Hochwasser
Eine Barriere aus Sandsäcken. Foto: Feuerwehr Schalksmühle
Schalksmühle. Schalksmühle wurde am Mittwoch von einer Unwetterlage getroffen, mit der wohl niemand gerechnet hat und deren Ausmaß beispiellos ist. Hier eine Zusammenfassung aus Sicht der Feuerwehr:
Der Mittwochmorgen begann für die Feuerwehr Schalksmühle dann auch schon um 2 Uhr, mit einem Einsatz in Reineberge mit einem vollgelaufenen Keller. Weitere Einsätze konzentrierten sich zunächst allerdings auf das Gebiet der Stadt Hagen:

Aufgrund mehrerer Erdrutsche im Verlauf der Bundesstraße 54 war Rummenohl bzw. Dahl von Hagen aus nicht mehr erreichbar. Um vier Uhr wurde daher die Feuerwehr Schalksmühle zu einem Restaurant nach Rummenohl alarmiert. Dort war eine Rauchentwicklung im Keller gemeldet. Der Rauch stammte, so stellte es sich bei der Erkundung heraus, von der Heizungsanlage des Gebäudes, die zweieinhalb Meter unter Wasser stand. Ein Feuer gab es nicht. Jedoch musste das Gebäude stromlos geschaltet und das Wasser abgepumpt werden.

Ein angeschwemmter Gastank. Foto: Feuerwehr Schalksmühle
Im weiteren Verlauf des Morgens ging es nach Priorei, wo ein Werkstattgebäude einzustürzen drohte. Die Maßnahmen der Feuerwehr beschränkten sich hier auf Absperrmaßnahmen, die in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Hagen getroffen wurden. Parallel wurden weitere überflutete Gebäude im Bereich Dahl ausgepumpt. Die B54 musste auf Höhe des Sommerhagener Wegs wegen der dort unterspülten und zerstörten Fahrbahndecke gesperrt werden.
Um 9:50 Uhr rückte die Löschgruppe Winkeln zur Straße Rölveder Mühle aus. Dort drohte Wasser in ein Jagdhaus einzubrechen. Dies konnte durch Maßnahmen der Feuerwehr verhindert werden. Im weiteren Verlauf mussten weitere Gebäude in Winkeln mit Sandsäcken geschützt werden.
Mit der Intensivierung des Regens wurden viele Tonnen Sand in Sandsäcke gefüllt und zum Objektschutz eingesetzt – auch durch viele Verwaltungsangestellte und die Mitarbeiter des Bauhofs.

Mit den steigenden Pegeln konzentrierte sich der Schwerpunkt der Einsätze auf den kompletten Bereich der Volme, sowie auf die Bereiche Klagebach, Glörstraße, Hälverstraße. Aber auch zahlreiche weitere Bereiche waren betroffen.



Schäden am Bahndamm. Foto: Feuerwehr Schalksmühle
Die Freiwillige Feuerwehr Schalksmühle arbeitete innerhalb von 48 Stunden 159 Einsätze ab.
Darunter waren etliche vollgelaufene Keller, vollgelaufene Firmenkomplexe, umgestürzte Bäume und ausgelöste Brandmeldeanlagen, aufgrund der Wassereinbrüche.
Auf dem Höchststand des Hochwassers war die Lage sehr angespannt. Es flossen nicht nur mehrere zehntausend Liter Heizöl die Volme runter. Es kam auch zu brenzligen Situationen, deren guter Ausgang letztlich auch hätte anders ablaufen können:
• Ein Baum stürzte im Bereich Strücken auf ein fahrendes Auto – die Fahrerin kam größtenteils mit dem Schrecken davon.
• Ein 85-jähriger Mann blieb mit seinem Auto auf der überschwemmten Volmestraße liegen, stieg aus, hielt sich an einem Geländer fest und wurde von der Besatzung eines zufällig vorbeifahrenden Feuerwehrfahrzeugs aus dem schnell strömenden Wasser gerettet.
• Weitere Autos blieben im Wasser liegen und wurden von den Wassermassen links und rechts an den Fahrbahnrand gedrückt.
• Ein Feuerwehrmann stürzte mit einem Bein in einen offengespülten Gullyschacht. Er blieb unverletzt.

• Unternehmen in Richtung Lüdenscheid rechtsseitig der Volme waren von der Außenwelt abgeschnitten, da sie nur über Brücken erreichbar sind, die sich aber im wahrsten Sinne in der Volme befanden.

Einsatz im strömenden Regen. Foto: Feuerwehr Schalksmühle
• Die Gleise der Volmetalbahn wurden teilweise unterspült.
• Die Zugangsbrücke zu einem Unternehmen an der Asenbach ist eingestürzt.
• Der Volme- und der Glörpark wurden massiv beschädigt.
• Menschen wateten oft hüfthoch durch ihre Keller und versuchten zu retten, was sie greifen konnten. Viele waren sich dabei nicht bewusst, in welche Lebensgefahr sie sich begeben haben.
• Einige Menschen brachten sich auch dadurch in Gefahr, dass sie sich am Rand der Volme, auf überspülten Brücken und im strömenden Wasser aufhielten, um Fotos und Videos zu machen. Dies führte zu Behinderungen der Feuerwehr, weil diese Personen aufgefordert werden mussten, die Gefahrenbereiche zu verlassen.
• Ein Flüssiggastank trieb in der Volme gegen die Brücke nach Stephansohl.
• Treibgut beschädigte weitere Brücken. Die Brücke nach Strücken ist nur einseitig befahrbar.
• Es kam zu zahlreichen Kurzschlüssen und Schmorbränden.

Zahlreichen Betroffenen konnte leider nicht wie gewünscht geholfen werden. Der Pegel der Volme und der Bäche war zeitweise einfach zu hoch. Hier war es für die Kameradinnen und Kameraden oft sehr schwer mit ansehen zu müssen, nicht helfen zu können, obwohl diese gebraucht wurde.

Sandsäcke werden verladen. Foto: Feuerwehr Schalksmühle
Und dennoch kann man aus Feuerwehrsicht sagen: Schalksmühle hat es zwar hart getroffen, aber bereits im Vergleich zur Nachbarstadt Hagen oder den Regionen rund um Ahrweiler, sind wir wohl trotz allem mit einem blauen Auge davon gekommen.
Ganz herzlich und ausdrücklich möchten wir uns für den außerordentlich großen Zuspruch der Schalksmühlerinnen und Schalksmühler für unseren Einsatz bedanken. Wir wissen, dass wir einen sehr guten Rückhalt in der Schalksmühler Bevölkerung haben, aber die Unterstützung der Menschen und die Danksagungen haben uns alle im besten Sinne sehr beeindruckt und uns die Kraft gegeben, weiter zu machen!
Also nochmal: Vielen Dank für die zahlreichen Getränke, Brötchen, Kuchen und die sonstige Unterstützung für die Feuerwehr!
Am Schluss möchte die Freiwillige Feuerwehr Schalksmühle noch einmal den Familien und Freunden der Mittwoch im Einsatz ums Leben gekommenen Kameraden sowie den Feuerwehren Altena und Werdohl ihr tief empfundenes Mitgefühl aussprechen.
Ebenso trauern wir, um alle anderen, die durch dieses Katastrophale Unwetter ihr Leben verloren.
Wir sind in Gedanken bei denjenigen, die verletzt wurden oder ihr Hab und Gut verloren. (mf)

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