Schalksmühle. Die Nachrichten über angebliche Flüchtlinge, die Frauen bedrängen oder überfallen, füllen bundesweit die Tages- und Onlinezeitungen. Doch nicht alle angeblichen Vorfälle stimmen. Heute machte in einer Schalksmühler Facebook-Gruppe ein ähnlicher, angeblicher, Vorfall die Runde.

Was soll passiert sein?

Angeblich soll eine Gruppe Flüchtlinge am gestrigen Dienstag, den 26. Januar vor dem REWE-Markt in Schalksmühle den Eintritt für Frauen blockiert haben. Sie hinderten Frauen angeblich am Zutritt des Marktes und sollen diese dann auch unsittlich berührt haben. Einige Frauen sollen solche Angst gehabt haben, dass sie sich in ihr Auto eingeschlossen haben. Zudem soll auch der Hausmeister des Gebäudes, zusammen mit seinem Hund in das Geschehen eingegriffen haben. Anschließend soll es eine Auseinandersetzung zwischen den vermeintlichen Flüchtlingen und der herbeigerufenen Polizei gegeben haben. Soweit die Gerüchteküche.

Nachfrage bei Supermarktzentrale und Polizei

Eine offizielle Pressemeldung zu dem angeblichen Vorfall lag am heutigen Mittwoch, um 14:00 Uhr noch nicht vor. Auch andere Medien haben diesen angeblichen Vorfall nicht aufgegriffen und auch im Internet gab es, bis auf den besagten Beitrag, keine Hinweise auf einen solchen Vorfall.

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Wir wendeten uns also an die offiziellen Stellen. In diesem Fall die zentrale Pressestelle des Supermarktes, die Pressestelle der Polizei des Märkischen Kreises und den besagten Hausmeister.

Kontakt zu REWE-Markt in Schalksmühle

Die Mitarbeiter des REWE-Marktes verwiesen unsere Redaktion an die Pressestelle der Zentrale in Hagen. Diese war leider nicht mehr besetzt und konnte uns daher keine Auskunft zu der vermeintlichen Tat geben. Konzentrieren wir uns also erst einmal auf die verfügbaren Quellen.

Der Hausmeister muss es doch wissen?

Auch den Hausmeister des Gebäudes hat unsere Redaktion kontaktiert. Immerhin soll dieser mit seinem Hund bei dem Vorfall eingeschritten sein. „Ich war da gestern überhaupt nicht dabei. Weder bei dem beschriebenen Vorfall noch sonst irgendwo. Und meinen Hund habe ich schon seit zwei Jahren nicht mehr“, erzählt uns Hausmeister Matthias Wahl auf nachfrage. Er habe aber ebenfalls von den besagten Gerüchten gehört. Bestätigen kann und will er sie aber nicht.

Aber: Es gab wirklich einen Polizei-Einsatz

Dass, die Polizei gestern um 10:40 Uhr vor Schalksmühle vor Ort war, bestätigt uns Pressesprecher Dietmar Boronowski auf Anfrage unserer Redaktion. „Nach dem Überfall am Montag wurde dort gestern ein Mann gesehen, der dem Täter vom Montag ähnlich gesehen hatte. Daraufhin ist die Polizei mit Blaulicht und Martinshorn angerückt und hat die betroffene Person vorübergehend festgenommen. Nachdem wir feststellen konnten, dass es sich dabei nicht um den Täter handelt, wurde der Mann anschließend wieder vor Ort freigelassen. Einen Zwischenfall mit Flüchtlingen oder Zuwanderern vor Ort gab es nicht.“

Die Jagd nach dem Einhorn

Festzustellen bleibt, dass die beschriebene Tat, so wie sie bisher dargestellt wurde, offenbar nicht stattfand. Zumindest liegen der Polizei keine Hinweise darauf vor und auch der angeblich beteiligte Hausmeister kann die Vorfälle nicht bestätigen.

Dieses Gerücht zeigt aber wiedereinmal, wie sensibel dieses Thema ist und wie schnell aus Gerüchten Vorurteile gebildet werden können. Am Ende helfen solche Gerüchte aber niemanden. Weder den opfern von realen Straftaten noch der Polizei, den Medien oder sonst wem.

Sven Parnemann, Jahrgang 86 ist Herausgeber vom TACH! und Inhaber der Social Media Werbeagentur NORDWAND.digital in Lüdenscheid.

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