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Torsten Kasubke, 1. Bevollmächtiger der IG Metall im Märkischen Kreis, ist Mitglied der Tarifkommission. Foto: IG Metall

Lüdenscheid/Märkischer Kreis. Am vergangenen Mittwoch hat die Tarifkommission der IG Metall NRW für die Metall- und Elektroindustrie die Forderungen für die kommende Tarifrunde beschlossen. Stabile Einkommen, Beschäftigungssicherung und die Zukunft industrieller Wertschöpfung in der Region spielen im Forderungsbeschluss eine große Rolle: Nachdem die IG Metall für 2020 aufgrund der Corona-Pandemie auf eine Entgelterhöhung verzichtet hat, fordert die Gewerkschaft nun eine Erhöhung um vier Prozent.

Vier-Tage-Woche mit 32 Stunden

Zur Sicherung der Beschäftigung soll über eine Reduzierung der Arbeit in Betrieben, die zurzeit Absatzprobleme haben, diskutiert werden. Hier bringt die IG Metall die Einführung einer Vier-Tage-Woche mit 32 Stunden mit anteiligem Lohnausgleich ins Spiel. Um den Wandel der Arbeit zu begleiten, fordern die Metaller, dass auf Verlangen der Gewerkschaft Verhandlungen zu Zukunftstarifverträgen auf betrieblicher Ebene geführt werden müssen.

Binnenkonjunktur braucht neuen Schwung

„Mit unseren Forderungen geben wir die richtigen Antworten auf die Fragen unserer Zeit“, fasst Torsten Kasubke, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Märkischer Kreis und Mitglied der Tarifkommission, das Paket zusammen. „Gerade jetzt in der Pandemie braucht die Binnenkonjunktur neuen Schwung. Eine angemessene Entgelterhöhung wird hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. Wir stellen zudem fest, dass viele Betriebe in der heimischen Automobilindustrie die Kurzarbeitsphase verlassen haben und sogar Überstunden planen. Andere Betriebe zum Beispiel in der Elektroindustrie hatten darüber hinaus trotz Corona gar keine Einbußen. An diesen Entwicklungen müssen die Beschäftigten beteiligt werden.“

Auch die Idee einer Vier-Tage-Woche bewertet Kasubke positiv: „Dort, wo der Auftragseingang weiterhin schwächelt oder wo aus verschiedenen Gründen weniger gearbeitet werden muss als früher, müssen wir eine gute Antwort im Interesse der Beschäftigten geben. Bleibt die Wochenarbeitszeit bestehen, droht Stellenabbau. Reduzieren wir die Wochenarbeitszeit für alle, können wir für ganze Belegschaften den Arbeitsplatz sichern. Das ist einfache Mathematik.“

“Wollen den Wandel der Arbeit begleiten”

Dass die IG Metall künftig auch frühzeitig zur Aufnahme von Tarifverhandlungen auffordern kann, findet er richtig: „Betriebliche Tarifverhandlungen sind für uns tägliches Brot. Leider werden wir oft erst zu Verhandlungen eingeladen, wenn die Betriebe schon mit dem Rücken zur Wand stehen. Unsere Betriebsräte geben uns oft schon im Vorfeld den Hinweis, dass die Entwicklung nicht positiv sei. Wir wollen den Wandel der Arbeit begleiten und mit Zukunftstarifverträgen gestalten, bevor Fakten geschaffen wurden.“

Ausbildungsplätze sichern

Auch das Thema Ausbildung ist Bestandteil des Forderungspakets der IG Metall. Hier geht es unter anderem auch um die Übernahme nach der Ausbildung und die Sicherung neuer Ausbildungsplätze. „Für den Märkischen Kreis sind rund 300 Ausbildungsplätze in der Industrie weggefallen. Gleichzeitig verzichten viele Arbeitgeber darauf, Auszubildende im Betrieb zu übernehmen. Diese Entwicklung ist nicht hinnehmbar: Einerseits droht echter Fachkräftemangel, weil gleichzeitig die geburtenstarken Jahrgänge in die Rente übergehen. Andererseits nehmen wir der jungen Generation die Chance, ihre Zukunft selbst zu gestalten. Die junge Generation darf nicht Verliererin der Pandemie werden“, fordert Fabian Ferber, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Märkischer Kreis.

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