Bild: Vereinigte Sparkasse im Märkischen Kreis

Märkischer Kreis. Als gutes Signal bewertet der Vorstandsvorsitzende der Vereinigten Sparkasse im Märkischen Kreis, Kai Hagen, die Entscheidung der Europäischen Zentralbank zur Leitzinserhöhung um 0,50 Prozentpunkte. Es sei sehr zu begrüßen, dass sich die EZB für diesen großen Zinsschritt entschieden habe und sich von den Minuszinsen verabschiede – damit sei aber lediglich ein Anfang im Kampf um die Geldwertstabilität gemacht. „Die EZB hat bereits viel zu lange gewartet. Die Zinserhöhung ist zwar das richtige Signal, aber es ist viel Zeit verschenkt worden“. Es müssten zügig weitere Schritte folgen, um die Inflation wirksam bekämpfen zu können.  

Die Anpassungen treten zum 27.07.2022 in Kraft. Selbstverständlich entfällt zu diesem Zeitpunkt automatisch die Berechnung der Verwahrentgelte gegenüber den Kunden. “Aufgrund der internen hohen Freibeträge waren unsere Kunden bisher aber nur vereinzelt betroffen“, ergänzte Hagen. 

Es ist die erste Zinserhöhung seit elf Jahren. U. a. auch die Zögerlichkeit der Zentralbank hat dazu geführt, dass die Teuerungsrate auch im Juni auf Rekordniveau lag. Für die Sparer in Deutschland hat das erhebliche Folgen. Sie geraten zwischen hohen Inflationsraten und niedrigen Zinsen in eine geldpolitische Zange. Bei einer Inflationsrate von zuletzt rund 7,5 % bleibt der Realzins weiterhin deutlich negativ. Jeder gesparte 100-Euro-Schein verliert derzeit 7,50 Euro Kaufkraft pro Jahr.

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Es wird sich zeigen, ob die Erhöhung des Leitzinses tatsächlich ausreicht, um die Preissteigerungen zu bremsen oder gar unter Kontrolle zu bringen. Vor allem die Lage auf den Energiemärkten ist zurzeit schwer einzuschätzen. Hier wird es aufgrund des Basiseffekts in den nächsten Monaten zwar automatisch zu einem Rückgang der Teuerungsrate kommen. Gleichwohl liegt es an der EZB, diese Inflationskrise mit weiteren Maßnahmen deutlich zu bremsen.

Die Zinssätze der EZB sind das wichtigste Instrument der Zentralbank, um die Geldmenge im Eurosystem zu steuern. Dies geschieht, indem die Zentralbanker über die verschiedenen Leitzinsen die Kosten festlegen, die für Geschäftsbanken im Euroraum anfallen, wenn diese sich Geld bei der EZB leihen oder es dort hinterlegen wollen. Bei niedrigen Leitzinsen können Banken billig Geld leihen – auch die Kredite für private Verbraucherinnen und Verbraucher und Unternehmen werden dann günstiger, die im Umlauf befindliche Geldmenge erhöht sich. Umgekehrt sorgen höhere Leitzinsen für höhere Kreditkosten und somit mittelbar für eine Abnahme der Geldmenge.

Beim Hauptrefinanzierungssatz der EZB handelt es sich um den wichtigsten Leitzins. Dieser legt fest, zu welchem Zinssatz sich Banken Geld von der Zentralbank leihen können. Die Mindestlaufzeit beträgt hier eine Woche. Dabei gilt: Steigt der Zins, so steigen auch die Kosten für die Banken und somit für die Verbraucher in Form höherer Zinsen auf Privatkredite. Umgekehrt sorgt ein niedriger Hauptrefinanzierungssatz für billiges Geld und somit für günstige Kredite. Der Hauptrefinanzierungssatz liegt seit März 2016 unverändert bei null Prozent.

Für Kreditnehmer wird eine straffere Geldpolitik absehbar teurer. Steigende Zinsen erhöhen die Kosten für Kredite und bremsen so die Nachfrage. Das hilft dabei, die Inflation im Griff zu behalten. Die Bauzinsen, die sich an der Verzinsung von Bundesanleihen orientieren, sind bereits deutlich gestiegen.

„Die EZB befindet sich natürlich in einem Konflikt. Es besteht die latente Gefahr, dass die südeuropäischen Länder noch mehr in finanzielle Nöte geraten, als sie es schon längst sind, wenn die Zentralbank die Zinssätze so stark erhöhen würde, wie sie eigentlich sollte“, betonte Hagen abschließend. 

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