Symbolfoto: Bernhard Schlütter

Plettenberg. Der Vorstand des Gemeinnützigen Fördervereines für Denkmalpflege Plettenberg möchte den Hochbehälter der in Auflösung befindlichen Wassergenossenschaft Böddinghausen erhalten. Er solle unter Denkmalschutz gestellt werden. Hinweis der Redaktion: Leserbriefe geben die Meinung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu kürzen vor.

Wie schwierig die Abwägung zwischen Pflege der Erinnerungskultur und wirtschaftlichen Interessen sein kann, zeigt die seit fast zwei Jahren geführte Diskussion über die Erhaltung des Wasserhochbehälters am Rappholz in Böddinghausen.

Zum Hintergrund: Im Jahr 1901 gründeten Böddinghauser Bürger nach genossenschaftlichen Grundprinzipien die Wassergenossenschaft Böddinghausen. 1933 errichteten sie einen Hochbehälter am Rappholz auf Grundstücken der Mitglieder und zu einem kleinen Teil der damaligen Landgemeinde des Amtes Plettenberg und sicherten damit die Wasserversorgung.

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Die sich entwickelnde enge Verbindung zur Böddinghauser Bevölkerung wurde auch dadurch deutlich, dass Familiengenerationen Anteile an der Genossenschaft besaßen. Hinzu kam, dass an der baulich ansprechend gestalteten Frontseite des Hochbehälters Erinnerungstafeln an die im ersten und zweiten Weltkrieg gefallenen Böddinghauser angebracht wurden.

2019 sah sich die Wassergenossenschaft gezwungen, ihre Aktivitäten auf die Stadtwerke Plettenberg zu übertragen. Rohrnetz und Tiefbrunnen im Böddinghauser Feld gingen in das Eigentum der Plettenberger Stadtwerke über. Den Kauf des Hochbehälters lehnten die Stadtwerke jedoch ab.

Die Kosten für einen eventuellen Abriss des Hochbehälters, um das Grundstück im  ursprünglichem Zustand an die Eigentümer zurückgeben zu können, wurden laut Wassergenossenschaft auf 30.000 € geschätzt.

Angesichts des wachsenden Risikos eines Abrisses des Hochbehälters wurde auch der Förderverein für Denkmalpflege Plettenberg aktiv. Im Dezember 2019 beantragte er bei der Stadt Plettenberg die Unterschutzstellung des Hochbehälters. Im Januar 2020 erbat man sich Hilfe bezüglich der Unterschutzstellung bei der NRW-Ministerin Scharrenbach. Kopien erhielten das Denkmalpflegeamt LWL in Münster, die Untere Denkmalbehörde in Plettenberg und die Dt. Stiftung Denkmalschutz.

Im September 2020 erhielt der Denkmalverein die Information, dass ein Vertreter des LWL in Münster den Hochbehälter als denkmalwürdig erklärt habe und diese Stellungnahme verhindere den befürchteten Abriss des Gebäudes. Ein Eintrag in die Denkmalliste der Stadt Plettenberg erfolge nach einem Beschluss des Planungs- und Umweltausschusses. Dieser Beschluss ist bisher noch nicht erfolgt.

Aktueller Handlungsbedarf erwächst  aus der Regelung, dass die Wassergenossenschaft Böddinghausen GmbH (in Liquidation) – nach Ablauf einzuhaltender gesetzlicher Fristen Anfang September 2021 – eine abschließende Schlussverteilung des liquidierten Geschäftsvermögens an ihre Gesellschafter*Innen vornehmen kann. Sicherzustellen ist, dass die eingesparten Abrisskosten von 30.000 € für die zukünftige Erhaltung des Hochbehälters verfügbar bleiben.

Vor diesem Hintergrund schlägt der Denkmalpflegeverein vor, möglichst unverzüglich Gespräche zwischen den Beteiligten – Grundstückstückeigentümer / Wassergenossenschaft / Stadtverwaltung / Denkmalpflegeverein – aufzunehmen, um den Hochbehälter als Denkmal zu erhalten.

Ermutigend sind bisherige Aussagen beteiligter Parteien, an einer Lösung mitwirken zu wollen.

Denkbar wäre eine Grundstücksteilung durch Herausparcellierung der am Rand liegenden Grundstücksfläche von etwa 120 qm (Gesamtfläche 872 qm) für den Hochbehälter, die einem neuen Eigentümer zu übertragen wäre und eine Bebauung des jetzigen Eigentümers ermöglicht.

Zur Frage der zukünftigen Wartung und Pflege des Denkmals hat der Denkmalpflegeverein bereits die Bereitschaft zur Übernahme der gärtnerischen Pflege erklärt.

Wir würden es begrüßen, wenn sich Ratsmitglieder und Bürger*Innen diesen aussergewöhnlichen, von mehr als 100-jährigen Eichen umgebenden Hochbehälter ansehen würden, der auch stellvertretend für die Leistungen aller Gründer der Wassergenossenschaften im ehemaligen Amt Plettenberg steht.

Der Vorstand des Gemeinnützigen Fördervereines für Denkmalpflege Plettenberg e.V.:

Karin Gutschlag / 1. Vorsitzende

Helmut Teichert / 2. Vorsitzender

Christa Hoyer / Schriftführerin

Gundel Kurth / Schatzmeisterin

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