Werkstatt-Vorsitzender Hartmut Engelkemeier gab eine Einführung in die Werke der drei Stipendiums-Kandidaten. Foto: Schlütter

Plettenberg. Wer erhält das Werkstatt-Stipendium 2018? Die drei in die engere Auswahl gewählten Bewerber Michael Dlogusch (Düsseldorf), Elise Schaller (Dresden) und Marcel Happich (Leipzig) stellen sich mit einer Auswahl ihrer Werke dem Plettenberger Publikum.

Ausgewählt wurden dieses Jahr von den Werkstatt-Mitgliedern die Sparten Malerei und Zeichnung. Noch zwei Wochen (bis 13. April) können Besucher die Ausstellung im Ratssaal betrachten. Gegen Ende der nächsten Woche werden Vorstand und Beirat der Werkstatt Plettenberg eine Entscheidung für einen der drei Bewerber getroffen haben, der bzw. die dann von Mai bis Oktober ins Stipendiatenhaus am Kirchplatz einziehen darf.

Äußere und innere Welt

Foto: Schlütter

Leider konnte Michael Dlogusch bei der Ausstellungseröffnung nicht persönlich anwesend sein. Seine Werke erklärt er wie folgt: Über einen längeren Zeitraum habe er durchsichtige Objekte mit ihren Lichtbrechungen und Schattenwürfen beobachtet und dann fotografiert. Am Computer bearbeitete er dann das digitale Foto, druckte es aus und arbeitete es anschließend zeichnerisch mit Kreide und Bleistift aus. Inhaltlich beschäftigen den Künstler die Verwerfungen der äußeren Welt ebenso wie die Suche nach den Strukturen der inneren Welt. Dlogusch: „Auf einem Bild sieht man zwei Türme mit strengem geometrischem Aufbau. Ihre Architektur folgt einer systematischen strengen Odnung, die uns Stabilität suggeriert. Doch in den Türmen brodelt es.“

Einer seiner Ziele sei es, seine alternativen Darstellungstechniken soweit auszubauen, dass auch Kunst-Laien ihre eigen subjektive Wahrnehmung und ihr Empfinden visualisieren können.

Suche nach Ordnung

Elise Schaller Foto: Schlütter

Elise Schaller arbeitet genreübergreifend mit Fotografie, Zeichnung, Installation und Malerei. Auch sie stellt gesellschaftliche Verunsicherungen fest als Impuls für ihren künstlerischen Ansatz. Ihre Antwort auf globale Krisen ist die Suche nach einem Ordnungssystem, denn Ordnung schaffe Stabilität in einer ungeordneten Welt. „Speicher, Archive und Magazine, in denen Dokumente geordnet und aufbewahrt werden, sind charakteristisch für den Umgang mit dem Gedächtnis und geben Halt und Orientierung im Leben.“ Schaller versuche sich in folgender Arbeit mit dem Spannungsverhältnis zwischen dem Ordnen der Dinge und den Grenzen des Ordnens auseinander zu setzen. Werkstatt-Vorsitzender Hartmut Engelkemeier wandte sich an die Besucher: „Sie können sich selbst ein Bild machen, wie die Bildindividualität zurück- und das Serielle und Systematische hervortritt. Fantasievoll erscheint ihre Installation mit einer überraschenden Komposition von gebrauchsgegenständen. Die faszination der Fotografie in ihrer ursprünglichen Form zeigt sie mit Lochkamera-Aufnahmen.“

Nähe zur Punk-Kultur

Marcel Happich Foto: Schlütter

Der Künstler Marcel Happich ist dagegen ein Bildindividualist. Eine Nähe zur Punk-Kultur ist aus seinen Bildern erkennbar. Engelkemeier führt an, dass bei Happichs Bildern eine Verwandtschaft mit bekannten Bildern der neuen Leipziger Schule auffalle, die durch ihre Figürlichkeit und die Lust auf Malerei nach der Wende bekannt wurde. In den Bildern Happichs sind häufig subjektive Erfahrungswelten dargestellt. Selbstprotraits beschäftigen ihn. Er selbst schrieb in seiner Bewerbung, dass in seinem Zentrum Form und Farbe stünden. In der Ausstellung zeigt er Werke aus einer längeren Zeitphase, die durchaus Unterschiede in der künstlerischen Entwicklung erkennen lassen. Happich, so Engelkemeier, war Mitbegründer einer Künstlergruppe „Spektakulärer Dada“, Filmemacher, Cartoonist, Darsteller und freier Journalist. In der Leipziger alternativen Szene scheint er gut verwurzelt zu sein.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here