über die Tarifforderungen. Kalkreuter unterstützt die Lohnforderung der Tarifkommission: „Meine Betriebsratskolleginnen und -kollegen in der Tarifkommission bestätigen den Trend: Die Metall- und Elektroindustrie in NRW verdient gutes Geld. Ohne die Arbeit mehrerer 100.000 Beschäftigter in Nordrhein-Westfalen wäre dieser Erfolg nicht möglich. Deshalb müssen die Belegschaften an der wirtschaftlichen Entwicklung beteiligt werden. Die Konjunktur zeigt nach oben – das muss auch für die Gehälter gelten.“

Mehr Freiräume durch Flexibilität

Gudrun Gerhardt, Erste Bevollmächtigte der IG Metall im Märkischen Kreis, ist Mitglied der Verhandlungskommission und sitzt bei den Verhandlungen direkt gegenüber den Vertretern der Arbeitgeberseite. Sie legt ihr Augenmerk auf die Forderungen zur Arbeitszeit in dieser Tarifrunde: „Die Arbeitgeber wollen mehr Flexibilität. Das wollen wir auch. Der Unterschied ist, dass für die Arbeitgeber Flexibilität weitestgehend die Abschaffung von Pausen- und Ruhezeiten bedeutet und eine Erreichbarkeit von möglichst 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche. Wenn wir über Flexibilität reden, meinen wir mehr Selbstbestimmung und Freizeit für die Beschäftigten. In Zeiten von Digitalisierung und Verdichtung von Arbeitsabläufen benötigen wir mehr Freiräume. Deswegen fordern wir insbesondere für die Familienphasen die Möglichkeit, die Arbeitszeit auf 28 Stunden reduzieren zu können. Kindeserziehungszeiten oder Pflegezeiten für die eigenen Eltern sind mit enormem Aufwand verbunden. Dieser Aufwand ist ein großer Dienst an den Angehörigen – aber auch an der Gesellschaft selbst. Deswegen müssen wir hier endlich mehr Familienfreundlichkeit schaffen. Gerade für Frauen fordern wir hier ein verbindliches Rückkehrrecht auf Vollzeitarbeit. Ohne dieses Recht führt Teilzeitarbeit zu Altersarmut, weil möglicherweise zu wenig in die Rentenkasse eingezahlt wird. Hier besteht Handlungsbedarf und diesem Bedarf werden wir nun mit Warnstreiks Druck verleihen.“

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