Märkischer Kreis/Südwestfalen. Fahren bald Busse über Land, um Patienten zu Arztpraxen zu bringen oder kommen die Ärzte selbst, bleiben für ein zwei Tage, versorgen Kranke und ziehen dann in den nächsten Ort. Schon bald muss die Gesellschaft mehr Aufwand für die Daseinsvorsorge betreiben, als bisher. „Gesund – na(h) gut!“ – Das Motto für die fünfte Fachtagung des Arbeitskreises Demografie war mit dem Wortspiel gut gewählt. Im Valberter Haus Nordhelle ging bei dem von der Kiersper SPD-Bundestagsabgeordneten Petra Crone initiierten und von der Friedrich-Ebert-Stiftung unterstützten Arbeitskreis nämlich um die Frage, wie die hausärztliche Versorgung, so wie sie die meisten kennen, angesichts unterschiedlichster Herausforderungen auch in Zukunft zu gewährleisten ist. Klar, sie wird zur Herausforderung. Rund sieben Millionen Menschen in Deutschland wohnen in ländlichen geprägten Kreisen. Sie werden in einen Kreislauf von Abwanderung und damit wegbrechender Infrastruktur bei gleichzeitig steigendem Bedarf an ärztlicher Versorgung geraten.

Immer weniger Hausärzte

Die Kiersper SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Crone hat den Arbeitskreis ins Leben gerufen. Foto: Wolfgang Teipel
Die Kiersper SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Crone hat den Arbeitskreis ins Leben gerufen. Foto: Wolfgang Teipel

Die Zahlen dazu lieferte bei der Tagung am 29. Februar Dr. Vera Gerling, Geschäftsführerin der GER.-On Consult & Research und Mitarbeiterin am gerontologischen Institut der Uni Dortmund. Bis zum Jahr 2020 gehen, so die Fachfrau, rund 55.000 niedergelassene Ärzte in den Ruhestand, davon sind 24.000 Hausärzte. „Aufgrund von Nachfolgeproblemen werden wir dann rund 7000 Hausärzte weniger haben als heute“, zitierte sie aus einer Untersuchung des Bundesärzteverbandes.



Neue Aufgaben für Kreise und Städte

Das hat Folgen. Städte und Kreise müssen sich mehr als heute um die Sicherung der ärztlichen und pflegerischen Versorgung kümmern, obwohl sie bei der Steuerung nur begrenzte Möglichkeiten besitzen. „Die Bürgermeister in Südwestfalen haben das erkannt“, berichtete Dr. Vera Gerling aus einer Umfrage ihres Instituts. „Sie betrachten die Sicherung der hausärztlichen Versorgung als eine der größten Herausforderungen.“

Wie patientenzentrierte Ansätze, Berufsbildveränderungen im Gesundheitswesen oder Angebote der Telemedizin der drohenden Unterversorgung entgegenwirken können, darum ging es in sechs Workshops im Anschluss an den Vortrag von Dr. Vera Gerling.

Dr. Vera Gerling: Medizinische Versorgung im ländlichen Raum wird zur Herausforderung. Foto: Wolfgang Teipel
Dr. Vera Gerling: Medizinische Versorgung im ländlichen Raum wird zur Herausforderung. Foto: Wolfgang Teipel

So stellten Anja Herder (Geschäftsführerin Gesundheitsregion Siegerland) und Ingo Jakschies (Gesundheitscampus Balve) vor, wie Ärzte und andere Anbieter des Gesundheitswesens auf demografische Veränderungen reagieren, um eine sichere und gute Versorgung zu gewährleisten,. Melanie Rauert und Susanne Gremme vom Krankenhaus Maria Hilf aus Warstein stellten ihr Netzwerkmodell zur wohnortnahen Versorgung von Seniorinnen und Senioren vor. Dr. med. Wolf Diemer, Vorstandsmitglied des NRW Hospiz- und Palliativverbandes verdeutlichte, wie Schmerzpatienten auch im ländlichen Raum gut versorgt werden können.

Medizin ist im digitalen Zeitalter angekommen

Marco Luzius und Ines Dickmann von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe berichteten über die kassenärztliche Versorgung und Südwestfalen und die aktuelle Nachwuchskampagne der kassenärztlichen Vereinigung. Reimund Siebers verdeutlichte, dass auch die Medizin im digitalen Zeitalter angekommen ist und wie sie zu einem wichtigen Baustein für die zukünftige medizinische Versorgung in der Fläche werden kann.

 

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