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1. Beigeordneter und Kämmerer Dr. Karl Heinz Blasweiler hat seinen Rückzug aus der Verwaltungsspitze angekündigt. Foto: Wolfgang Teipel
Lüdenscheid. Lüdenscheids Kämmerer und Erster Beigeordneter Dr. Karl Heinz Blasweiler steht nicht für eine Wiederwahl zur Verfügung. Die Amtszeit des 58-Jährigen endet im Sommer 2021. Heute Vormittag hat er zunächst die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seines Fachbereichs informiert. Die Vertreter der Ratsfraktionen erhielten ein ausführliches Schreiben. Am Abend erläuterte er seinen Rückzug bei einer Sitzung der SPD-Ratsfraktion persönlich. Dr. Karl Heinz Blasweiler kam 1997 nach Lüdenscheid und wurde Beigeordneter auf Vorschlag der SPD.

SPD-Erklärung: “Rückzug bedeutet eine Zäsur”

Zu seinem angekündigten Rückzug erklären Fabian Ferber als Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes und SPD-Fraktionsvorsitzender Jens Voß:

 „Die Erklärung von Dr. Karl Heinz Blasweiler bedauern wir, können die von ihm geschilderten Umstände, die zu dieser Entscheidung geführt haben, aber gut nachvollziehen. Wir haben großen Respekt vor dieser Entscheidung. Der Zeitpunkt, an dem Dr. Blasweiler uns diese Entscheidung mitgeteilt hat, verdient Anerkennung und Dankbarkeit. So versetzt er uns in die Lage, rechtzeitig und umsichtig über eine geeignete Nachfolge zu diskutieren. Sein Rückzug bedeutet eine Zäsur.“

24 Jahre lang zuständig für die Finanzverwaltung

Seit gut 24 Jahren ist Dr. Blasweiler zuständig für die städtische Finanzverwaltung. In dieser Zeit trug er zwischenzeitlich jedoch auch unter anderem Verantwortung für die Feuerwehr, das Rechts- und Ordnungsamt, den STL, den Stadtentwässerungsbetrieb, das Standesamt und die Zentrale Gebäudewirtschaft (ZGW). Der Fachbereich, der ihm bis heute zugeordnet ist, umfasst die Bereiche Personal, Organisation und IT, Finanzbuchhaltung sowie Finanzen, Steuern und Beteiligungen. Aktuell fungiert er auch als einer von zwei Geschäftsführern des Entwicklungs- und GründerCentrums (EGC).

An wegweisenden Entwicklungen maßgeblich beteiligt

In ihrer Erklärung verweisen Fabian Ferber und Jens Voß beispielhaft auf einige wegweisende Entwicklungen, an denen Dr. Karl Heinz Blasweiler maßgeblich beteiligt war. Dazu zählen sie

  • die Einführung des Neuen Kommunalen Finanzmangements (NKF),
  • die Durchführung einer wissenschaftlich fundierten Mitarbeiterbefragung zur Arbeitszufriedenheit bei der Stadt Lüdenscheid,
  • die Weiterentwicklung des früheren Hochbauamtes zur ZGW,
  • die Umwandlung des Stadtentwässerungsbetriebs SEL in eine Anstalt öffentlichen Rechts,
  • die Krisenbegleitung der ENERVIE und
  • die Entwicklung des Haushaltssicherungskonzepts inklusive des deutlichen Schuldenabbaus der vergangenen Jahre.

Gemeinsam mit der ZGW habe er zudem eine besondere Verantwortung bei der Koordinierung der Unterbringung von zahlreichen Flüchtlingen im Jahr 2015 getragen.

“Bemerkenswert erscheint uns auch die von ihm initiierte Verwendung der Jahresüberschüsse seit 2017 zum Aufbau einer inzwischen mit rund 20 Mio. Euro dotierten Rücklage für den Neubau der Feuer- und Rettungswache”, heißt es weiter in der Erklärung der beiden Politiker.

“Bei allem Eigenengagement war es ihm übrigens immer ein besonderes Anliegen, die gute Zusammenarbeit mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und die erbrachte Gemeinschaftleistung hervorzuheben.”

Expertise weit über die Stadt hinaus geschätzt

Die fachliche Expertise von Dr. Blasweiler wird parteiübergreifend und weit über die Stadt hinaus geschätzt. So hat er sich unter anderem als Autor von zwei Fachbüchern sowie zahlreicher Beiträge für Fachzeitschriften einen Namen gemacht. Bereits um die Jahrtausendwende konnte er seine besonderen Kompetenzen im Zusammenhang mit der Modernisierung und Digitalisierung der Öffentlichen Verwaltung bei der Spezifikation PAS 1021 „Verfahrensmodell zur Gestaltung von Geschäftsprozessen der öffentlichen Verwaltung“ beim DIN-Institut in Berlin einbringen. Eine hervorragende Reputation genießt er als Referent, unter anderem für die Friedrich-Ebert-Stiftung, das Bildungswerk Stenden, die KGSt sowie die Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung NRW. Schließlich arbeitet er seit Jahren eng mit der FernUniversität Hagen im Rahmen der dortigen Studienangebote zur Mediation zusammen (u.a. Dozent, Betreuung von Masterarbeiten).

Besonders heben Fabian Ferber und Jens Voß Blasweilers festen Standpunkt hervor. “Dank dieser Grundhaltung ist die Stadt Lüdenscheid keinen fragwürdigen Trends der Finanzwirtschaft nachgegangen, durch die andere Kommunen millionenfachen Schaden erleiden mussten. In Abstimmung mit Rat und Verwaltung verzichtete die Stadt z.B. darauf, ihr Tafelsilber in Form von Cross-Border-Leasing-Geschäften zu verscherbeln. Derivat- bzw. sogenannten „SWAP“-Geschäften wurde stets eine klare Absage erteilt.”

Engagement über die Amtspflichen hinaus

Weiter erwähnen sie das Engagement des 1. Beigeordneten über seine Amtspflichten hinaus. “Als rund um die Jahrtausendwende rechte Aufmärsche und Kundgebungen Konjunktur in Lüdenscheid hatten, bezog er eindeutig Position für Toleranz und Zivilcourage. In den sozialen Medien ergreift er immer wieder für Demokratie und eine wertschätzende Debattenkultur, vor allem aber gegen extremistische Tendenzen das Wort. Aktuell ist er im Kirchenvorstand der Kirchengemeinde St. Medardus, im Kirchensteuerrat des Bistums Essen, im Caritasrat für den Bereich Altena-Lüdenscheid und sowie als Aufsichtsratsvorsitzender der Caritas Pflege und Hilfe GmbH, zu der auch das Altenheim St. Elisabeth gehört, engagiert.

SPD-Ratsfraktion und SPD-Stadtverband danken Dr. Karl Heinz Blasweiler für die geleistete Arbeit und hoffen über das Ende der Amtszeit hinaus auf weiterhin gute Zusammenarbeit.“

In einem Gespräch mit den Lüdenscheider Nachrichten führt Dr. Karl Heinz Blasweiler unter anderem als Begründung für seinen Rückzug an, dass er in der Vergangenheit zahlreichen anonymen Attacken von Drohanrufen bis hin zu Beleidigungen und Sachbeschädigung ausgesetzt gewesen sei.

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