Die Eröffnung der Ausstellung "Von Op bis Pop - Lüdenscheid damals!" war ausgesprochen gut besucht. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Die Krawatte in Sparkassenrot ist bei Markus Hacke eigentlich obligatorisch. Am Freitag hatte sie gegen einen grell-orangenen Binder getauscht. Eine Reminiszenz an eine Zeit, in der alles bunter war als heute und an die Ausstellung „Von Op bis Pop – Lüdenscheid damals!“.

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Die neue Ausstellung in der Städtischen Galerie anlässlich des 750. Jahrestages der Stadtwerdung Lüdenscheids ist der Zeit des künstlerischen Aufbruchs nach dem Zweiten Weltkrieg gewidmet. Der orangene Manta mir schwarzem Vinyl-Dach von Hackes Vater hatte mit diesem Aufbruch zwar wenig zu tun. Er erinnert den Sparkassenchef ebenso wie sein orangenes Fahrrad aus Kindheitstagen an die Zeit Anfang der 1970er Jahre als in Kunst, Design und Technik nahezu alles möglich schien.

„Nach der Mondlandung begeisterten sich die Menschen für den Weltraum“, sagte Markus Hacke vor dem zahlreich erschienenen Premieren-Publikum. Die Menschen hätten es damals für möglich gehalten, dass bald ein Mensch auch seinen Fuß auf den Mars setzen würden.

Zögerlicher Umbruch

Kunstsammler Klaus Crummenerl schilderte die Aufbruchstimmung der 1960er Jahre. Foto: Wolfgang Teipel

Das hat allerdings bis heute nicht geklappt. Etwas zögerlich sei auch die Entwicklung der Kunst in Lüdenscheid gewesen, berichtete Sammler Klaus Crummenerl. Er führte in einer launigen Ansprache die Besucher in die Ausstellung ein. „Der Kunstunterricht am Zepp kam eher gediegen und behäbig daher“ erinnerte sich der ehemalige Stadtdirektor an seine Schulzeit. „Das korrespondierte damals mit der Kunst in der Stadt.“ Das änderte sich, als die Pop-Art Ende der 1960er Jahre über den großen Teich nach Deutschland schwappte. Davon zeugen die großformatigen Drucke in der Ausstellung.

Mustergültig gestaltete Industrieprodukte

Lüdenscheid, so Crummenerl, entwickelte sich in dieser Zeit auch zu einem Zentrum „mustergültig gestalteter Industrieprodukte“. Einige sind im Forum der städtischen Galerie zu betrachten.

Objekte und Drucke im Forum der Städtischen Galerie. Foto: Wolfgang Teipel

Galerieleiterin Dr. Susanne Conzen erinnert an „Futuro“, das Rundhaus des finnischen Architekten Matti Suuronen, das passend zur damals „Space Age“-Ära einem Raumschiff glich. In Lüdenscheid war es 1971 auf der Internationalen Kunststoffhaus-Ausstellung (IKA) zu sehen. Zwei WDR-Beiträge erinnern am Eingang zu den oberen Galerieräumen an diese Schau. Mutige Lüdenscheider Investoren setzten damals auf das neue Wohnen im Heim aus Kunststoff. Der Traum aus Plastik wurde für sie allerdings zum Albtraum. Die Rundhäuser erhielten in Deutschland keine Zulassung. Damit war das Geld verloren.

Die Ausstellung ist bis zum 13. Januar zu sehen. Am Sonntag, 9. September, beginnt um 15 Uhr die erste öffentliche Führung.

Das Spiegelobjekt “Kreis konvex-kokav” von Victor Bonato aus dem Besitz der Städtischen Galerie. Foto: Wolfgang Teipel

 

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