Handläufe mit Markierungen können Sehbehinderten und Blinden die Orientierung sehr erleichtern Foto: DVBS/Andreas Friese

Lüdenscheid. Wie geht’s weiter? Eine bange Frage für jeden, bei dem eine schwere Augenkrankheit diagnostiziert wird. Schwer sehbehindert oder gar blind? Für viele eine Horrorvorstellung. Wie man sein Leben umstellen kann, um auch mit den Folgen vor Grauer Star, Makula-Degeneration, Grüner Star, Diabetischer Retinopathie (Erkrankung der Netzhaut) oder Retinitis Pigmentosa (Netzhautdegeneration, die zu einer Art Tunnelblick führt) im Alltag klarzukommen, das weiß Heidemarie Grünert.

Zertifizierte LPF-Beraterin

Sie arbeitet als zertifizierte Beraterin für den Bilden- und Sehbehindertenverein Lüdenscheid und Umgebung (BSV). Jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat bietet sie von 14 bis 16 Uhr zusammen mit BSV-Vorsitzendem Josef Küppers In der Lünsche-Apotheke am Sternplatz Beratungen für Betroffene an.



Eine Frau mit weißem Stock und Blindenbinde betritt den kleinen Raum in der Apotheke. „Hallo Heidemarie. Ich wollt nur mal eben vorbeischauen.“ Ein kleiner Plausch. Dann ist sie wieder weg. „Die hätten Sie mal sehen sollen, als sie das erste Mal hier war. Nichts als ein Häuflein Elend“, sagt Heidemarie Grünert.

So wie dieser Besucherin haben Heidemarie Grünert und Josef Küppers im „Blickpunkt Auge“ schon vielen geholfen, einen Weg ins fast normale Leben zurückzufinden. Zusammen mit dem Vorsitzenden des BSV hat sie den „Blickpunkt Auge“ vor fünf Jahren in der Lünsche-Apotheke eingerichtet. Sie ist zertifizierte LPF-Beraterin (Lebenspraktische Fähigkeiten) und weiß, wie man sich als Sehbehinderter im Alltag besser zurechtfinden kann. „100 Menschen stehen inzwischen in meiner Kartei“, sagt sie stolz. Wer zu Heidemarie Grünert und Josef Küppers kommt, fasst Zuversicht. „Fast alle gehen hier glücklich wieder raus“, sagt die ehrenamtliche Beraterin.

Das Team von “Blickpunkt Auge”: Heidemarie Grünert und Josef Küppers beraten Blinde und Sehbehinderte. Foto: Wolfgang Teipel

Suche nach Nachfolgerin oder Nachfolger

Seit einigen Jahren ist sie in Rente. „Mit über 70 Jahren denke ich langsam ans Aufhören“, berichtet sie. Schade, wird mancher Betroffener denken. Auch Heidemarie Grünert fällt es offenbar nicht leicht. „Ich habe mein Engagement nie bereut.“ Dennoch: Sie wünscht sich in absehbarer Zeit eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger, die bereit sind, einen Lehrgang zu absolvieren und sich von ihr in die Beratung einarbeiten zu lassen.

Heidemarie Grünert kam 1996 nach Lüdenscheid. Die ehemalige Grundschullehrerin sucht einen Job und fand ihn im damaligen Blindenerholungsheim in Valbert. „Das war mein erster Kontakt zu Blinden“, berichtet sie. Später ließ sie sich als Beraterin für lebenspraktische Fähigkeiten ausbilden und arbeitete zudem für den BSV ehrenamtlich weiter.

Zu wenig Unterstützung

„Für uns ist sie eine große Hilfe“, sagt Vereinsvorsitzender Josef Küppers. „Wir kommen zu ihr, wenn wir nicht weiter wissen und Unterstützung benötigen.“

Heidemarie Grünert und Josef Küppers sind der Meinung, dass die Eingliederung für Blinde und Sehbehinderte nicht ausreichend unterstützt wird.

Vieles fängt auch der Blindenverein auf. Josef Küppers produziert mit einigen Helfern die wöchentliche Hörzeitung „Medardusbote“ mit ausgewählten Nachrichten aus der Region. Dazu kommen Angebote wie Frauengruppe, Stammtisch, Kegeln, Wandern und gemeinsame Ausflüge. Mehr Informationen zum Verein unter http://www.blindenverein-luedenscheid.de/index.htm

Kontakt zu Heidemarie Grünert: h.gruenert@blickpunkt-auge.de 

Wissen in Kürze: Die meisten Menschen glauben, dass jemand der blind ist, im Dunkeln lebt. Aber das stimmt nicht. Als blind werden Menschen bezeichnet, die weniger als zwei Prozent von dem sehen, was Menschen ohne Sehfehler wahrnehmen. Einige blinde Menschen können hell und dunkel unterscheiden, andere sehen nur einen ganz kleinen Ausschnitt, können damit aber sogar lesen.

 

 

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