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Ausbildung
Die märkische IG Metall fordert: Auszubildende brauchen mehr Schutz. Foto: pixabay.com

Lüdenscheid/Märkischer Kreis. Der Berufsbildungsbericht für das Jahr 2016 ist kürzlich veröffentlicht worden. Demnach haben in 2016 25,8 Prozent der Auszubildenden ihre Berufsausbildung abgebrochen. Für die IG Metall im Märkischen Kreis ist diese Zahl keine Überraschung.

„Ausbildungsfremde Tätigkeiten, ungerechtfertigte Überstunden und Probleme an den Berufsschulen sind keine Seltenheit“, stellt Gudrun Gerhardt, Erste Bevollmächtigte der märkischen IG Metall, fest. „Und manche meinen heute immer noch, es gebe keinen Handlungsbedarf – frei nach dem Motto: Früher war es noch schlimmer. Der Unterschied zu früher ist, dass junge Menschen aufgrund des demografischen Wandels teilweise mehr Auswahlmöglichkeiten haben. Außerdem können sie über die sozialen Netzwerke noch stärker untereinander erfahren, welche Berufe und Betriebe tendenziell für gute Ausbildungsqualität stehen und welche nicht.“

Nachholbedarf beim Handwerk

Insbesondere das Handwerk habe, was Rahmenbedingungen und Bezahlung betreffe, Nachholbedarf. „Aber auch in der Industrie gibt es nicht selten die Neigung, geltende Gesetze nicht ernst zu nehmen. Wenn Auszubildende im Schichtdienst eingesetzt werden, am Sonntag gegen ein Taschengeld in der Produktion aushelfen oder regelmäßig Überstunden machen, dann hat das wenig mit dem zu tun, was das Berufsbildungsgesetz vorschreibt.“



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Qualität stärker überprüfen

Hier wünscht sich Gudrun Gerhardt eine stärkere Überprüfung der Ausbildungsqualität. Die Handwerks- beziehungsweise Industrie- und Handelskammern könnten die Ausbildungsbetriebe stärker unter die Lupe nehmen. „Die Kammern tun vielen Unternehmen nämlich einen Gefallen, wenn die ‚schwarzen Schafe‘ endlich stärker angefasst werden. Denn eins ist klar: Für Fachkräftemangel sorgen auch die Betriebe selbst, in dem sie ihre Auszubildenden nicht fachgerecht ausbilden“, so die Gewerkschafterin.

Umzufriedenheit an Berufsschulen

Im Rahmen der dualen Berufsausbildung seien allerdings nicht nur die Unternehmen, sondern auch der Staat selbst gefragt. Fabian Ferber, Jugendsekretär bei der märkischen IG Metall, erläutert: „Egal ob im Betrieb auf einer Jugend- und Auszubildendenversammlung oder im Beratungsgespräch am Telefon: Uns berichten Auszubildende regelmäßig davon, wie unzufrieden sie mit ihrer Situation an der Berufsschule sind. Das beschränkt sich nicht auf ein bestimmtes Kolleg oder eine bestimmte Fachrichtung. Die Berufsschule ist viel zu lange stiefmütterlich behandelt worden. Nun mangelt es an Personal und oft auch an der richtigen Infrastruktur. Wenn der Mensch mit dem Wandel durch Digitalisierung Schritt halten soll, müssen die Berufsschulen der Schrittmacher sein. Davon sind wir noch ein gutes Stück entfernt.“

Berufsbildungsgesetz erneuern

Insgesamt müsse, so ist Gudrun Gerhardt überzeugt, die Politik mehr machen. Schon die letzte Große Koalition hatte eine Erneuerung des Berufsbildungsgesetzes ins Auge gefasst. Auch im neuen Koalitionsvertrag ist dieses Vorhaben vereinbart worden. „Nun muss es auch endlich kommen“, fordert Gerhardt. „Auszubildende brauchen mehr Schutz, sie müssen für die wandelnde Arbeitswelt besser ausgebildet werden und haben auch eine anständige Ausbildungsvergütung verdient. In manchen Branchen erhalten Azubis im ersten Lehrjahr gerade einmal 250 Euro im Monat. Wenn wir wollen, dass sich Jugendliche auch über die Berufsausbildung zu erwachsenen Menschen entwickeln, benötigen sie Freiraum.“

Den könnten, schließt Gerhardt ab, auch Ideen wie Wohnheime für Auszubildende und die Einführung eines landesweiten Azubi-Tickets bieten: „Das würde die Ausbildung in jedem Fall attraktiver machen.“

 

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