Grafik: Markus Kluft / Handwerkskammer Südwestfalen

Südwestfalen. (hwk) Der erfreuliche Aufwärtstrend im Südwestfälischen Handwerk deutete sich schon im Frühjahr in den Ergebnissen der Konjunkturumfrage an und hat sich über das Sommerhalbjahr hinweg verfestigt und beschleunigt. Das zeigen die Daten der aktuellen Herbstumfrage im Bezirk der Handwerkskammer Südwestfalen, die wieder gemeinsam mit den Kreishandwerkerschaften Hochsauerland, Märkischer Kreis und Westfalen-Süd ausschließlich online für die per E-Mail angeschriebenen Betriebe durchgeführt wurde.

Volle Auftragsbücher und lange Wartezeiten

„Es geht wieder aufwärts!“ kommentiert Meinolf Niemand, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Südwestfalen. „Die meisten Auftragsbücher – ganz besonders in den Bereichen Bau und Ausbau – sind gut mit Aufträgen gefüllt. Die Auftragsreichweiten sind deutlich gestiegen und der Auslastungsgrad der Betriebe hat wieder zugenommen. Doch die Entwicklung hätte noch dynamischer verlaufen können!“ Der Anstieg des Geschäftsklimaindexes fiel mit sieben Punkten auf nun rund 120 Zähler in Südwestfalen vergleichsweise moderat aus. Es steht jedoch fest: Die Talsohle ist durchschritten. Die Folgen der Unwetter und der Überschwemmungen in Teilen des Hochsauerlandkreises und des Märkischen Kreises hatten dabei allerdings nur einen sehr geringen Einfluss auf das Gesamtergebnis.

Fachkräftemangel bremst den Aufschwung

Hemmend war mehr die Beschäftigungsentwicklung, die aktuell nur ein Niveau vergleichbar dem Wert von vor zehn Jahren erreicht. „Diese Bremsspur hat einen Namen: Fachkräftemangel! Durch die demografische Entwicklung ebenso wie durch den ungebrochenen Trend zur Akademisierung kann der Bedarf an Arbeitskräften für den Aufschwung im Handwerk aktuell nicht gedeckt werden“, analysiert Meinolf Niemand. Dieser rasante Umschwung sei so nicht zu erwarten gewesen. Im Frühjahr hatten die hochgerechneten Werte angesichts der unsicheren Aussichten noch deutlich nach unten gewiesen. Nun zeigt sich dramatisch ein immenser (Nachhol)Bedarf. „Das Problem wird das Handwerk sicher noch eine Zeit lang begleiten wird. Daher gilt auch weiterhin der Appell, verstärkt auszubilden und junge Menschen auf die hervorragenden Karrierechancen im Handwerk hinzuweisen.“

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Material ist knapp und teuer

Ein zweiter bedeutender Faktor beeinflusste die Wirtschaftsentwicklung in Südwestfalen. Vor Jahresfrist und noch im Frühjahr hieß die Fessel Corona-Regeln mit den verbundenen Schließungen, die die Handwerkswirtschaft während der Hochzeit der Pandemie deutlich spürte. Jetzt schnüren die Fesseln Knappheit und Preissteigerungen bei Material und Vorleistungen die Entwicklungsmöglichkeiten deutlich ein.  Es klafft zusehends eine Lücke zwischen den Auftragseingängen und der Produktion bzw. Erbringung von Dienstleistungen wie z. B. der Errichtung eines Dachstuhls oder der Installation und Reparatur von Heizgeräten. Das belegt auch die Zunahme der Auftragsreichweiten über die Sommermonate hinweg. Die Wartezeiten für Kunden sind weiter gestiegen. Teurere Materialien und gestiegene Preise für Vorleistungen   führten aber auch zu steigenden Leistungs- und Abgabepreisen des heimischen Handwerks, was sich dämpfend auf die Nachfrage auswirkte. So berichtete mehr als jeder dritte Umfrageteilnehmer in den Handwerksgruppen Bau sowie Metall sogar von Auftragsverlusten durch die Materialpreissteigerungen. Bei den Gruppen Ausbau und Kfz war es rund jeder vierte Betrieb.

Chipmangel auch für das Handwerk ein Problem

Ein weiteres Problem für die konjunkturelle Erholung ergibt sich durch Einschränkungen bei den industriellen Auftraggebern, die durch den schon fast sprichwörtlichen Chipmangel die Produktion drosseln müssen. Die mittelbare Auswirkung auf die handwerklichen Zulieferbetriebe blieb nicht aus und wird auch in den kommenden Monaten spürbar bleiben. Verschärft wird die Problematik zudem, dass viele Zulieferer im Handwerk in Erwartung eines wieder normalen Geschäftsverlaufs für Material in Vorleistung gegangen sind. Da sind auch die weiterhin geringen Finanzierungskosten nur ein schwacher Trost. Erfreulich für die Bauwirtschaft ist jedoch die anhaltend hohe Nachfrage vor allem aus dem privaten Sektor. Geringe Ertragschancen auf Spareinlagen sowie „billiges Baugeld“ beflügeln diesen Bereich und ziehen die Ausbauhandwerke in der Folge mit.

Mehr Qualität auf dem Teller

Zu den Gewinnern des zurückliegenden halben Jahres zählen ebenfalls die Lebensmittelhandwerke. Besonders das Fleischerhandwerk legte dank des Trends zu mehr Qualität in Topf und Pfanne deutlich zu. Doch auch die Konditoreien ebenso wie die Bäckereien machten wieder Boden gut. Mehr und mehr Möglichkeiten zum Vor-Ort-Verzehr konnten wieder geöffnet werden. Bei den Handwerken für den privaten Bedarf punktete besonders das Fotografenhandwerk. Sowohl Aufträge aus dem gewerblichen Bereich wie auch in der Eventfotografie führten zu dieser positiven Entwicklung.

Der vollständige Konjunkturbericht steht zum Download (PDF) unter https://hwk-swf.de/downloads/konjunkturbericht-herbst-2021-38,692.pdf.

Quelle: Handwerkskammer Südwestfalen

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