Helmut Pahl (Mitte) hat das Leben von Hans Müller dokumentiert und lange darauf gedrängt, öffentlich an diesen fast vergessenen Sohn der Stadt zu erinnern. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Er arbeitete zusammen mit so bekannten Schauspielern wie Hardy Krüger, Irene von Meyendorf und Carl Raddatz. Einer seiner Lehrherrn war kein geringerer als Curt Goetz. In einem umfangreichen Beitrag im „Reidemeister“, der Zeitschrift des Geschichts- und Heimatvereins Lüdenscheid, erinnert der Journalist Hans-Ulrich Dillmann an das Wirken des Regisseurs Hans Müller. Das Material stammt aus dem Nachlass  von Helmut Pahl, der das Lebens Müllers akribisch aufgezeichnet hat. Pahl war Künstler-Biograf und Kultur-Chronist.

Im Jahr seines 110. Geburtstages und 42 Jahre nach seinem Tod hat der Geschichts- und Heimatverein Lüdenscheid auf Initiative von Helmut Pahl bereits im März 2019 Hans Müller eine Gedenktafel gewidmet. Sie wurde am Haus Knapper Straße 19 enthüllt. In diesem Haus ist Hans Müller gestorben.

Jetzt folgt der Beitrag im „Reidemeister“. Hier der Link: https://www.ghv-luedenscheid.de/download/der-reidemeister/Reidemeister-222-29.09.2022.pdf

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Vier echte Kassenschlager

Hans Müller im Porträt. Foto: Stadtarchiv Lüdenscheid

Seine größten Erfolge hatte Müller von Ende der 40er- bis Mitte der 50er-Jahre. In dieser Zeit drehte er fünf Filme für die DEFA, von denen vier die größten Kassenerfolge der Produktionsfirma verbuchen konnten und die auch heute noch auf Video im Potsdamer Filmmuseum zu haben sind.

Es waren der Zirkusfilm „1 – 2 – 3 – Corona” mit Ingeborg Scholz und Lutz Moik, „Carola Lamberti”, in dem Henny Porten nach vielen Jahren wieder vor der Kamera stand, „Zar und Zimmermann”, eine bemerkenswerte Verfilmung der gleichnamigen Oper von Albert Lortzing, und „Mazurka der Liebe” mit dem Schauspieler Bert Forell nach der Operette „Der Bettelstudent”. Vom Kinofilm verabschiedete sich der Lüdenscheider Regisseur 1959 mit dem besonders publikumswirksamen Streifen „Drillinge an Bord”, in dem Komiker Heinz Erhardt eine Dreifachrolle spielte. Noch heute ist der Film ab und an im Fernsehen zu sehen.

Werbefilm für Lüdenscheid

In seiner Heimatstadt Lüdenscheid entstanden die ersten Werke von Hans Müller, die zum Teil in dem von Franz Bruckmann geleiteten Central-Theater öffentlich vorgeführt wurden. Sehr zur Freude vieler Bürger, die sich so zum ersten Mal auf der Leinwand sahen. Es waren ein Film zum 425-jährigen Jubiläum der Lüdenscheider Schützengesellschaft, ein Werbefilm für seine Heimatstadt, den er im Auftrag des damaligen Magistrats Zuncke 1931 erstellte, und ein Film über das Leben und Treiben in seiner Heimstadt an einem Tag, vom frühen Morgen bis zum Abend.

Die Gedenktafel aus Haus Knapper Straße 19. Foto: Wolfgang Teipel

Als Regieassistent arbeitete Müller später mit Curt Goetz zusammen an dem Film „Napoleon ist an allem schuld”. Seine weiteren Lehrmeister waren unter anderem Reinhold Schünzel, Karl Hartl und Arthur Maria Rabenalt.

Dann folgten zwölf eigene Kinofilme, bei denen er Regie führte. Der erste war 1944 „Aufruhr der Herzen” mit Lotte Koch, O. E. Hasse und Rudolf Prack. Ein Kritiker meinte damals: „Was der Autor Arthur Kuhnert in schöner dichterischer Schau sah, das versuchte der junge Spielleiter Hans Müller ins lebendige Bild umzusetzen.“

Fernsehfilme mit Hans-Joachim Kulenkampff

Anfand der 60er-Jahre wandte sich Hans Müller dem Fernsehen zu. Unter anderem drehte er mehrere Folgen von „Münchhausens Abenteuer” mit Hans-Joachim Kulenkampff. Im Auftrag des Südwestfunks schuf der Regisseur je sechs bzw. sieben Folgen der Vorabendserie „Spedition Markus” mit Kathrin Schaake und Gerhard Lippert, „Die Kramer” mit Barbara Rütting und „Butler Parker” mit dem kauzigen Schauspieler Dirk Dautzenberg.

Müller lieferte den Impuls für Loriots „Müller-Lüdenscheidt“

Als die Gedenktafel im März 2019 angebracht wurde, erinnerte Dr. Dietmar Simon, stellvertretender GHV-Vorsitzender, an ein besonderes Geschenk an Lüdenscheid, das auf Müllers Namen zurückzuführen ist.  Es geht um die von Loriot erfundene Figur „Müller-Lüdenscheidt“. Und das kam, laut Dr. Dietmar Simon, so: „Loriot dreht beim Südwestfunk mit dem Schauspieler Edgar Hoppe und hörte von ihm, dass man, wenn man den Regisseur Hans Müller sprechen wollte, immer nach ‚Müller-Lüdenscheid‘ fragen müsste. An dessen Namen wurde der Städtenamen angehängt, um die vielen Müllers voneinander zu unterscheiden. Das fand Loriot so gut, dass er für seinen Badewannen-Sketch den Müller-Lüdenscheidt erfand.“

 

https://www.ghv-luedenscheid.de/download/der-reidemeister/Reidemeister-222-29.09.2022.pdf