Faruk Ikinci, Mehmet Yaman (Betriebsrat Dura Leisten und Blenden) und Torsten Kasubke (IG Metall, von rechts) müssen erst mal die neue Situation analysieren, die durch die Ankündigung der Konzernleitung, die Standorte Plettenberg und Selbecke in einem Jahr zu schließen, geschaffen worden ist. Foto: Bernhard Schlütter

Plettenberg. “Ob hier ganz normal weitergearbeitet wird, müssen wir sehen. Das können wir jetzt nicht sagen”, sagt Faruk Ikinci, Betriebsratsvorsitzender von Dura Leisten und Blenden. Nach der Ankündigung der Konzernleitung, die Standorte Plettenberg und Selbecke mit insgesamt 970 Mitarbeitern in fast genau einem Jahr zu schließen (Bericht), ist das schwer vorstellbar.

“Wir müssen uns jetzt erst mal sammeln, neu strukturieren und eine Informationsphase durchführen”, kündigt Mehmet Yaman, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, an. Vor etwa einer Woche erst ist der Betriebsrat neu gewählt worden. Die beiden Vorsitzenden wurden wiedergewählt, aber die weitere Zusammensetzung hat sich verändert. Mit der Hiobsbotschaft, die am Dienstag (24. April) bei der Betriebsversammlung von der Konzernleitung verkündet wurde, hatte keiner von ihnen gerechnet.

Stocksauer sind Faruk Ikinci und Mehmet Yaman vor allem über die Aussage, es seien keine Aufträge mehr reingekommen, die Kunden hätten gleichsam über die Schließung entschieden. Tatsache sei, dass es seitens der Geschäftsführung schon seit Mai 2013 einen Auftragsstopp gebe. Dura habe sich schlichtweg nicht um neue Aufträge gekümmert, geschweige denn bemüht. “Personell und technisch sind wir in der Lage, alle Aufträge zu erfüllen!” Darauf legt Faruk Ikinci Wert.

Wie es weitergeht, ist derzeit ungewiss. Die Konzernleitung sage, dass bis zum 30. April 2019 niemand gekündigt werde, und verlange, dass ebenso lange verlässlich gearbeitet werden solle. “Und am 30. April 2019 soll sich alles von einem Tag auf den anderen in Luft auflösen?” Faruk Ikinci zuckt die Schultern und schüttelt den Kopf über diese neue Kapriole des Dura-Konzerns.

Heider und Ziemiak: Entscheidung macht uns betroffen

Die heimischen CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Matthias Heider und Paul Ziemiak kommentieren die Entwicklung bei Dura:

“Die Entscheidung des Managements der Dura Automotive macht uns betroffen. Sie ist betrieblich bedauerlich und würdigt in keinem Maße das Engagement der Mitarbeiter des Unternehmens.

Die Schließung der Unternehmensstandorte hatte sich abgezeichnet. Es ist für uns unverständlich, dass die Gesprächsbereitschaft der Arbeitnehmervertretung durch das Management nicht honoriert wurde und den Standorten keine neuen Zukunftschancen gegeben wurden. Für den Unmut der Mitarbeiter des Unternehmens haben wir großes Verständnis.

Die Standortleitung hat nun angekündigt, Gespräche mit dem Betriebsrat über einen Interessensausgleich zu führen. Wir hoffen, dass so die Nachteile der Mitarbeiter abgefedert werden können. Der einzige Trost für die Mitarbeiter ist die gute Arbeitsmarktsituation und die hohe Nachfrage nach Fachkräften im Sauerland.”

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