Am 2. März erfolgte der erste Spatenstich an der ausgeschachteten Baugrube v.r. Thorsten Kohlen, Andreas Dietrich, Matthias Wagner, Bernd Benscheidt. Foto: privat

Lüdenscheid. Die Friedensgruppe und Ge-Denk-Zellen-Verein haben eine Initiative ergriffen, mit der an die in Lüdenscheid verstorbenen unbekannten sowjetischen Kriegstoten erinnert werden soll. Geplant ist ein Denkmal am Baukloh. Nach dem Planungsauftakt im Juni 2021 erfolgte jetzt der erste Spatenstich.

Zur Erinnerung: Im Gespräch mit der Freien Christlichen Schule Lüdenscheid wurde rasch ein gemeinsamer Plan entwickelt. Der Kunstlehrer Andreas Dietrich und sein Geschichtskollege Thorsten Kohlen setzten sich für das Denkmal ein, um so ein Zeichen gegen das Vergessen und für den Frieden zu setzen. Die Geschichtslehrer bereiten mit dem Ge-Denk-Zellen-Verein die Einweihung am 6. Mai 2022 mit den Schülern der höheren Klassen vor.

Thorsten Kohlen: „Gerade in diesen Tagen ist dies ein wichtiges Projekt und ein dann sichtbares Zeichen für Versöhnung, für Frieden und für das Gedenken an Opfer von Kriegen, egal ob russischer, ukrainischer oder einer anderen Abstammung. Und dies nicht nur für unsere Schüler, sondern auch für die Besucher des Parkplatzes.”

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Selten kann Unterricht so praxisnah den ersten Satz des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland umsetzen. Er lautet: „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt […] in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk […] dieses Grundgesetz gegeben.“

Von den in Lüdenscheid durch Mangelernährung und Tbc verstorbenen 235 sowjetischen Kriegsgefangenen kamen cirka 30 Prozent aus der Ukraine. Sie gehörten zu den vielen sowjetischen Soldaten, die mit den westlichen Alliierten die Diktatur des Nationalsozialismus beendeten. Durch den kalten Krieg entstanden zwei deutsche Staaten, die  1990 die Wiedervereinigung erreichen konnten. Aber der Ost-West-Konflikt blieb teilweise bestehen und fordert mehr Einsatz für die Friedenspolitik. Zu ihr soll das Denkmal an die Kriegstoten beitragen, heißt es in einer Mitteilung der Organisatoren.

Es fehlen noch mehrere tausend Euro zur Finanzierung des Denkmals. Ein Bauunternehmer hat das Fundament gespendet und eine Schlosserei arbeitet großzügig mit. Nun hoffen die Initiatoren, dass die noch fehlenden ca. 10.000 Euro durch Spenden aus der Bevölkerung zusammenkommen können und in Lüdenscheid so ein Denkmal für die vergessenen (auch ukrainischen) sowjetischen Kriegsgefangenen, die hier sterben mussten, und für den Frieden geschaffen werden kann.

 

Spenden bitte an
Konto des Ge-Denk-Zellen-Verein mit dem Stichwort „Denkmal Baukloh“

bei der Sparkasse Lüdenscheid

ISBN  DE 28 4585 0005 0000 3627 56, Diese sind steuerlich absetzbar.

 

Alle Beteiligten wollen das Denkmal, das zur Völkerverständigung beitragen soll, im Mai – vielleicht auch mit einem Nachfahren aus der Ukraine – einweihen.

Hintergrund:

Nach Kriegsende 1945 starben im Lazarett Baukloh an den Folgen von Unterernährung und Tbc 235 Kriegsgefangene aus der Sowjetunion: ca. 60 % aus der Russischen Föderation, ca. 30 % aus der Ukraine, 10 % aus anderen Gebieten. Sie waren ein Teil der ca. 26 Millionen sowjetischen Opfer des Angriffskriegs der Nationalsozialisten. Es ist nicht bekannt, wo die eine Hälfte der Baukloh-Toten in Lüdenscheider Massengräbern liegt. Die andere Hälfte wurde in Einzelgräbern mit Namensangaben auf dem Nationalfriedhof der Niederlande beigesetzt. (Im Krieg Hitlers gegen die Sowjetunion starben 3,1 Mio. deutsche Soldaten, davon ca. 1.500 aus Lüdenscheid.) Die Namen der Opfer erinnern an die tödlichen Folgen von Rassismus, Hass, Feindschaft und radikalem Nationalismus, die oft zu Kriegen führen.-Erinnerungen und Städtepartnerschaft mahnen uns, die Opfer nicht zu vergessen und für Verständigung und Frieden tätig zu sein.

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