Die drei Operateure mit der Patientin: (vlnr.) Facharzt Abduasalam Attabit, Oberarzt Dr. Elmar Halbach, die Patientin Christine Hensel-Feldmann und Klinikdirektor PD Dr. Max Meyer Marcotty. Foto: Märkische Kliniken

Lüdenscheid/Märkischer Kreis. Was der Albtraum eines jeden Handwerkers ist, wurde für Christiane Hensel-Feldmann (37), am 21. November diesen Jahres, Realität: Beim privaten Werken im elterlichen Betrieb, geriet die linke Hand der Schreinerin in die Kreissäge. Drei Finger wurden vollständig, einer teilweise, von der Hand abgetrennt. Nur eine schmale Hautbrücke hielt noch zusammen, was zusammen gehört. In einer äußerst komplizierten Operation gelang es PD Dr. Max Meyer Marcotty, Direktor der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie / Handchirurgie am Klinikum Lüdenscheid, Oberarzt Dr. Elmar Halbach und Facharzt Abduasalam Attabit, drei der vier Finger der jungen Frau zu retten.

Gefäße, Nerven, Sehnen und Knochen rekonstruiert

Sie rekonstruierten Gefäße, Nerven, Sehnen und Knochen der abgetrennten Gliedmaße und replantierten alle Finger bis auf den Zeigefinger. Mit einem Ergebnis, das sich sehen lässt.

Dr. Max Meyer-Marcotty zeigt an einem Modell, wo die Kreissäge die Hand der Patientin verletzte. Foto: Märkische Kliniken

Am Abend des 21. Novembers ging die Schreinerin nach Feierabend noch einmal in die Werkstatt, um Adventsdekorationen für den Privatgebrauch herzustellen. Als sie eine Holzscheibe zurechtsägte, geschah das Unglück. Die Holzscheibe verkantete sich und löste dabei einen Rückschlag aus: „Da waren die Finger schon ab“, erinnert sich Hensel-Feldmann, die daraufhin als Notfall ins Klinikum Lüdenscheid gebracht wurde.

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OP-Team in 30 Minuten zusammengestellt

Nach dem Notruf direkt informiert, schritt der diensthabende Oberarzt, Dr. Elmar Halbach schnell in Aktion und stellte innerhalb von 30 Minuten ein Replantations-Team zusammen. In einer fast achtstündigen OP arbeiteten drei Chirurgen, die Anästhesieund OP-Pfleger fieberhaft daran, die Hand zu retten. In der OP fiel auch die schwere Entscheidung: Drei Finger können gerettet werden, während der zu stark in Mitleidenschaft gezogene Zeigefinger amputiert werden musste.

Die Ärzte waren sich sicher: ein nicht funktionstüchtiger Zeigefinger ist hinderlicher als einer, der abgenommen wurde: In der Zeit der Genesung, während des Trainings mit der verblieben Hand und im späteren Alltag, hätte er die Patientin nur zusätzlich behindert. Erklärtes Ziel war es, Christiane Hensel-Feldmann einen normalen Alltag und einen Wiedereinstieg ins Berufsleben wieder zu ermöglichen.

Dreijährige Weiterbildung zum Handchirurg

Hierzu wurde in der OP zunächst das Knochengerüst der Finger rekonstruiert. Um die Blutzirkulation sicherzustellen wurden unter dem Mikroskop die Adern mit einander verbunden und schließlich sogar feinste Sehnen und Nerven repariert. Diese Schritte erfolgten Nacheinander und ineinandergreifend. Hier zeigt sich eine gute und fundierte Ausbildung: Nicht umsonst schließen Fachärzte für Plastische und Ästhetische Chirurgie nach der sechsjährigen Facharztausbildung noch eine dreijährige Weiterbildung an, bevor sie sich Handchirurg nennen dürfen.

Mit Nadel und Faden, die feiner sind als Haare, nähten die Chirurgen die Gefäße verletzten Hand wieder zusammen. Foto: Märkische Kliniken

Keine alltägliche Operation

„Die größte Herausforderung bei einer solchen, langwierigen Hand-OP ist das Nähen der Venen, die das Blut zum Herzen transportieren. Venen sind ganz kleine Gefäße, die sehr dünnwandig sind und leicht zusammenfallen“, erklärt Dr. Meyer-Marcotty, der diese außergewöhnlich schwere und aufwendige Operation als Klinikdirektor und Operateur begleitete. Dieser Arbeitsschritt, wie auch die übrigen, gelangen dem Team ohne größere Probleme und das, obwohl auch für die erfahrenen Ärzte „eine Amputationsverletzung mit diesen Ausmaßen keine alltägliche Situation ist“, wie Dr. Elmar Halbach berichtete.

Auch vorsichtige Bewegungen sind noch schmerzhaft

Inzwischen ist Christiane Hensel-Feldmann wieder Zuhause. Die verbleibenden Finger ihrer linken Hand kann die Schreinerin inzwischen wieder vorsichtig bewegen. Noch ist dies zwar schmerzhaft und die Hand noch deutlich geschwollen, aber, so die 37-Jährige: „Ich will keine Angst vor der Zukunft haben“. Die behandelnden Ärzte sind zuversichtlich, dass sie mit der Zeit, die Hand wieder weitestgehend benutzen können wird und sogar weiterhin ihren Beruf ausüben kann.

Facharzt Abduasalam Attabit fasst für das Team am Klinikum Lüdenscheid zusammen: „Man ist schon stolz auf ein solches Ergebnis. Dass eine solche Verletzung so einen guten Ausgang nimmt, ist keine Selbstverständlichkeit.“

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