Die entsprechende Stelle am Hinterkopf wird auf drei Millimeter rasiert und der Haarstreifen, der entnommen werden soll, eingezeichnet. Foto: Marie Schulz/Sportklinik Hellersen

Lüdenscheid/Märkischer Kreis. Wenn Camille Lohmann (Name geändert) in den Spiegel schaut, fallen ihr zuerst die ausgedünnten Stellen im vorderen Bereich ihres Haaransatzes auf, die alters- und hormonell bedingt in den vergangenen Jahren aufgetreten sind. Die Haare sind deutlich dünner als früher. Dieser Makel ist ihr ein Dorn im Auge, weshalb sich die 59-Jährige die Haare immer so frisiert, dass die lichten Stellen nicht sichtbar sind. „Es stört mich, was ich selbst sehe, auch wenn es anderen vielleicht nicht auffällt. Ich fühle mich damit nicht wohl“, beschreibt Camille Lohmann ihr Empfinden. Sie findet, weniger Haare lassen sie alt aussehen. „Es wäre ein schönes Gefühl, nicht mehr darauf achten zu müssen, einfach eine Erleichterung”, sagt sie.

Patientin wollte vorbeugen

Ihre Kopfhaut ist auch der Grund, weshalb sich die 59-Jährige schon längere Zeit in Behandlung bei einer Hautärztin befindet. Von Haartransplantationen hatte sie schon im Vorfeld gehört, als sie schließlich den Entschluss fasste, sich einer solchen Operation zu unterziehen. Sie informierte sich genauer über das Thema. „Ich wollte vorbeugen, falls es noch schlimmer werden sollte“, sagt Camille Lohmann und so kam sie zur Sportklinik Hellersen in den Fachbereich von Frau Dr. Petra Scheffer, Chefärztin für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie/Handchirurgie.

Unter örtlicher Betäubung entnehmen Chefärztin Dr. Petra Scheffer und Oberärztin Tanja Czarnotta den Haarstreifen. Foto: Marie Schulz/Sportklinik Hellersen

Der Haarausfall selbst sei zwar nicht zu stoppen, aber die implantierten Haare fallen nicht mehr aus, da sie aus dem Hinterkopf entnommen werden. Selbst bei Männern, die genetisch bedingt häufiger von Haarausfall betroffen sind als Frauen, verbleibt am Hinterkopf in der Regel ein Haarkranz, mit dem bei der Transplantation dann gearbeitet wird. „Die Haarwurzel hat dort keine Androgenrezeptoren“, begründet Dr. Petra Scheffer. Viele Männer rasierten sich nur in dem Fall eine Vollglatze, weil es ihnen optisch besser gefalle.

Während bei Männern oft betroffene Stellen eine hohe Stirn, Geheimratsecken und eine Tonsur sind, entschließen sich Frauen häufig zu diesem Schritt bei einer hohen Stirn, einem ausgedünnten Scheitel oder bei schütterem Haar. Bei schütterem Haar wird bei Frauen zum Beispiel im Bereich des Haaransatzes der Stirn, in den Scheitelbereichen sowie in den schütteren Arealen das Haar transplantiert, um ein optisch dichteres Haar zu vermitteln, wie auch bei Camille Lohmann.

Der unregelmäßige Einsatz der Haare sorgt für eine natürliche Haarverteilung. „Der Haaransatz darf zum Beispiel nicht mit dem Lineal gezogen sein, da das Ergebnis sonst wie ein Monchichi aussieht oder wie eine Puppe mit geknüpften Haaren“, erklärt die Ärztin.

Ursache wird genau abgeklärt

Unter dem Mikroskop wird der Haarstreifen von den Haartransplantationstechnikerinnen in sogenannte Grafts zerteilt und diese wiederrum in Implantate. Foto: Marie Schulz/Sportklink Hellersen

„Die Operation ist bei der Patientin sehr erfolgsversprechend“, sagt Dr. Petra Scheffer. Denn im Vorfeld wurde – wie bei jeder Haartransplantation – zuerst die Ursache für den Haarausfall abgeklärt. Dazu erfolgt eine Blutabnahme mit Hormonbestimmung und es werden mögliche Krankheiten oder Medikamente, die den Haarausfall bedingen könnten, ausgeschlossen.

Durchgeführt wird die OP von Oberärztin Tanja Czarnotta, Chefärztin Dr. Petra Scheffer und einem externen Haarteam, bestehend aus zwei freiberuflichen Haartransplantationstechnikerinnen. Es gibt zwei verschiedene Transplantations-Methoden. Bei dem einen Verfahren werden die zu verpflanzenden Haare einzeln am Hinterkopf mit einer dünnen Hohlnadel gewonnen – häufig bei Männern der Fall – und bei der anderen Methode wird ein Hautstreifen aus dem Hinterkopf-Bereich entnommen. Dieses Verfahren wird vor allem bei größerem Bedarf an Spenderhaaren angewandt und bei Patienten, die Langhaarträger sind, da eine stichförmige Narbe am Hinterkopf verbleibt. So ist es auch bei Camille Lohmann.

Örtliche Betäubung

Nachdem die beiden Ärztinnen den Haarstreifen in einer örtlichen Betäubung entnommen haben, wird dieser von den Haartransplantationstechnikerinnen in sogenannte Grafts (kleinere Stücke) zerteilt und diese wiederrum in einzelne Implantate, die dann später in den lichteren Stellen der Kopfhaut eingesetzt werden. Ein Implantat enthält ein bis vier Haare, inklusive der Haarwurzeln. Die Implantate werden vom Haar-Team so zugeschnitten, dass etwas Haut als Schutzhülle der Haarwurzel verbleibt und diese nicht so schnell beschädigt wird. Damit Haar und Haut bis zum Einpflanzen am Leben bleiben, wird der gesamte Haarstreifen zudem in Kochsalzlösung getränkt.

„Die Spritzen zur Betäubung, bevor der Haarstreifen entnommen wurde, waren das Unangenehmste. Danach habe ich keine Schmerzen mehr gespürt und auch während der OP nur einen Druck“, sagt die Patientin. „Ich fühle mich gut und bin sehr auf das Endergebnis gespannt“, berichtet sie nach der OP. Auf dieses muss sie allerdings noch einige Monate warten. Drei bis vier Wochen nach der Transplantation fallen die transplantierten Haare zunächst einmal aus.

Haare wachsen nach zwei bis vier Monaten

Der Grund: Die Haarwurzeln erleben direkt nach der Behandlung eine Art Schockzustand und müssen sich davon erholen. Die Ruhephase, die darauf folgt, ist gleichzeitig die Anwachsphase. Denn im Anschluss – nach zwei bis vier Monaten – wachsen die kräftigen neuen Haare nach, die dann auch nicht mehr ausfallen.

In den ersten drei Wochen nach der OP darf keine Kopfbedeckung getragen werden, da sonst die frisch transplantierten Haare herausgerissen oder abgedrückt werden könnten. Am 27. Apirl bietet die Sportklinik einen Online-Vortrag zum Thema an. Mehr dazu hier:  Sportklinik Hellersen_Onlinevortrag Endlich wieder vollere Haare

Info: Voraussetzung, um eine Haartransplantation durchführen zu können, ist zuvor eine Abklärung von möglichen Krankheiten, die den Haarausfall bedingen könnten. So soll ausgeschlossen werden, dass der Haarausfall nicht hormonell bedingt ist, von Medikamenten hervorgerufen wird oder durch eine Hauterkrankung und es sich auch nicht um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei der ein fehlgeleitetes Immunsystem die Haarwurzel schädigt. Zudem werden die Schilddrüsenfunktionen, der Eiweißstoffwechsel sowie der Zucker- und Fettstoffwechsel im Vorfeld abgeklärt, um einen diffusen Haarausfall auszuschließen.

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