Mitglieder des Heimatkreises Plettenberg besichtigten das Pumpspeicherwerk in Rönkhausen. Foto: privat

Plettenberg. Gebadet werden kann in dieser „Badewanne“ nicht, die als technisches Bauwerk ebenso wie die unterhalb liegende Talsperre keinen Badebetrieb zulässt. Aber es ergaben sich einige äußerst interessante Stunden in Rönkhausens Ortsteil Glinge beim Pumpspeicherwerk (PSW). Dank guter Kontakte war es dem Heimatkreisvorsitzenden Günter Heerich gelungen, mit dem Betriebsleiter des PSW Jörg Klages einen Termin für eine Besichtigung zu vereinbaren.

Das von der Enervie-Tochtergesellschaft Mark-E betriebene Kraftwerk wurde nach einer Bauzeit von etwa fünf Jahren 1969 auf dem Dahlberg bei Rönkhausen errichtet. Es hat eine Leistung von 140 Megawatt und stabilisiert das Stromnetz und gleicht den schwankenden Bedarf von Industrie und Bevölkerung aus. Eine Technik, die mittlerweile mit Blick auf die Energiewende in Deutschland und damit aus immer mehr Strom aus Wind- und Sonnenenergie zunehmend wichtiger wird. Da diese Energiequellen Wind und Sonne jedoch nicht konstant zur Verfügung stehen, stellt das PSW, eines von zwei in NRW, eine bedeutende und gegenwärtig auch die kostengünstigste Alternative zur Stromversorgung dar.

Der Bau neuer Pumpspeicherwerke scheitert laut Betriebsleiter Klages allerdings an zu wenig Plansicherheit durch die Politik, da so ein Bau bestimmt über zehn Jahre dauern würde und Millionen aufzubringen wären. Diese Aussage wurde auch aktuell durch den Bericht bekräftigt, dass der 2017 verfasste Landesentwicklungsplan u.a. zum Thema Windenergie noch im Juli 2019 durch die derzeitige Regierung aufgehoben wird.

Druckstollen verbindet Unter- und Oberbecken

Das etwa 1,3 Mio. Kubikmeter Wasser fassende Unterbecken im Tal der Glinge bildet die Glingebachtalsperre. Das ebenfalls künstlich angelegte Oberbecken mit einem Nutzvolumen von gut einer Millionen Kubikmetern liegt über 270 m höher auf dem 570 m hohen Dahlberg. Durch den 938 Meter langen Druckstollen wird das Wasser im größtenteils unterirdischen Kraftwerk mit seinen Francis-Pumpen, die Pumpen und Turbinen in einem sind, mit billigem Strom in das Oberbecken gepumpt und dann wird zu Spitzenlastzeiten wieder Strom erzeugt. Der Netzanschluss erfolgt über eine 110-kV-Leitung in das Stromnetz des Verteilernetzbetreibers Enervie und damit in das europäische Netzwerk.

Betriebsgenehmigung bis 2045

Nach einer ersten großen Revision in 2003 und nach fast 50 Jahren Betriebszeit, einem damit entstandenen Investitionsstau in Höhe von rund 25 Mio. Euro und einer im Juni 2018 auslaufenden Betriebsgenehmigung wurde inzwischen durch die Bezirksregierung Arnsberg jedoch diese Genehmigung bis zum Jahr 2045 verlängert. Grund für die Verlängerung ist die Sanierung des Oberbeckens, dessen Betonwanne rund 50 Jahre nach der Inbetriebnahme undicht geworden war. Seit Abschluss der Sanierung beläuft sich die Speicherkapazität des Kraftwerks auf 735.000 kWh. Bei Tagen mit wenig Wind oder Sonne wird das Pumpspeicherwerk gebraucht. Werden die Kugelschieber der Anlage geöffnet, strömen aus dem Oberbecken 67000 Liter Wasser pro Sekunde durch den 936 Meter langen Druckstollen auf die Pumpturbinen. Nach fünf Stunden Betriebszeit wird das Wasser zurückgepumpt vom Unter- zum Oberbecken.

Beliebtes Ausflugsziel

Das beliebte Ausflugsziel für Wanderer, der 1,3 km lange Rundweg auf der Dammkrone des Oberbeckens auf dem Dahlberg, ist jetzt jederzeit zugänglich. Es bieten sich von dort weite Ausblicke ins Sauerland. Neben zum Verweilen einladende Ruhebänke gibt es einen neuen Energiepfad mit vielen Informationen.

Die Heimatkreismitglieder beendeten ihre Exkursion gemeinsam mit dem Betriebsleiter Jörg Klages mit einem Gang über die Staumauer am Oberbecken.

Der erste Vorsitzende Günter Heerich bedankte sich für die äußerst interessante Führung und die umfangreichen Erklärungen zu diesem „Energiespender und Multitalent“, dessen Technik erprobt ist und das zukunftsfähig und 2018 für die nächsten Jahrzehnte fit gemacht worden ist.

Quelle: Pressemitteilung des Heimatkreises Plettenberg

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