Foto vom Besuch des Friedhofes am Grabstein eines sowjetischen Soldaten vom Baukloh. V.r. Remco Reiding, Matthias Wagner, Bernd Benscheidt.

Lüdenscheid. In den Niederlanden gibt es eine Initiative, die nach den Gräbern und den Schicksalen der sowjetischen Kriegstoten sucht: Sovjet Ereveld. Durch die Anfrage dieser Initiative wurde die Friedensgruppe Lüdenscheid vor zwölf Jahren auf das Schicksal der 234 Bauklohtoten aufmerksam. Sie wären sonst völlig in Vergessenheit geraten. Jetzt hat die Friedensgruppe Amersfoort, den Nationalfriedhof der Niederlande besucht und dort die Patenschaft für das Grab von einem der ca.130 sowjetischen Kriegstoten des Bauklohs  übernommen. „Als Zeichen der Erinnerung und Mahnung für den Frieden“, wie es in einer Mitteilung der heimischen Friedensgruppe heißt. Beide Gruppen werden weiterforschen und sich wechselseitig informieren.

Das Denkmal neben der Freien Christlichen Realschule erinnert seit dem Mai 2022 – 77 Jahre nach Kriegsende – an die Kriegsopfer und ihr Verschweigen nach dem Krieg.In der Zeit des Zweiten Weltkriegs kamen ca. 5,6 Mio. sowjetischen Soldaten in deutsche Kriegsgefangenschaft. Ca. 3,3 Mio. von ihnen mussten an Hunger und Misshandlungen sterben – auch in den Niederlanden.

Als die alliierten Truppen Deutschland befreiten, kamen sie auch in das Straflager der 6. Armee in Hemer. Von dort waren im Krieg ca. 100.000 sowjetische Kriegsgefangene zur Arbeit in das Ruhrgebiet geschickt worden. Mindestens 23.900 starben. Die 7.000 schwerkranken sowjetischen Kriegsgefangenen von Hemer wurden nach Kriegsende auf die umliegenden Lazarette verteilt – so auch in das Lazarett Baukloh in Lüdenscheid.

Anzeige

Hier starben mindestens 234. Bis zum Juni 1945 hatte das US-Militär den Oberbefehl das die gestorbenen sowjetischen Soldaten und andere Kriegsopfer in den Niederlande auf den Nationalfriedhof gebracht wurden, weil kein alliierter Soldat in der Erde des feindlichen Deutschland begraben werden sollte. Dann wurden die sterbenden sowjetischen Soldaten zunächst neben dem Lazarett Baukloh in ein Massengrab gelegt.

1947 forderte die Militärregierung die Friedhofsverwaltungen des evangelischen und katholischen Friedhofs auf, für die verstorbenen Einzelgräber nach dem Kriegsgräbergesetz anzulegen. Das wurde in Lüdenscheid verweigert. So wurden 41 verstorbene sowjetische Soldaten des Bauklohs in ein Sammelgrab des katholischen Friedhofs gebracht und ca. 80 zu einem Sammelgrab auf dem evangelischen Friedhof. Die Stelle ist unbekannt.