Martin Sander, Matthias Wagner und Bernd Benscheidt bei der Siegesfeier in Rostov. Foto: Oleg Dmitiev

Lüdenscheid. Eine wichtige Basis für die Entwicklung der Partnerschaft zwischen Taganrog und Lüdenscheid ist seit 2001 der jährliche Austausch zwischen der A. Chechov Hochschule und der Adolf-Reichwein-Gesamtschule. So entwickelten beim Besuch der Delegation aus Taganrog im September der Rektor der A. Chechov Hochschule Andrej Golobarodko und Matthias Wagner von der Friedensgruppe Lüdenscheid neue Perspektiven der Zusammenarbeit. Anfang Mai reisten dann Mitglieder der Friedensgruppe nach Taganrog.

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Konstruktiver Austausch

Dort erlebten Bernd Benscheidt, Martin Sander und Matthias Wagner eine arbeitsreiche und produktive Woche. Der Aufenthalt war geprägt von Offenheit, Freundlichkeit und großer Herzlichkeit. Dies erlebten die Friedensaktivisten nicht nur von Seiten der Gastgeber, sondern jederzeit auch in der alltäglichen Begegnung mit den Menschen in der russischen Partnerstadt.

Auch und gerade in der kritischen Auseinandersetzung um politische Fragen herrschte stets Offenheit und konstruktiver Austausch. So musste keiner mit seinen friedenspolitischen Positionen hinter dem Berg halten. Schließlich war auch der zweite Arbeitsschwerpunkt der Friedensgruppe der Anlass für den Austausch und die Einladung nach Taganrog gewesen: die Erforschung der Geschichte für ein besseres Verständnis und die Entwicklung einer positiven gemeinsamen Zukunft.

Vertreter der A. Chechov Hochschule Taganrog und der Friedensgruppe Lüdenscheid unterzeichneten eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit an einem wissenschaftlich-historischem Porjekt. Foto: Oleg Dmitiev

Vorträge und Gespräche das Herzstück

So waren dann auch die Vorträge und Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern der Fakultät für Geschichte und Philologie sowie der Fakultät für Fremdsprachen und Besuche im Archiv der Stadt Taganrog und der Region Rostov das Herzstück der intensiven Woche. Sie mündete in einer gemeinsamen schriftlichen Vereinbarung zwischen der A. Chechov Hochschule Taganrog und der Friedensgruppe Lüdenscheid.

Wissenschaftlich-historisches Projekt

Die Vereinbarung wurde im Rahmen einer abschließenden Pressekonferenz mit allen leitenden Mitgliedern der Hochschule von beiden Seiten unterschrieben. Gemeinsames Ziel des wissenschaftlich-historischen Projekts soll sein, aus der Geschichte für die Zukunft zu lernen, für Völkerverständigung und Frieden in Europa und in der Welt. Die Schicksale von ca. 27.000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern sowie der Angehörigen der Roten Armee aus der Region Taganrog soll dokumentiert werden.

Konzert- und Museumsbesuche

Der Schwerpunkt liegt zunächst auf dem Bezug zur Partnerstadt Lüdenscheid. Darüber hinaus wurde langfristig auch die Unterstützung und Zusammenarbeit im überregionalen Bezug vereinbart. Abgerundet wurde der Aufenthalt durch ein vielfältiges kulturelles Programm mit Konzert- und Museumsbesuchen.

Die Gedenktafel in der Petruschino-Schlucht. Foto: Martin Sander

Besuch der Petruschino-Schlucht

Prägend waren dabei zwei Erlebnisse. Der Leiter des Hochschulmuseums führte die Gäste durch die Gedenkstätte in der Petruschino-Schlucht, wo während der Besatzung ca. 6.500 russischen Juden und ca. 3.000 so genannte Partisanen aus Taganrog von Deutschen und ihren Helfern exekutiert wurden. Den tiefsten Eindruck jedoch hinterließ die Teilnahme an der Parade zum Sieg über den Faschismus am 9. Mai in Rostow.

Sieg über die NS-Diktatur gefeiert

Hier wurde besonders deutlich, dass viele Medien im Westen einseitig die säbelrasselnden Militärparaden zeigen. Die deutschen Gäste erlebten aber einen Gedenkzug, bei dem Menschen aller Altersgruppen in Rostow mehr als 10.000 Portraits ihrer Familienangehörigen trugen, die im zweiten Weltkrieg gekämpft hatten. Dem schlossen sich fröhliche Volksfeste und Feuerwerke an. Die Einladung zur Feier anlässlich des Sieges über die NS-Diktatur wurde als Zeichen des Friedens verstanden.

Weg der Verständigung einschlagen

Angesichts von 27 Mio. russischen Kriegstoten zeigte die Einladung den Willen zur Völkerverständigung. Bei aller berechtigter Kritik des Westens an der russischen Politik sollten Wahrheit und Unterschiedlichkeit nicht ignoriert werden.  Die Friedensaktivisten halten es für wichtig, dass politisch Verantwortliche ebenfalls diesen Weg der Verständigung einschlagen und sich um mehr Friedensexport als Rüstungsexport bemühen

Text: Friedensgruppe Lüdenscheid

Hier einige Impressionen des Besuchs mit Fotos von Oleg Dmitiev und Martin Sander:

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