Lüdenscheid. Der SPD-Stadtverband Lüdenscheid reagiert mit großer Sorge auf die Ankündigung der Kostal-Gruppe, durch das Ende der heimischen Fertigung in der Automobil-Elektrik und durch eine Verlagerung zentraler Dienstleistungen nach Ungarn viele Hundert Arbeitsplätze abzubauen.

„Wir sind überzeugt davon, dass der Wandel zu einer emissionsarmen Industrieproduktion nur gelingen wird, wenn sie auch vor Ort gute Arbeitsplätze schafft. Auslagerungen in Regionen mit niedrigeren Standards im Bereich der Nachhaltigkeit und insbesondere der Mitbestimmung von Beschäftigten sind ein gesellschaftspolitischer Rückschritt“, heißt es in einer Stellungnahme des SPD-Stadtverbands.

„Besondere Verantwortung“

„Die Automobilkonzerne stehen hier in einer besonderen Verantwortung. Sie führen eine deutsche Leitindustrie an und haben dafür Sorge zu tragen, dass die gesamte Wertschöpfung dort abgebildet bleibt, wo hohe Umweltstandards und Mitbestimmung gelten und erwiesenermaßen eine hohe Kompetenz bei Fachkräften vorhanden ist. Es macht den Anschein, als würden die Automobilkonzerne ihre Lasten aus dem Abgasskandal unter anderem dadurch finanzieren, dass sie ihre Zulieferbetriebe schon fast zwingen, in Niedriglohnländern zu produzieren. Dies ist ein fatales Signal.

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Schneller handeln

Für die Industrieregion Nummer eins ist die Ankündigung der Kostal-Gruppe ein harter Schlag. Die Fertigung bei Kostal Automobil-Elektrik steht sinnbildlich für die Entwicklung der stolzen Industriestadt Lüdenscheid. Auch wenn nicht damit zu rechnen ist, dass in großer Zahl weiterer Arbeitsplatzabbau stattfindet, stehen mehrere Hundert Menschen vor einer ungewissen Zukunft. Die Entwicklung der Autoindustrie – Stichwörter: Elektroantrieb, Digitalisierung und Globalisierung – wird sich in den kommenden Jahren in unserer Region bemerkbar machen. Hier müssen Politik und Unternehmen schneller handeln, damit der Wandel nicht mit De-Industrialisierung gleichgesetzt wird, sondern mit Innovation und der Erschließung neuer Tätigkeitsfelder. Dafür benötigt es mehr Unterstützung. Südwestfalen wird seit vielen Jahren im Vergleich zu anderen Regionen des Landes schlechter behandelt, obwohl hier mehr Arbeitsplätze eine Zukunft benötigen als zum Beispiel in den Braunkohle-Regionen. Schließlich ist mit einem weiteren Abbau von Arbeitsplätzen in den zahlreichen Betrieben der Region zu rechnen, die heute noch für die Kostal Automobil-Elektrik zuliefern.

Weiterer Bevölkerungsrückgang

Wir rufen die Kostal-Führung, den Betriebsrat, die IG Metall und alle Beteiligten auf, alles mögliche zu unternehmen, um eine Fertigung im Bereich der Automobil-Elektrik weiterhin in unserer Region möglich zu machen. Der Wandel von der Industrieregion im Grünen zur grünen Industrieregion darf nicht dadurch geschehen, dass man das Wort „Industrieregion“ demnächst nur noch kleinschreibt. Machen wir uns nichts vor: Schwinden in Vielzahl gut bezahlte Industriearbeitsplätze, wird der Trend des Bevölkerungsrückgangs nicht gebrochen werden können.

Wir benötigen einen Aufbruch für unser Zuhause, das durch die Brückensperrung genug gebeutelt ist. Deswegen benötigen wir ein Programm für Lüdenscheid und die Nachbarschaft, wir sind besonders vom Wandel in der Automobilindustrie betroffen. Dazu zählen die Unterstützung des Mittelstands bei der Erschließung neuer Technologien und Produkte wie auch der Aufbau neuer Aus- und Weiterbildungsstrukturen, sowie der Ausbau der Fachhochschule.“

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