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Daniel Böcking, stellvertretender Chefredakteur der BILD-Zeitung in Berlin auf der Kanzel der Christuskirche. Selbst für ihn eine durchaus ungewöhnliche Location. Fotos: Iris Kannenberg

Lüdenscheid. Die “Gemeindetage unter dem Wort” in der Christuskirche Lüdenscheid sind zu Ende. Von Mittwoch bis Samstag versammelten sich in der Kirche Christen aus allen Denominationen abendlich ab 19.30 Uhr zu “bissfesten” Themen und nicht minder bissfesten Referenten. Das Haus war voll. Ca. 300 Menschen strömten Abend für Abend aus allen Himmelsrichtungen in das Gotteshaus. Junge und alte, Gläubige und auch die, die einfach mal schauen wollten, was im Inneren der Kirche so vor sich ging.

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Bissfeste Themen

Voll war es in der Christuskirche. Und das an jedem Abend.

Das Thema war herausfordernd. “Bissfest – Themen zum Zähneausbeißen”. Glaube, Liebe, Wut, Ehe und Familie oder der Islam und Deutschland bewegen Menschen täglich und überall in Deutschland und stellen jeden einzelnen vor immer neue Herausforderungen.

Die Referenten, darunter solche “VIPS” wie z.B. Daniel Böcking (BILD-Redakteur), Michael Stahl, ehemaliger VIP-Bodyguard (u.a. Papstbesuch 2006, Nena und Muhammad Ali), Fachlehrer für Selbstverteidigung, Motivationstrainer und Autor diverser Bücher oder auch Leo Bigger, Pastor einer “Mega-Church” mit über 3000 Mitgliedern in der Schweiz sowie Dr. Christoph Morgner versuchten, auf diese Fragen Antworten zu geben. Keine abstrakten, abgehobenen Antworten, sondern solche, die sie selbst erproben, erfahren und umsetzen. Ihr eigenes Leben im Kontext mit Gott. Und wie sich das auf den Alltag auswirkt.



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Einstieg durch den Bürgermeister

Bürgermeister Dieter Dzewas erzählte über seinen Glauben. Und was er ihm im Alltag bedeutet.

Begleitet wurden die einzelnen Themenabenden immer von einem ganz persönlichen Interview mit Menschen aus Lüdenscheid.

Der Lüdenscheider Bürgermeister Dieter Dzewas machte den Anfang und stand Pastor Rainer Gremmel Rede und Antwort, als dieser ihn zur Bedeutung seines Glaubens für sich ganz persönlich befragte. Der ist nach diesem Interview ohne Zweifel das Fundament des Stadtoberhauptes und trägt ihn nicht nur in seinem Alltag sondern auch durch so manche Fraktionssitzung.

Der Sinn des Lebens

Daniel Böcking im Gespräch mit Ute Leitner, Presbyterin der Christuskirche Lüdenscheid. Fotos: Iris Kannenberg

Nach ihm bestieg Daniel Böcking die Kanzel. Der stellvertretende Bild-Chefredakteuer berichtete darüber, wie er zum Glauben kam. Authentisch und sehr sympathisch erzählte er von seinen Erfahrung als Journalist in Kriegsgebieten und die direkte Auseinandersetzung vor Ort mit Krieg, Hunger und Elend.

Und wie er bei dieser direkten Konfrontation mit dem Tod ins Nachdenken darüber kam, was genau den Sinn jeden Lebens eigentlich ausmacht. Er hat diesen Sinn schlussendlich in seinem Glauben gefunden und überzeugte die Anwesenden, dass selbst eine exponierte Stellung bei einer Boulvard-Zeitung eine gute Gelegenheit ist, sich als Christ eindeutig zu positionieren. Er gab Zeugnis, scheute sich nicht, auch unbequeme Themen anzusprechen und sich der Frage “Gott und BILD”, geht das?” überzeugend mit “Ja, das geht!” zu stellen.

Islam und Deutschland

Er hatte ein wirklich schweres Thema zu bewältigen. Islam und Deutschland. Das führte zu erhitzten Gemütern.

Ein ebenfalls unbequemes Thema sprach auch Dr. Christoph Morgner am darauffolgenden Donnerstag an. “Islam und Deutschland”. Seine gut recherchierten Ausführungen dazu polarisierten. Die einen fanden seinen Vortrag sehr interessant und bedankten sich für die vielen Informationen und Denkanstöße zum Thema bei ihm, andere lehnten seine Schlussfolgerungen eher ab und hielten sie für zu hart formuliert. Aber und das ist eben auch etwas, was diese “Glaubenswoche” so wichtig machte: Hier ging es um “Bissfestes”.

Polarisieren erwünscht

Und das soll, kann und darf polarisieren und muss nicht unbedingt jedermanns Meinung sein, sondern eher zu Diskussionen anregen. Wer miteinander diskutiert, zeigt zumindest Interesse und macht sich Gedanken. Und ändert vielleicht auch einmal eine festgefahrene Ansicht oder revidiert sein hartes Urteil über andere. Von daher war dieser Abend sicher der, der die meisten Gespräche unter den Besuchern nach sich zog.

Erst einmal nur Menschen

Daniel Scharf war in dieser Woche Moderator, Interviewer und Organisator zugleich. Ein nicht unanstrengender Job;)

Daniel Scharf, Jugendreferent der Oberrahmede interviewte zudem eine Muslima, die seit der Flüchtlingswelle regelmäßig in die evangelische Kirche kommt und trotzdem noch fest in ihrem eigenen Glauben steht.

Auch das interessant, einmal die Perspektive einer gläubigen Moslemin zu hören, die es 2015 mit der ersten Flüchtlingswelle aus Syrien nach Deutschland verschlug. Friedliches Miteinander ist nämlich sehr wohl möglich, wenn beide Seiten die Akzeptanz füreinander aufbringen und sich auf das besinnen, was sie sind. Erst einmal nur Menschen.

Ehe und Familie – was nun?

Isabelle und Timo im Interview mit Leo Bigger.

Am Freitagabend ging es weiter mit Leo Bigger, der extra aus Zürich angereist kam. Er ist nicht nur Pastor einer riesigen, lebendigen Kirche, sondern auch Ehemann und Vater. Wie er das hinbekommt, verriet er den Anwesenden in gepflegtem Swyzer-Hochdeutsch. Die Essenz seiner Aussage: Eine Ehe will gepflegt werden.

Dazu gehören gemeinsame Interessen, regelmäßiger Austausch und auch mal die “Auszeit für Eltern von den Kinder” ebenso, wie das Verständnis dafür, dass der Partner nun mal eine eigenständige Person ist, die auch als solche wahrgenommen werden will. “Ehe ist kein Versprechen, dass es immer zugeht wie in einem Hollywood-Film. Oft ganz im Gegenteil. Denn die Liebe zum Partner ist eine Entscheidung und die will immer und immer wieder neu getroffen werden,” so Leo Bigger. Das Interview führten Jugendreferentin Isabell Budrik und ihr Kollege Timo zuvor mit einem Ehepaar, dass seit 50 Jahren verheiratet ist. Diese beiden ließen die Zuhörer teilhaben an dem Erfolgsrezept ihrer Ehe. Auch sie sprachen von bewusster Entscheidung, sich allen Herausforderungen zu stellen und aneinander zu wachsen. Um dann eben gemeinsam und zufrieden miteinander alt zu werden.

Du bist wertvoll

Michael Stahl. Sein Thema: Du bist geliebt und Du bist wertvoll. Dagegen kann die stärkste Wut nichts ausrichten.

Der Samstagabend war der Abend der Liebe. Mit Michael Stahl stand ein ausgewachsener Bodyguard auf der Kanzel, der für die “Reichen und Schönen” der Erde gearbeitet hatte. Was ihn nicht im geringsten beeindruckte.

Was er schließlich zum Thema “Umgang mit Wut” zu sagen hatte, hätte an diesem Abend wohl einen Stein zum Leben erweckt. Denn er redete über echte, wahre Liebe. Über die Liebe Gottes zu seinen Menschen. Über Vater-Sohn/Mutter-Tochter-Beziehungen und warum es so wichtig ist, einander zu sagen, dass man sich liebt und wertschätzt.

Lebendiges Zeugnis

Er erzählte von seiner eigenen Familie und davon, wie Wertschätzung und echtes Angenommensein sogar härteste Bandenmitglieder total verändern kann. Ein lebendes Zeugnis hatte er gleich mitgebracht. Sebastian, ehemaliger Hells-Angel und jetzt gläubiger Christ, saß nur eine Reihe hinter ihm und strahlte dabei über das ganze Gesicht. Ein völlig verändertes Leben. Ein wertvoller und geliebter Mensch. Trotz seiner Vergangenheit.

Wut überwinden

Ranjana G. im Interview mit Monika Deitenbeck.

Ein Vortrag, den niemand vergessen wird, der dabei sein durfte.

Das Interview führte Monika Deitenbeck mit einer jungen Frau, die in einem gefährlichen Beruf arbeitet. Auch sie gab ein Zeugnis darüber, wie man selbst größte Wut überwindet, indem man sich selbst und andere als wertvoll und einzigartig erkennt.

Mitreißende Musik

Unterstützt wurde das ganze durch ein hochkarätiges musikalisches Rahmenprogramm. Christian Loer und seine Band führten mit sanften und trotzdem kraftvollen Songs durch den Mittwochabend. Ein gelungener Einstieg mit tollen Musikern in die nachfolgenden Tage. Der Geisweider Bläserchor begeistete am Donnerstag sein Publikum. Der Chor bot absolute Bläser-Power und erfüllte die Kirche bis in den letzten Winkel mit seiner mitreißenden Musik.

Richtig feiern

The Albert Singers – Gospelchor aus Oberbrügge – feierte mit seinem Publikum eine echte Gospel-Party.

Freitagabend wurde es dann “Gospel”. “The Albert Singers” unter der Leiung von Matthias Ortmann, überzeugten nicht nur mit 30-köpfigem Gospel-Charme, mehrstimmigem Gesang und einem ungewöhnlichen Repertoire, sondern auch mit einer ausgefallenen Choreografie.

Der Chor brachte noch mehr Lebendigkeit und dazu viel Freude in die Kirche. Und zudem das Gefühl, dass Gott es wirklich gerne hat, wenn in seinen Kirchen mal so richtig gefeiert und geklatscht wird.

Selbstkomponierte Songs

Die Projektband Oberrahmede mit Annika Kögler, Falko Pithan, Lena Peters und Kerstin Hagedorn.

Am Samstag unterstützte die Projektband Oberrahmede Michael Stahl mit ihre Musik in geradezu perfekter Weise. Die selbstkomponierten Songs von Annika Kögler (Piano und Gesang) gingen unter die Haut, ebenso wie die Stimme von Lena Peters (Gitarre und Gesang) und die gefühlvolle Begleitung der beiden Sängerinnen durch Falko Pithan (Gitarre) und Kerstin Hagedorn (Cajon).

Die Woche schloss mit einem sonntäglichen Gottesdienst, in dem Matthias Jungermann (Radischenfieber) mit Früchten Bibelgeschichten mal ganz anders erzählte. In die durfte dann später tatsächlich und ganz in echt gebissen werden.

Thematisch rund

Sabine Langenbach. Die bekannte und beliebte Radiomoderatorin und Musikerin führte durch den Donnerstagabend.

Diese vier Abende hatten das Potenzial, das Leben jedes einzelnen Besuchers nachhaltig zu verändern. Zum Besseren wohlgemerkt. Man ging gestärkt und anders nach Hause, als man gekommen war.

Die Organisatoren der “Gemeindetage unter dem Wort” dürfen zu recht stolz sein auf diese bewegende Woche. Jeder Abend war thematisch in sich rund, hatte tatsächlich den versprochenen Biss, war hochinteressant und gut durchorganisiert. Und punktete mit einem Team, das sicht- und fühlbar immer wieder sein Herzblut in diese jährliche Veranstaltung steckt, sich über die Maßen engagiert und die Gemeindetage dann so begleitet, dass man sich auch als Außenstehender rundherum abgeholt- und wohlfühlt.

Ein Leben mit Biss. Wie man das lebt? Von jedem Referenten gibt es Mitschnitte, die man im Gemeindebüro der Christuskirche erwerben kann. Es lohnt sich, da einfach mal reinzuhören …

 

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