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Skaten im Kulturhausgarten? Offenbar ein Thema, das nicht überall auf Zustimmung trifft. Foto Symbolbild / Shutterstock

Lüdenscheid. Mitte der Woche erteilte der Geschichts- und Heimatverein (GHV) den Plänen, einen Skatepark im Kulturhausgarten zu etablieren, eine klare Absage. Hierzu führte der GHV verschiedene Kritikpunkte an, die aus seiner Sicht gegen einen Skatepark auf dem Areal des Kulturhauses sprechen. Hierzu gehören Lärm, Müll, Graffiti oder auch fehlende sanitäre Anlagen.

Verein Willi&Söhne: “Gefährliches Halbwissen”

Nun bezieht der Verein Willi&Söhne Stellung zum Thema. Willi&Söhne, die sich seit geraumer Zeit maßgeblich für die Stärkung der Kultur- und Jugendszene Lüdenscheids einsetzen, nennt die Stellungnahme des GHV “Gefährliches Halbwissen”.

Hier die Stellungnahme von Willi&Söhne in voller Länge:



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“Der Geschichts- und Heimatverein spricht sich gegen die Errichtung einer „Skaterbahn“ im Kulturhausgarten aus — ohne, dass jemals eine Konzeptvorstellung erfolgt oder sich vermutlich seitens des GHV näher mit dem Thema beschäftigt worden ist (was mitunter auch die Wortwahl „Skaterbahn“ zeigt).

Der Brief des GHV beweist ein Unverständnis über Zweck, Herkunft und Nutzen einer Belebung des Kulturhausgartens durch u.a. einem kleinen Skatepark.

Ein unbelebter Asche-Sportplatz; menschenleere Wiesen, die als Hundetoilette dienen; triste Blechkunst; eine, seit Jahren, still gelegte Gastronomiebrache und ein schneller Weg zu ein paar Gramm Rauschmitteln sind der Status Quo im Kulturhausgarten. Das wollen viele Aktive, u.a. unser Verein, ändern. Schliesslich ist der Kulturhausgarten ein Raum für Kultur. Und Kultur funktioniert ohne Menschen nicht. Es soll daher ein Areal für alle Generationen entstehen, belebt sein, Treffpunkt werden, Schüler zum Lernen auf der Wiese animieren, Möbel für mehr Aufenthaltsqualität installiert werden, der Park für ausserschulische Lernorte genutzt werden — aber an einem Skatepark hält man sich auf, sieht nur das Böse, will ihn partout nicht und redet von „Verschandelung“.

Lärm sei u.a. ein Thema: Dabei ist die Geräuschkulisse für einen belebten Park absolut vertretbar — die Sportgeräte, die zum „Skaten“ dienen, wurden schon immer nicht motorisiert, sondern mit Gummirollen und -reifen versehen; die Anlagen häufig mit Flüsterasphalten gebaut; ohne Flutlichtanlagen ist eine Nutzung in späten Abendstunden erst garnicht möglich und auch eines nicht: üblich.

Das nebenliegende Restaurant soll wieder belebt werden und würde durch den „Lärm“ gestört. Irrtum: Eine Wiederbelebung des Restaurants ist für einen Betreiber nur interessant, wenn Rahmenbedingungen wie ein verkomplizierender Denkmalschutz, eine hohe Investition in Brandschutz und eine nahezu tote Frequenz des Parks die Attraktivität des Restaurants nicht massiv behindern würden. Vielleicht ist die Lösung ja kein Restaurant, schließlich haben sich erfahrene Gastronomen der Stadt in den Jahren zuvor an dem Objekt probiert und sind gescheitert. Möglicherweise ist ein Konzept notwendig, welches Jugend, Familie und Kultur vereint — vormittags für Mütter mit ihren Kindern, mittags als Schuler-Café, am Nachmittag als Jugendzentrum, am Abend als kleine Veranstaltungsfläche für Workshops, Kulturangebote und Kleinkunst?

Eine Anlage würde man bis in den Theatersaal hören? Wer aus dem GHV war denn schon mal auf einer vergleichbaren Anlage in Düsseldorf, Münster oder im Landschaftspark Hemer? Bis zu 71 Dezibel Lärm verursacht, lt. Lärmschutzgutachten (Nachweis liegt vor), ein Skatepark — vergleichbar mit dem Lärmausstoss eines laufenden Wasserhahns.

Angedacht war bislang auch die Installation eines sog. „Pumptracks“, welcher Generationen übergreifend auch von Senioren mit Fahrrädern, in der sonst so Fahrrad unfreundlichen Bergstadt, genutzt werden kann. In vielen anderen Städten funktioniert das mit Bravur.

Müll und Grafitti seien “in anderen Städten” ein Problem? Müll und Grafitti sind ein generelles Problem, aber kein Problem der Skater. Diese halten ihre Anlagen sauber, weil ein mit Müll verdreckter Platz sich eben nicht zum Skaten eignet — jede kleine Glasscherbe birgt ein Risiko, so kann man auf anderen Anlagen stets Skater mit Besen in

der Hand beobachten. Gutes Grafitti, Streetart oder Kunst der Hochkultur können die Achse zwischen Kulturhaus und Museen bespielen und dem Park den entsprechenden Rahmen für einen echten Kulturgarten geben. Selbst die aktuell platzierten Kunstwerke im Kulturhausgarten könnten in die gesamte Gestaltung integriert und eben nicht aufgegeben werden.

Ein Skatepark benötigt zudem keine Toilettenanlagen, die gesamte Innenstadt benötigt mehr öffentliche WCs — vollkommen richtig.

In der Stellungnahme des GHV fehlt es an Gesprächsbereitschaft und mangelnde Kenntnisse sorgen für unangebrachten Widerstand. Wir werden ein ganzheitliches und nachhaltiges Konzept vorstellen, an dem u.a. wir als Verein mit weiteren Aktiven dabei sind, dieses aktuell zu erarbeiten. Wir müssen scheinbar dringend für Aufklärung sorgen.

Ein Konzept, bei dem auch lokale Investoren bereit sind zu investieren, damit neben einem kleinen Skatepark ein Ort für alle entstehen kann. Der Kulturhausgarten ist und bleibt als Standort mehr als ideal — direkt an einer der vielbefahrensten Straßen der Stadt, nahe zum Zentrum, zwischen den Kultureinrichtungen, am Busbahnhof, platziert an den innerstädtischen Gymnasien. Übrigens: Straßenverkehrslärm erreicht bis zu 100 Dezibel und dringt ebenso nicht im Theatersaal ein.”

Matthias Czech und Linus Wortmann Vorstand
O. Willi&Söhne e.V.

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Ich bin 31 Jahre jung und gehöre zur viel besprochenen Generation Y. Seit 1999 nutze ich digitale Kommunikationswege und seit 2012 bin ich Online-Unternehmer und berate und betreue Unternehmen als Social Media Experte.

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