Fahne ja, aber mit Sicherheit, rät der TÜV NORD. Foto: TÜV NORD

Lüdenscheid/Märkischer Kreis. Bald ist es soweit: Die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 steht vor der Tür und die Fans freuen sich darauf, beim Public Viewing und in den Biergärten bei spannenden Spielen mitzufiebern. Nationalflaggen und Autoschmuck aller Art zeigen, für welche Elf das Fußballherz schlägt, und bei Autokorsos werden die Siege der Mannschaften gefeiert. Damit man trotz ausgelassener Fußball-Partys im Straßenverkehr sicher unterwegs ist, erklärt Olav Roeske, Teamleiter bei TÜV NORD und zuständig für den Standort Lüdenscheid, worauf man während der Turnierzeit achten sollte.

Blinker nicht verdecken

Flagge zeigen? Aber mit Sicherheit! Viele Fans drücken ihre Begeisterung aus, indem sie ihre Fahrzeuge mit Fußball-
Fanartikeln und Nationalflaggen schmücken. „Solange die Sicht des Fahrers nicht eingeschränkt wird und andere  Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet werden, ist das auch kein Problem“, sagt Olav Roeske, Teamleiter bei TÜV NORD und zuständig für den Standort Lüdenscheid. „Bei Stoff-Überziehern für die Seitenspiegel im Nationalflaggendesign ist zu beachten, dass diese eventuell vorhandene Blinkleuchten nicht verdecken.“ Dies ist gerade bei vielen aktuellen Fahrzeugmodellen ein Problem. Bei Autofähnchen sollten Fahrer beachten, dass
diese häufig keine hochwertige Qualität haben und schnell abknicken können.

Kein Fan-Schmuck auf der Autobahn

„Der Autofahrer haftet, wenn durch das Abbrechen oder eine falsche Befestigung andere Verkehrsteilnehmer zu Schaden kommen“, sagt Roeske und empfiehlt, Fan-Schmuck vor einer Fahrt auf der Autobahn abzunehmen. Und noch ein Tipp: In die Seitenscheibe geklemmte Fahnen sind eine willkommene
Einladung für Langfinger. Die Autoversicherer können in einem solchen Fall die Regulierung des Schadens verweigern.

Autofahrer sollten verstärkt auch den Kicker-Nachwuchs auf den Straßen achten. Foto: Shutterstock_Iakov_Filimonov

Achtung: Nachwuchs-Stars auf den Straßen: Ob Groß oder Klein, Jung oder Alt: das WM-Fieber ist ansteckend. Vor allem Kinder eifern jetzt ihren Vorbildern nach und üben Torschüsse und
Bananenflanken auf Schulhöfen, in Parks und auch auf der Straße. Für Autofahrer bedeutet das erhöhte Vorsicht. Gerade in der WM-Zeit muss man von morgens bis abends damit rechnen, dass Kinder plötzlich die Fahrbahn betreten. „Die kleinen Kicker lassen im Spieleifer gerne mal die nötige Vorsicht vermissen und werden häufig von Autofahrern zu spät wahrgenommen. Allen
Verkehrsteilnehmern rate ich daher in der Nähe von Parks, Spielplätzen, Schulen und Wohngebieten zu erhöhter Aufmerksamkeit“, sagt Olav Roeske.

Kindern fehle zudem aufgrund ihrer Körpergröße und fehlenden Erfahrung meist der Überblick im Straßenverkehr. „Auch das räumliche Hören ist bei den Kleinen bis ins Grundschulalter noch nicht vollständig ausgereift“, weiß der TÜV-Experte. Nicht nur beim Spielen und Toben können so schnell gefährliche Situationen entstehen. Alle Verkehrsteilnehmer sollten daher jetzt besonders
vorrausschauend fahren.

Was darf die Polizei kontrollieren?

Ohne Rote Karte durch die Verkehrskontrolle: Auch und gerade während der Fußball-WM werden mancherorts
Verkehrskontrollen durchgeführt. Doch was passiert bei einer Verkehrskontrolle und welche Rechte und Pflichten haben Autofahrer dabei? „In der Verkehrskontrolle darf die Polizei die HU-Plakette, die Überladung des Fahrzeugs, die Tiefe des Reifenprofils, die Licht- und Bremsanlage, die Erlaubnis
für angebaute Autoteile und die Fahrtauglichkeit des Fahrers überprüfen“, erklärt Olav Roeske. „Generell ist der Autofahrer dazu verpflichtet, den Zeichen und Haltegeboten des Polizisten nachzukommen“, sagt Roeske.

Ansonsten muss er mit einem Bußgeld von 70 Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen. Ignoriert ein Fahranfänger die Haltezeichen, wird seine Probezeit um zwei Jahre verlängert und er muss ein Aufbauseminar absolvieren. „Auch das Vergessen von Führerschein, Fahrzeugschein, Verbandskasten oder Warndreieck kann zu einem Bußgeld führen“, so der TÜV-Experte. Nicht verpflichtend sind Anordnungen wie das Vorzeigen des Personalausweises oder eine Handydurchsuchung.

Radfahren ohne Promille

Abpfiff für Alkohol am Steuer: Public Viewing im Biergarten und ein kühles Blondes dazu: So sieht für viele Fans der perfekte Fußballnachmittag aus. Aber Vorsicht bei der Wahl des
Verkehrsmittels für den Heimweg: Denn die Auswirkungen, die bereits geringe Mengen Alkohol auf Autofahrer haben können, werden häufig unterschätzt. „Verlangsamte Reaktionszeiten, Konzentrations- und Sichtprobleme sind nur einige Beispiele für Gefahren, die nach Alkoholgenuss zu schweren Unfällen
führen können“, so Olav Roesk. Die Promillegrenze für Fahrer, die nicht mehr in der Probezeit sind, liegt bekanntlich bei einem Wert von 0,5. Abhängig von körperlicher Verfassung, Gesundheit oder auch der „Tagesform“ kann da ein Bier oder Schnaps schon zu viel sein. „Bereits bei 0,3 Promille kann es zu Bußgeld, Punkten und Führerscheinentzug kommen, wenn die Verkehrssicherheit durch die Fahrweise auffällig beeinträchtigt wird oder es gar zum Unfall kommt“, erklärt Roeske. „Das gilt übrigens auch für Radfahrer.“

Vorsicht beim Dashcam-Einsatz

Videobeweis – auf dem Rasen und jetzt auch auf der Straße zulässig: Beim Thema Videobeweis im Fußball scheiden sich die Geister. Das Äquivalent im Straßenverkehr heißt „Dashcam“. Besonders in Russland, dem Gastgeber der diesjährigen WM, sind die kleinen Kameras für das Armaturenbrett oder die Windschutzscheibe weit verbreitet. Auch in Deutschland erfreuen sie sich immer größerer Beliebtheit. Ihre Verwendung ist dabei ausschließlich für private Zwecke gestattet. Nicht erlaubt ist es, Personen und Autokennzeichen zu filmen
und etwa im Internet ohne Zustimmung der Gefilmten zu veröffentlichen.

Bei aller Freude: Die Lautstärke sollte im Rahmen bleiben. Foto: istock_UserGI15633745.

„Damit verstößt man gegen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung“, erklärt Olav Roeske. Seit neuestem ist die Verwendbarkeit von Dashcam-Aufzeichnungen als Beweismittel bei einem Unfall gestattet. Das geht aus dem Urteil des
Bundesgerichtshofs vom 15. Mai hervor. „Allerdings ist es  aufgrund des Datenschutzgesetzes weiterhin unzulässig, mit der Dashcam ohne bestimmten Anlass permanent Aufnahmen zu machen.

Zu laute Musik lenkt ab

Ob Nationalhymne oder Sommerhit: auf sichere Lautstärke achten: Wie bei jeder guten Feier darf auch beim Autokorso nach dem Spiel die Musik nicht fehlen. Doch wie zu jeder anderen Zeit auch, sollte man es im Straßenverkehr mit der Lautstärke nicht übertreiben. „Es geht in erster Linie darum, dass Gefahren durch Ablenkung und eingeschränktes Hörvermögen vermieden werden“, erklärt Olav Roeske. Eine konkrete Dezibelgrenze für die
Musiklautstärke im Auto ist in der Straßenverkehrsordnung (StVO) zwar nicht festgelegt. Trotzdem droht eine Geldstrafe von 10 Euro, wenn nach Ermessen der Polizei die Musik zu laut aufgedreht ist, um genug vom Geschehen in der Umgebung mitzubekommen. Wer aufgrund von lauter Musik das Martinshorn
von Polizei, Feuerwehr oder Rettungskräften überhört, muss sich sogar auf höhere Bußgelder einstellen. „Wenn es durch die laute Musik zu einem Unfall kommt, bekommt derjenige zumindest eine Teilschuld zugesprochen – unabhängig davon, wer den Unfall verursacht hat“, so Roeske.

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