Jugendliche mit griechischen Wurzeln sangen zum Auftakt der Veranstaltung die griechische Nationalhymne. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheider Griechinnen und Griechen haben bei einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Integrationsagentur des Diakonischen Werkes und dem Verein Ge-Denk-Zellen „Altes Rathaus“ an Widerstand und Verbrechen im Zweiten Weltkrieg erinnert.

Lüdenscheid. Ein Tag des Stolzes und zugleich ein Tag der Trauer: Das verbinden viele Griechinnen und Griechen mit dem 28. Oktober. Es ist der Tag, an dem 1940 der griechische Diktator Metaxa ein Ultimatum Italiens ablehnte und das Volk und die Armee im Zweiten Weltkrieg in den Widerstand zogen  – zunächst gegen italienische Soldaten, später gegen deutsche Einheiten. Lüdenscheider Griechinnen und Griechen erinnerten am Freitag bei einer gemeinsamen Veranstaltung der Integrationsagentur der Diakonischen Werkes und des Vereins Ge-Denk-Zellen Altes Rathaus an den Ochi-Tag (Ochi ist das griechische Wort für Nein). „Es ist auch der Tag, an dem Griechinnen und Griechen in aller Welt der Opfer des Zweiten Weltkriegs gedenken“, erklärte Evangelia Kasdanastassi (Integrationsagentur) zur Einführung.

Massaker in Lyngiades dokumentiert

Evangelia Kasdanastassi begrüßte die Gäste in der Stadtbücherei. Foto: Wolfgang Teipel

Im Mittelpunkt der Veranstaltung in der Stadtbücherei stand der Film „Der Balkon“, ein Dokumentarfilm über die Vernichtung des Dorfes Lyngiades in Nord-Griechenland. Schülerinnen und Schüler mit griechischen Wurzeln, die in Lüdenscheid mit Unterstützung des Fördervereins zur Pflege der griechischen Sprache und Kultur im Ergänzungsunterricht die Sprache ihrer Vorfahren lernen, eröffneten die Gedenkveranstaltung mit der griechischen Nationalhymne. Sie ist mit 150 Strophen die längste der Welt. Gesungen wurden und werden allerdings nur zwei. Die Pianistin Aleksandra Diamantaki stimmte die Gäste musikalisch auf den folgenden Film ein.

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82 Bewohnerinnen und Bewohner umgebracht

Die Pianistin Aleksandra Diamantaki stimmte die Gäste musikalisch auf den folgenden Film ein. Foto: Wolfgang Teipel

„Der Balkon – Wehrmachtsverbrechen in Griechenland“ ist ein Dokumentarfilm von Chrysanthos Konstantinidis (2018, mit deutschen Untertiteln). Er schildert die Vernichtung des Dorfes Lyngiades am 3. Oktober 1943. Die Idylle war Schauplatz eines Massakers. Am 3. Oktober 1943 ermordeten die deutschen Besatzer zweiundachtzig Dorfbewohnerinnen und -bewohner, überwiegend Kinder und alte Leute, und zerstörten fast alle Häuser.

Der Regisseur des Films stammt aus Lyngiades. Die Hintergründe des Verbrechens recherchierte vor drei Jahrzehnten der Rechtshistoriker Christoph Schminck-Gustavus (siehe sein Buch „Der Feuerrauch“). Jetzt führt er durch den Film. Der Film vermittelt den Nachgeborenen, woran sich die Überlebenden schmerzhaft erinnern. Es sind Dokumente der Trauer vor dem Hintergrund eines kollektiven Traumas.

Zeichen von Trauer und Entsetzen

Ulli Joßner, Verein Respekt für Griechenland, und Rolf Breucker, Ge-Denk-Zellen Verein „Altes Rathaus“, standen zum Abschluss des Abends für Gespräche zur Verfügung. Foto: Wolfgang Teipel

Zu Gast war unter anderem Ulli Joßner  vom Verein „Respekt für Griechenland“. Er stand nach der Filmvorführung und einem Trauercafé zusammen mit Rolf Breucker vom Verein Ge-Denk-Zellen für Gespräche zur Verfügung. Der Auftakt der Gesprächsrunde stand zunächst allerdings ganz im Zeichen von Trauer und Entsetzen. Diese Gefühle hatte der Film bei den Besucherinnen und Besuchern ausgelöst.

Mitwirkende der Veranstaltung waren „Ipirotikos Syllogos Lüdenscheid e.V.“, ein griechischer Tanz und Kulturverein aus Nordwest Griechenlands, der „Tanzverein aus Thrakien“ (griechischer Tanzverein aus Nordost Griechenlands), der „Tanzverein der Griechen aus Pontos – Panagia Soumela“ (ein griechischer Tanzverein aus dem Norden Griechenlands) und der „ Förderverein zur Pflege der griechischen Sprache und Kultur Lüdenscheid e.V.  (griechischer Sprachunterricht).