Dr. Christof Grote, Superintendent des Ev. Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg, weiß um die Schwere der Entscheidung der Landeskirche. Nach einer intensiven Abwägung aller Argumente steht am Ende der Schutz der Mitmenschen im Vordergrund. Foto: EKKLP / Büdenbender

Lüdenscheid/Märkischer Kreis. Aufgrund der weiterhin alarmierenden Corona-Zahlen und der politischen
Entscheidungen in den letzten Tagen beginnt heute ein weiterer Lockdown in Deutschland. Parallel zu den politischen Beschlüssen hat auch in der Ev. Kirche von Westfalen (EKvW) ein intensiver und kontroverser Beratungsprozess zu den Präsenzgottesdiensten an den bevorstehenden Feiertagen stattgefunden

Dazu beriet am Dienstag Tag in einer Sonderkonferenz die Präses der EKvW, Dr. h. c. Annette Kurschus, mit den Superintendentinnen und Superintendenten der Kirchenkreise über diese Thematik. In dem Wissen, dass man sich für diese Entscheidungen auch mit Kritik auseinandersetzen muss, wurde die dringende Handlungsempfehlung getroffen, ab sofort und über die Weihnachtsfeiertage – voraussichtlich – bis zum 10. Januar auf alle Präsenzgottesdienste und andere kirchliche Versammlungen (in Gebäuden und unter freiem Himmel) zu verzichten.

„Wir haben dazu sehr lange und intensiv beraten und es war ein ständiges Abwägen von Argumenten und Fakten. Am Ende haben wir uns für diese dringende Handlungsempfehlung entschieden, schweren Herzens“, blickt Dr. Christof Grote – Superintendent des Ev. Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg – auf die Konferenz zurück.

“Schweren Herzens entschieden”

„Auf Präsenzgottesdienste komplett zu verzichten, und das auch noch an Weihnachten, trifft uns sehr, weil es unserem christlichen
Verkündigungsauftrag vollkommen widerspricht. Und gerade an Weihnachten, wo Gott uns durch die Geburt Jesu Gottes seine Liebe und Annahme zeigt, wollen wir diese Botschaft weitergeben
und feiern. Auf der anderen Seite müssen wir uns fragen, ob wir es verantworten können, dass in dieser Zeit der Corona-Pandemie mit ihren erschreckend hohen Zahlen von Menschen, die sich
anstecken, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen und die versterben, sich so viele Menschen treffen? Aus Verantwortung von uns als Kirche für die Gesellschaft und zum Schutz unserer Mitmenschen haben wir den Beschluss gefasst.“

Kontakte und Begegnungen massiv reduzieren

Lesen Sie den QR-Code ein, um in die Mediathek des Kirchenkreises zu gelangen. Hier finden Sie
ein breites Spektrum an Inhalten, u.a. zahlreiche Online-Gottesdienste der heimischen
Kirchengemeinden (Grafik: EKKLP)

Bereits im ersten Lockdown im März dieses Jahres, fanden Präsenzgottesdienste über Wochen nicht mehr statt. Damals hatten die Kirchenkreise und Kirchengemeinden die klaren Vorgaben der Politik umsetzen müssen. In der jetzigen Situation ist den Kirchen aufgrund der Religionsfreiheit in
Deutschland das Feiern von Gottesdiensten nicht untersagt worden und dennoch hat die EKvW nun die dringende Handlungsempfehlung, auf Gottesdienste zu verzichten, an die Kirchenkreise und Kirchengemeinden herausgegeben.

Der Kern aller Maßnahmen, Kontakte und Begegnungen
von Menschen massiv zu reduzieren und damit zum Schutz der Gesellschaft beizutragen, steht hierbei im Vordergrund.
„Ich sehe auch die erschreckenden Corona-Zahlen. Allein die Meldung heute von über 950 Todesfällen macht mich stark betroffen und zeigt die große Notlage. Aber ich war auch selbst
über 20 Jahre Gemeindepfarrer bei uns im Kirchenkreis und weiß, wie schwer diese Entscheidung die Kirchengemeinden treffen wird. Unsere Kirchengemeinden haben sich sehr engagiert und
kreativ auf die Weihnachtszeit vorbereitet. Hierbei sind sehr viele Angebote erstellt worden und das immer mit passenden Corona-Schutzmaßnahmen. Ich bin wirklich stolz, was wir bei uns im
Kirchenkreis für ein vielfältiges Angebot aufgestellt haben. Vieles davon geht jetzt nicht mehr, die dringende Handlungsempfehlung der Landeskirche muss nun von den Kirchengemeinden vor Ort
umgesetzt werden und das tut mir auch für alle Haupt- und Ehrenamtlichen sehr leid, die sich so engagiert haben“, blickt Christof Grote auf die heimischen Kirchengemeinden.

Angebote bleiben bestehen

Auch wenn ab sofort – voraussichtlich – bis zum 10. Januar keine Präsenzgottesdienste mehr stattfinden, bleiben Gottesdienstangebote und andere Aktionen der heimischen
Kirchengemeinden aber bestehen. Viele Gottesdienste werden online verfügbar und jederzeit abrufbar sein. Zur Sammlung dieses umfangreichen Online-Angebotes stellt der Kirchenkreis auf seiner Homepage auch eine eigene Mediathek zur Verfügung.

Hier kann man aus dem breiten  pektrum an Videogottesdiensten, Andachten im Audioformat und weiteren Angeboten
auswählen. Vielerorts werden Kirchen zudem als Orte der Stille und des Gebets geöffnet sein und auch weitere Angebote, wo direkte Kontakte vermieden werden, bleiben bestehen. Über die genauen Möglichkeiten in der kommenden Zeit geben die
Kirchengemeinden über ihre Homepages und die Gemeindebüros Auskunft.

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