Die Uhr tickt: Gudrun Gerhardt und Gordan Dudas fordern zum Handeln auf. Foto: IG Metall/Fabian Ferber

Lüdenscheid/Märkischer Kreis. Am Donnerstag, 18. Juli, stattete der Vorsitzende der SPD im Märkischen Kreis, Gordan Dudas, einen Besuch bei der IG Metall Märkischer Kreis ab. Zweck des Besuchs des Landtagsabgeordneten war ein Treffen mit Gudrun Gerhardt, der Ersten Bevollmächtigten der IG Metall im Märkischen Kreis. Beide erörterten im Gespräch die Perspektiven der heimischen Industriearbeitsplätze mit dem Fokus auf die zahlreichen Automobilzulieferer in der Region. (Anmerkung der Redaktion: Das Thema ist brandaktuell. Erst am Donnerstag hatte der Schweizer Konzern Georg Fischer AG angekündigt, das er seine Gießerei in Werdohl schließen wolle. Hier werden Druckgussteile wie zum Beispiel Motorblöcke und Getriebegehäuse für die Autoindustrie gefertigt.)

Auch Folge von Fehlentscheidungen

Gudrun Gerhardt berichtete über den großen Druck, den die Automobilhersteller an die heimischen Zulieferer weitergebe. Der hohe Kostendruck sei auch durch zahlreiche Fehlentscheidungen der Autohersteller – Stichwort: Diesel-Affäre – entstanden. „Zu den Standortverlagerungen der vergangenen Jahre kommt nun auch der stärkere Fokus auf E-Mobilität hinzu“, weiß die Gewerkschafterin zu berichten. Dies treffe die Region besonders hart: Immerhin befinden sich im Märkischen Kreis unter anderem zahlreiche Schmiedebetriebe, Stanzereien und Gießereien, die Komponenten für den Verbrennungsmotor herstellen.



Unterstützung durch die öffentliche Hand

Die elab-Studie des Fraunhofer Instituts prognostiziere einen Rückgang von Arbeitsplätzen in der Fertigung des Verbrenner-Antriebsstrangs von über 60 Prozent bis zum Jahr 2030. „Dem müssen wir uns stellen, indem die Betriebe Alternativen für ihre Produktionsstandorte finden und die Mitarbeiter für neue Tätigkeiten weitergebildet werden“, fordert Gerhardt. Dies sei kein Kinderspiel und in zahlreichen mittelständischen Betrieben auch eine Frage, wie dies finanziert werden soll: „Mir berichten Betriebsräte und Geschäftsführer aus der Zulieferindustrie, dass sie beim Umstieg auf andere Produkte auf finanzielle Unterstützung angewiesen seien. Einige Banken sperren sich aber offenbar, Automobilzulieferern gute Konditionen oder überhaupt Kredite anzubieten.“ Hier müssten Banken und auch die öffentliche Hand mehr Unterstützung liefern.

Die IG Metall setzt sich bundesweit für die Einführung regionaler Strukturfonds ein, welche die Transformation der Unternehmen finanziell begleiten sollen.

Mehr Arbeitsplätze gefährdet als im rheinischen Braunkohlerevier

Gordan Dudas fasste die Einschätzungen Gudrun Gerhardts so zusammen: „Alles, was mit dem Verbrennungsmotor zu tun hat, wird auf den Prüfstand gestellt. Wenn man den ganzen Märkischen Kreis und die Region Südwestfalen zusammenfasst, sind hier mehr Arbeitsplätze gefährdet als beispielsweise im rheinischen Braunkohlerevier.“ Dabei gehe es dem SPD-Politiker nicht darum, dem rheinischen Revier Mittel wegzunehmen, die dort dringend benötigt würden. „Aber es ist an der Zeit, dass wir aus der Region Südwestfalen laut werden und Unterstützung für die Zukunft unseres Standorts kämpfen“, hält Dudas fest.

Berufliche Weiterbildung vorantreiben

Gerhardt und Dudas sind sich einig, dass Investitionen in neue Technologien, in berufliche Weiterbildung sowie in Forschung und Entwicklung nun angetrieben werden müssten. „In vielen klassischen kleinen und mittelgroßen Betrieben in unserer Region gibt es gar keine Forschungsabteilung“, sagt Gudrun Gerhardt. Dabei sei wichtig, dass die vielfache Abhängigkeit der heimischen Industrie von den Automobilherstellern und die Herausforderungen der Digitalisierung durch eine neue Vielfalt in der Produktion heimischer Betriebe gelöst werde. Hier nennt die Gewerkschafterin das Lüdenscheider Kunststoff-Institut als Beispiel, in dem sich viele Unternehmen zusammentun und gemeinsam forschen lassen.

Gordan Dudas wird den Strukturwandel in Südwestfalen im zweiten Halbjahr stärker zum Thema machen und dabei auch parteiübergreifende Initiativen anregen. Sowohl Gerhardt als auch Dudas verabredeten sich, zu der Zukunft des Wirtschaftsstandorts und der Herausforderungen für die Arbeitswelt weiter im Gespräch zu bleiben.

 

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