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Gedenkstunde für Opfer des Nationalsozialismus’

Am 27. Januar um 14 Uhr auf dem jüdischen Friedhof - anschließend Lesung von ASG-Schülern im Ratssaal

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Plettenberg. Am Samstag, 27. Januar 2018, erinnert die Stadt Plettenberg im Rahmen einer Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus.

Die Gedenkstunde beginnt um 14 Uhr auf dem jüdischen Friedhof an der Freiligrathstraße. Nach einer Ansprache des Bürgermeisters wird an der Gedenkstele der Opfer des Nationalsozialismus’ gedacht und ein Blumenbouquet niedergelegt.

Gegen 14.30 Uhr geht es vom Friedhof in den Saal des Rathauses. Dort werden Schülerinnen und Schüler, die einen Literaturkurs im Albert-Schweitzer-Gymnasium belegt haben, eine Lesung halten: „Die Liebe sucht eine Wohnung. Eine Komödie aus dem Warschauer Getto“.

Komödie in Erwartung des Todes

Dazu schreibt Stadtarchivarin Martina Wittkopp-Beine: “Die Liebe sucht eine Wohnung”. Es ist ein Komödientitel, allerdings einer Komödie, die in Erwartung des Todes entstand. Als Anfang 1942 das Theaterstück von Jerzy Jurandot im Warschauer Getto Premiere hatte, ahnten viele, wenn nicht alle Beteiligten, dass sie in Lebensgefahr schwebten, gleichgültig ob Autor, Schauspieler oder das Publikum. Am 20. Januar 1942 hatte am Berliner Wannsee die „Besprechung über die Endlösung der Judenfrage“ stattgefunden, die unmittelbar in den Holocaust und den jetzt systematisch durchgeführten Mord an den europäischen Juden führte.

Das Warschauer Getto war ein Jahr nach der Besetzung Polens durch die Deutschen eingerichtet worden. Auf einem Raum von 3,1 Quadratkilometern lebten ca. 380.000 Menschen in elenden Verhältnissen. Hunger und Krankheiten waren an der Tagesordnung, die Menschen starben auf offener Straße an Entkräftung. Dass es angesichts dieser Verhältnisse ein Kulturleben mit Theatern für insgesamt 3.500 Besucher gab, erscheint auf den ersten Blick überraschend, erklärt sich aber als Versuch, so etwas wie Alltag herzustellen, und dazu gehört eben auch Unterhaltung als Versuch der Selbstbehauptung – selbst angesichts des Todes.

Seit Mitte 1943 wurde das Getto geräumt, in den ersten drei Augustwochen deportierten die deutschen Behörden mindestens 106.000 Menschen ins Vernichtungslager Treblinka, im September 254.000 Menschen oder mehr. Dort erwartete sie, unmittelbar oder mittelbar, der Tod. Der Autor Jerzy Jurandot überlebte, die meisten Beteiligten starben.
Der Literaturkurs der Stufe Q1 stellt einige Szenen aus Jurandots Theaterstück in Form einer Lesung vor und konfrontiert die dort angedeuteten Zusammenhänge mit den erschreckenden Tatsachen des Lebens im Getto.”

Die Gedenkstunde wird gegen 16 Uhr enden. Alle Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen.

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